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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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47
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Die Assyrer, die Ägypter, die Perser.

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dort eingeschlossen und drei Jahre belagert; als die Stadtnicht mehr zu halten ist, verbrennt sich der König mit seinerGemahlin und seinen sämtlichen Nebenweibern auf einem400 Fuß hohen Scheiterhaufen mit 180 goldenen Ruhebettenund ebensoviel goldenen Tischen, nebst zehn Millionen TalentenGoldes, hundert Millionen Talenten Silbers und einerMenge kostbarer Purpurzeuge rc. — In Wirklichkeit hieß derletzte König der Assyrer nicht Assurbanipal (— Sardanapal),sondern Assur-idil-illi; jenes war vielmehr der vorletzte undauch sonst wimmelt die Erzählung von Unbegreiflichkeiten.

„Nach einem im Harem verbrachten Leben mochte sich ein weibischer Herrscher, vongroßer Gefahr bedrängt, wohl selbst den Tod geben, aber schwerlich weder den Entschluß"och die Fähigkeit finden, drei Jahre hindurch heldenmütig und hartnäckig um Reichund Thron zu kämpfen."

Wiederum erkennt man in der Erzählung voiu Sturz derassyrischen Dynastie ein in Prosa aufgelöstes Epos, welchessich an dasjenige, den Anfang des Reiches betreffend, mitMerkbarer Absichtlichkeit anschließt.

„Ein Mannweib, die Semiramis, hatte das Reich gegründet; ein weibischerMann brachte es ins Verderben.Hieraus müssen wir schließen, daß

die medischen Sänger den Mythos nnd die Gestalt einer Göttin der Semiten, derÄstar, zu ihrer Zeichnung der Semiramis verwertet haben, sie auch für die Zeichnungdes Gegenbildes der Semiramis, des Sardanapal, den Mythos des semitischen Gottesdeuutzt haben, der sein Wesen mit der ihm zur Seite gestellten weiblichen Göttin aus-picht, der das Franenkleid trägt nnd Purpurwolle spinnt, wie denn auch seine Ver-ehrer an gewissen Festen Frauengewänder trugen.Auch für die Schilderung

des Untergangs des Sardanapal scheinen den medischen Sängern Akte des Kultusdes syrischen Gottes maßgebend gewesen zu sein. Es wurden dem Sonnengott derShrer an große» Festen mächtige Scheiterhaufen erbaut; eine Menge bon Kostbarkeiten"uf diese gehäuft und diese dann mit einem auf den Scheiterhaufen gestellten Bildedes Gottes, der sich in diesem Brande verjüngen sollte, angezündet.

.Den Griechen war der Name Sardanapal schon zur Zeit des Aristo-

hhanes der Ausdruck aller Pracht und Üppigkeit und „schwelgerischer als Sardanapal"dei ihnen ein gangbares Sprüchwort (Vogel 1022). Diese Ausfassung wurde dannl°gar dahin gewendet, daß Sardanapal das Leben im Genuß erschöpft habe, weil das-selbe ^rz und der Mensch nach dem Tode nichts als Asche sei. So galt Sardanapaldei den Griechen als Vorbild und Prediger jener Weisheit, welche das Leben im Ge-»uß zu verwerten rät nnd assyrijche Inschriften zu Anchiale in Kilikienan einem assyrischen Königsbilde, welches eine verächtliche Handbe-pgung zu machen schien, gaben griechischen Dichtern Gelegenheit,angebliche Verdollmetschnngen derselben zu erfinden, welche Lehrenieser Art unter dem Namen einer selbstverfaßte» Grabschrift Sardanapals einschärsten.-,Wohl wissend, daß du sterblich geboren," sagt die gangbarste dieser Inschriften, „er-