Die goldene Zeit. Z9
wirkliche und das eingebildete und sind eingeengt und geknebeltdurch die albernsten Vorurteile und Wahnvorstellungen, —viel schlimmer als der Kulturmensch (Vergl. Bagehot, ikNrMesFoMr'es S. 25, 120 u. 216). — Den Glauben an einegoldene Zeit leitet man gewöhnlich ab von der liebevollen Er-innerung, mit welcher der Mann und der Greis ihrer Jugend-zeit gedenken; aber auch diese Vergleichung trifft nicht zu, daniemand sagen kann, ob er in seinen allerjüngsten Jahren,vom ersten bis fünften glücklich war oder nicht und es sogarwahrscheinlich ist, daß ganz kleine Kinder, wenn sie nicht gradeschlafen, mehr schmerzliche als freudige Augenblicke haben. Trotzalledem haben sogar einige der bedeutendsten Geister es mitdem Ernste, welchen die von ihnen selbstgewählte Aufgabe er-forderte, nicht unvereinbar gefunden, ihre Ansichten über diegoldene Zeit so vorzutragen, als ob dieselben irgendwo undirgendwann schon verwirklicht gewesen wären. (Vergleiche„Utopien" von Wechsler. Königsberg 1859, Schul-programm der Burgschule daselbst, gedruckt bei Dalkowski.)
Daß die Dichter und Maler sich gern auf diesen Stoffwerfen, ist bei der Ärmlichkeit dessen, was wirklich ist und ge-schieht, fast selbstverständlich. Der Sage von der Insel St.Brandan, welche den Einwohnern der kanarischen Inselnvon Zeit zu Zeit am Horizonte erschien, welche aber immer,wie ein Traum, den Entdeckern, die darnach aussegelten, ver-schwand, soll nach Washington Jrving (Me amä voMAoso/ mro! coMMN-Erv, Lonäon, Lobn, 1850,
Vol. III. 878 — 881), Tasso die Farben zu seinen Zauber-gärten der Armida entlehnt haben (6r6rr«scr?6mm6 XV
37tk.). Nach 1721 ging eine Expedition zur Aufsuchung derInsel aus Spanien ab und noch 1755 wird sie auf einerfranzösischen Karte verzeichnet in 2M nördlicher Breite und 5"westlich von Ferro. Von einer ähnlichen Insel fabelten die-^rländer; die Einwohner von Arranmore behaupten noch anklaren Tagen 8^ Lrv8ail d. i. die Zauberinsel erblicken zu