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Einleitung.
Freilich hat auch das Zeugnis der bei einem Ereignisgegenwärtig Gewesenen immer seine Bedenken; ebenso das an-derer Zeitgenossen.
„Es ist mehr schematich als fachgemäß, mit den ,Augen- und Ohrenzeugen^ dieReihe der Bewährungen geschlossen zu glauben. Nicht ohne weiteres — wie analogeForschungen in der neueren Geschichte, wo eine ungleich schärfere Kontrolle möglichist, gezeigt haben — sind die ersten, den Ereignissen selbst nächststchcnden Darstellerdie zuverlässigsten; unmittelbar mit den Ereignissen bilden sich Auffassungen von den-selben, die, immerhin mit dem Vorzüge und dem Reiz der lebendigen Zcitstimmungund der ersten Eindrücke alle die Trübungen verbinden, welche Parteinahme, politischeAbsichtlichkeit oder Befangenheit, persönliche Beziehungen aller Art willkürlich oderunwillkürlich hineintragen; und je erregter die Zeiten, je größer die Er-eignisse, je bestritteuer die Entscheidungen sind, um die es sichhandelt, desto weniger werden die Mitlebenden, die Mithandelndenvon dem, was geschehen ist, wenn der Au s druck erlaubt, achromatischeSehbilder zu geben im stände sein; erst allmählich wird die Beruhigung derGemüter, die Klärung der Meinung, die größere Werte der Auffassungen eintreten,deren cs zur sachgemäßen Darlegung des Geschehenen bedarf." (Droysen, Geschichtedes Hellenismus II., S. 376).
Noch weiter geht Bachofen: die Sage von Tanaquil;eine Untersuchung über den Orientalismus in Rom und Italien;Heidelberg 1870; Vorwort S.
„Da es in der Natur des Menschen liegt, daß all' sein Tlmn auf Erden in schnellerVergänglichkeit vorübcreilt, so kann niemals das Ereignis selbst in seinemrealen Verlauf Gegenstand unserer Beobachtung bilden. Vielmehr muß,um das Flüchtige zu fixieren, die Tradition in das, Mittel treten."
Wenn Bachofen jedoch ferner behauptet, daß für die Ge-schichte der Vergangenheit nie eine reale, aber stets eine geistigeWahrheit erlangt merden könne, so können wir ihm nicht überallfolgen, sondern nur mit der Einschränkung, zu welcher die über-haupt in diesem Werke enthaltene Einrede sich zuspitzt. Dennwie bei einer gerichtlichen Untersuchung kommtes der Geschichte auch vor allem auf Feststellungdes Thatbestandes an und es muß ihr hauptsächlichdarauf ankommen. Alles andere kommt später.Daher ist auch die Enthistorisierung des vermutlichnur Allegorischen ein berechtigter Teil ihrer Thätig-keit, Vorsicht hierbei jedoch stets zu empfehlen.
Cortes z. B. könnte die Sonne sein (vergl. Tylor:./Vrnnliv« Uonäon 1871. Vol. I. p. 288); bei