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Fremdenbuch für Heidelberg und die Umgegend / von K.C. Leonhard
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gekommen und den Dom besucht, die Mutter Gottes an diesen vierPläzzen angerufen, und von ihrem uralten wunderfhätigen Büldevom Altäre her sey laut geantwortet und der heilige Mann imTempel willkommen geheissen worden. Der bescheidene Abt habejedoch dem Bilde Stillschweigen geboten, und dasselbe wäre auchvon der Stunde an verstummt. Im Jahre 17 94 wurde dieses Bildvon den Klubbisten auf dem Domplazze unter Freiheits- Liedernund republikanischen Tänzen feierlich verbrannt. Eine spätereSage berichtet, die Steinrosen bez.eiclineten die vier grossenSchritte oder Sprünge, welche St. Bernhard gemacht habe, als er/.um Dome kam.

2. Im Königs-Chore über dem Grabe des Königs Adolhi fin-det man das Denkmal, welches der je/.t regierende Herzog vonNassau seinem Ahnherrn 1824 errichten liess. Der Sarkophagvon schwarzem Marmor ist in Diez gearbeitet, die Statue Adolphs,von Sandstein, ist ein Werk des Bildhauers Ohnmacht, und dasGanze höchst sehenswerth.

3. An einem Säulen-Kapitale des linken Chores erblickt mandas Bild des SchlangentOdters Sigurth, wie er dem Lind wurme denRachen zerreisst. Die unförmliche Frazze scheint vom ersten Bauedes Domes, oder noch älter, zu seyn. In demselben Chore und injenem gegenüber finden sich die acht, hier begrabenen, Kaiser inStein ausgehauen.

4. Im Stifts-Chore hängen zwei interessante Gemälde einJohannes in der Wüste von Amigom, vom Könige von Baiernhierher geschenkt, und eine, durch Schlesinger gefertigte, sehrvorzügliche Kopie der Raphael'sehen Maymna del Sisto , derenOriginal in Dresden bewahrt wird. Auf dem Boden dieses Choresist der Grabstein des Bischofs Gerhard von Ernbery nicht zu über-sehen. Er wurde 1336, im Alter von 23 Jahren, als er gerade aufder Zechstube sass, zum Bischof gewählt, führte Ludwig demBaiern mehrmals gerüstete Reiterhaufen zu, und war ein eben sowackerer Ritter, wie ein tüchtiger Bischof.

5. In der Sakristei ist ein uraltes Mess-Gewand, auf dem diezwölf Apostel in Stickerei zu sehen sind, so wie eine Monstranz inForm eines Gothischen Thurmes, und ein alter Weihbrunnen-Kessel,für die Geschichte der Kunst bemerkenswerth. Ueber der Sakristeibefindet sich die alte Schazkammer des Domes. Hier wurden einstdie Kunstschäzze vieler Jahrhunderte aufbewahrt: Mess-Gewänderund Chorkappen, durchaus mit Perlen und farbigen Edelsteinen ge-stickt, Kruzifixe von Gold und Silber, reiche Kelche, Monstranzenund Ciborien, Mess- und Psalmbücher, die goldenen Decken mit