Die Deutschen.
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von zwei Schriftstellern, welche 580 Jahre sp ät er lebten,als die Begebenheit sich zugetragen haben soll." (Humboldt,Kosmos II. S. 251.) Nach DelepierrearMes x. 35 f.) stammt die Fabel von Gregorius Bar-Hebraeus, besser bekannt unter dem Namen Abulpharadschcirca 1264, welcher zuerst eine Beschreibung der Verbrennungder Bibliothek in syrischer Sprache anfertigte und sie dannins Arabische übersetzte. Nun war aber Johannes vor derEinnahme der Stadt (21. Dezember 640) schon gestorben.Daß die Stadt damals 4000 Bäder hatte, erzählt d'Herbelotin seiner FrMcMegAö Wieviel Bücher wären
nötig gewesen um diese 4000 Bäder sechs Monate lang zuheizen! auch ist es ein absurder Gedanke, Pergament zumHeizen zu benutzen.
„Die Bewohner von Alexandricn erwiesen, sagt der Bischof von Niki», demarabischen Emir alle Ehrerbietung. Von Tag zu Tag wurde er stärker. Der Bischofsagt wörtlich! „Amrn liest sich die Auflage zahlen, die man ihm versprochen hatte,aber er nahm nichts von den Gütern der Kirche; aller räuberischen Gewaltsamkeitenenthielt er sich. So damals wie nachher." (Der Bischof Johannes von Niki» lebteca. 686; sein Bericht ist in französischer Übersetzung 1883 herausgegeben; Ranke, W. G.5, s S. 275.) „Man sieht Wohl, wie wenig die Erzählung von der Verbrennung deralexandrinischen Bibliothek zu diesem thatsächlichen Verhältnis paßt. Ich sehe darinnichts, als einen Reflex des späteren Erfolges, daß die römisch-griechische Litteratur in den Hintergrund trat, die arabische dagegendie Oberhand bekam." (Ranke, W- G. 5, 1 S. 152 f.)
Die Deutschen.
Gleich die Ansänge der deutschen Geschichte, die Begegnungenmit Rom sind ein ergiebiger Boden für reiche Mythenbildungengeworden. Zu solchen Mythen gehört z. B. die allgemeinverbreitete Ansicht, daß die berühmte Schlacht am Teuto-burger Walde in der Nähe von Detmold vorgefallensei. Man liest das so in unsern Geschichtsbüchern; die Kinderlernen es in den Schulen. Auch die Geographiebücher gehenvon derselben Annahme aus, und unsere geographischen Kartenenthalten regelmäßig für den Gebirgszug, welcher das west-