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Fremdenbuch für Heidelberg und die Umgegend / von K.C. Leonhard
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verwüsten. Nachdem er neuerdings ausgepliindert war, stand erverlassen. Die Glocken wurden zu Kanonen und zu FranzösischenSous umgegossen, die Uhr und alles Eisenwerk gerauht, die Ur-kunden mit Säbeln zerhauen und die Bibliothek nach Landau ge-führt. Während des Kaiser-Reiches war der Dom Heu-undStroh - Magazin und Stallung- für die Schlacht-Ochsen der Armee.Es erschien zulezt ein übermüthiger ArchUecte aus Paris und ent-warf den unverschämten Plan, Schiff und Chöre der alten Kathe-drale in einen Schweinemarkt umzuwandeln, das Portal aber mitder westlichen Kuppel in einen Triumphbogen zu Ehren derGrossen Nation. Er schlug den Bewohnern von Speyer dieeinfache (?!) Inschrift vor:

Leurs Vertus Effaqent Nos Reyrcts.

Allein Napoleon bewahrte das alte Münster vor dieser Profanationund gab es 1806 seiner Bestimmung zurück. In den Jahren 1807und 1809 war es Magazin und Aufenthalt Preussischer und Oester-reichischer Kriegs-Gefangenen, und 1814 Hospital der bei Hanaugeschlagenen Franzosen, von denen Tausende hinstarben auf denSteinplatten des Domes, in den Gewölben der Krypta, und imKreuzgange. Seitdem der Ueberrhein unter Baierisclie Hoheit ge-kommen, oder genauer seit dem Jahre 1819 , arbeitete man an derWiederherstellung des Domes. Es wurden 160,000 Gulden dazuverwendet, und seit 1824 ist er dem Gottesdienste zuriickgegeben.

Einst wars im Thurmc still und todtUnd einsam in den weiten Hallen,

Da hörte man heim Morgenroth

Nicht Lied und Glockenklang erschallen;

Da lag im alten Gotteshaus

Nur der Zerstörung Schutt und Graus,

Da zog im festlichen Talare

Kein Bischof zu dem Hochaltäre.

Doch ihr, Yandalen-Tage, zogtHinab mit euerm walschen Zwange,Und wieder durch die Hallen wogtDer Orgelton zum Fest-Gesänge;Der Lampen Feierschein erglommAufs Neuim hohen Kaiser-Dom,Und wieder tonet das GeläuteVom alterthiimlichem Gebäude.

Geissel.

Mit stillem Staunen betritt man das Innere des heiligen Hauses. Die drei Chöre tiber einander, mit den ungeheueren Gewölbenund Kuppeln, von Byzantinischen Pilastern mit Würfelknäufen ge-tragen, gewähren einen imposanten Anblick.

Besonders zu merken sind:

1. Im mittleren Gange vier, in den Boden eingelegte sieben-blätterige Rosen von Stein. Eine fromme Sage erzählt, der heiligeBernhard habe, als er im Jahre 1146 zum Reichstage nach Speyer