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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen von 71249ö vor Chr. G.

712 soll in Italien , namentlich in Rom , eine mörderischeSeuche gewesen sein. (Papon.) In pathologischer Hinsichträthselhaft bleibt das Hinsterben von 185 000 Mann im HeereSennecharibs nm diese Zeit*). Es scheint (nach Kön. 4,19),als ob Alle in einer Nacht gestorben seien. Vigouroux undLederer setzten diesen Feldzug ins Jahr 701 oder 700. NachJosephus (Ant. IX, 14) herrschte zur Zeit Sennecharibs unterden Cuthäern eine Pest und Hungersnoth; eine ansteckendeKrankheit, wovon aber in der Bibel (Kön. 4, 25) nichts erwähntwird, soll eine grosse Zahl der Juden hingerafft haben. Um 700herrschte eine Seuche in Aegypten (II, 141), 4 Jahre später solchein Sparta (Diog. Laert. vit. phil. VIII, 70). Gegen 642 war zuRom eine Pest, die Lässigkeit im Kriegsdienst verursachte.(Liv. I, 83.) Unter Tarquinius Priscus (616578) soll einedurch Genuss von Stierfleisch entstandene Seuche Knaben,,Jungfrauen und Schwangere getödtet haben. (Dion. Hai. Ant. IV);auch soll im Jahre 592 in Athen eine Seuche geherrscht haben.(Sprengel Gesch. d. Med. I.) Im folgenden Jahre war solcheim griechischen Belagerungsheere vor Cirrha (Papon), einigeJahre später in dem von Nabuchodonosor belagerten Jerusalem (Papon), um 584 solche in Phokis und Athen (Paus. X, 37,Plat. Leg. I, Plut. Sol.). Gegen 560 starben von 100 Jünglingen,die von Chios nach Delphi geschickt waren, 98 an der Pest(Herod. VI, 27); vielleicht ist dies die von Papon auf 541 gesetztePest zu Delphi. Auf 532 setzt man eine Pest zu Rom . Vor 525unter Amasis brach nach einem sehr dichten Nebel in Aegypten eine Seuche aus. Auf 515 bringt Papon die Pest zu Rom unterTarquinius Superbus , woran unzählige Männer, Frauen (be-sonders schwangere) und Kindei' starben; noch 12 Jahrespäter wüthete sie, diesmal im Bunde mit Hungersnoth.Pythagoras (513 471) soll durch Präventivmassregeln diePest von einem Orte abgehalten haben (Jambl. Philostr.); inseine Zeit fallen mehrere Epidemien, namentlich die unterVeturius und Helva (499, nach neuerer Chronologie 496**) in

*) Berosus schrieb nach Josephus , dass die Armee Sennecharibs ineiner Nacht durch eine Pest, die sogleich im Anfänge der BelagerungJerusalems eintrat, um 185 000 Mann verringert worden, weshalb er sichzurückgezogen habe. Nach der h. Schiift tödtete ein Engel Jehovas so vielTausende; bei Isaias 37, 36:Da ging aus ein Engel des Herrn und schlugim Lager der Assyrier 185 000 Mann. Und da sie aufstanden am Morgen,siehe da lauter Leichname der Erschlagenen. Der AusdruckEngel des Herrn bezeichnet, wie allgemein anerkannt ist, die Pest. Bei den Syrernheissen Krankheiten: Engel, die mit Eäusten schlagen. In der vonHerodot (II, 141) erzählten Sage vertritt die Maus als Kepräsentant derVernichtung die Stelle des Engels. Die Maus ist das Symbol der Pest.(1. Sam. 6, 4.) In den von Sennecharib verfassten Inschriften ist nurvon der Einschliessung Jerusalems und der Eückkehr nach Ninive die Eede,natürlicher Weise nicht von dem unglücklichen Ereigniss. Nach HerodotsBericht war die Armee nicht aus geschulten Kriegern gebildet, sondernaus allerlei Volk.

**) Nach Soltau sind die gewöhnlich angegebenen Jahreszahlen in derrömischen Chronologie zu vermindern von 505372 um 3, von 371364um 2 Jahre, von 363323 um 1 Jahr.