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Einleitung.
eingesetzt hat, der jetzt so augenfangend funkelt. Aus denfolgenden Notizen wird man ersehen, wie gerade das Pikante,das Rührende, das Ergreifende, das Begeisternde, ja das Hin-reißende in der Geschichte meistens — gelogen ist. Eben das,was sich am leichtesten dem Gedächtnis einprägt, ist fast immerSchwindel, gut erfundene Reklame, die zur Motivierung einesbrauchbaren Stichworts dienen muß und dient — -.E /<Ms
Du bist zu einer Audienz bestellt, sei es bei einem Fürsten,sei es bei einem sonst einflußreichen Herrn, welche vielleichtüber dein Lebensglück entscheiden soll; durch eine verbindliche,gefällige, sinnreiche Antwort könntest du leicht das Zünglein inder Wage zu deinen Gunsten ausschlagen lassen; aber die Un-befangenheit fehlt — teils durch das Bewußtsein der Wichtig-keit des Augenblicks, teils wegen der Gegenwart der hohenPerson; — die Manschetten werden zu kurz, der Frack unterden Achseln zu eng. Zu einer sinnreichen Bemerkung gehörtimmer eine doppelte Gedankenverbindung, eine Ge-dankenmasche, mit der man den andern bestrickt; ihre niedrigste,sich nur miteindrängelnde, eigentlich hinkende und daher verrufeneArt ist das Wortspiel.
„Seines Geistes Armut zeigt,
Wer zum Wortspiel niedersteigt."
Gleim.
Diese doppelte Verbindung ist nun aber durch die Befangen-heit vollständig ausgehakt; mit Mühe nur kommt die einfachezu Stande und häufig versagt auch diese, so daß der Bitt-steller sich selbst das Armutszeugnis ausstellt, zu erklären, erkönne unmöglich die Gefühle ausdrücken, die ihn beseelen,— eine Versicherung, die hochgestellte Personen meistens schonso oft gehört haben, daß sie ihnen über alle Maßen flachund läppisch vorkommen muß. — Die Audienz ist zuEnde; der Bittsteller geht die Treppe hinunter;der nervösstimmende Augenblick der Entscheidung ist vorüber,die bangemachende hohe Person nicht mehr gegenwärtig, die