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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen von 450430 vor Chr. G.

sein? Fast gleichzeitig soll 450 eine Pest in Syrien geherrschthaben (Athan. Kircher).

Dass der Ho-lwan, erwähnt in einer chinesischen Schrift,welche bis in die Zeit des Hippokrates versetzt wird, indischeCholera gewesen, ist wenigstens zweifelhaft (Hirsch 308).Auch das im Ayurveda vorkommende auf Cholera bezogeneKrankheitsbild ist in dieser Hinsicht unsicher.

In der Zeit von Empedokles scheint nach einer Sonnen-finsterniss (440, 12. Aug.?) eine Seuche gekommen zu sein.*)Im Jahre 446 (wenn nicht nach der Ansicht Neuerer dieseJahreszahl in 436 umzuändern ist) waren in Italien ungemeingrosse Erdbeben. Keckermann erzählt von einer grossen Pestin Sicilien, Griechenland und Thracien , die nach einem Erdbebenin Palästina auftrat. In Rom trat solche nach starken Erdbebenim Jahre 436 unter M. C. Maluginensis und L. Pap. Crassus auf. Sie erschien dort nach einem Beutezug und wurde somörderisch, dass im nächsten Jahre die Bildung eines Heeres,als die Feinde heranzogen, Schwierigkeiten machte. Noch un-gesunder als 436 war das folgende Jahr. (Liv. 4, 21, 24.) Dieunter J. Junius II. und Virginius Tricostus Css. (434) wüthendePest liess ein allgemeines Aussterben und Hungersnoth befürch-ten. Sie befiel Stadt und Land, Menschen und Yieh. ImJahre 433 standen wegen der Seuche alle öffentlichen Geschäftestill und wurde selbst das Feld nicht bestellt. Im nächsten Jahreliess die Seuche nach. Zwei Jahre später wird noch erwähnt,dass die römische Jugend arg davon mitgenommen worden sei.Für die Genesung des römischen Volkes wurde ein Tempeldem Apollo gelobt und schon 431 geweiht.

Viel besser, als diese in Italien herrschende Seuche, kennenwir die von Thukydides (II, 47 und 84) beschriebene, welchefast um dieselbe Zeit in Griechenland auftrat, die sogenannteAtheniensis che Pest. Im Anfänge des Sommers 430 v. Ch.fielen die Peloponneser in Attika ein, und wenige Tage nachdiesem feindlichen Einfalle begann, trotzdem das Jahr bis dahinals ein sehr gesundes galt, auch schon die Seuche in Athen , inder Art, wie seit Menschengedenken kein Sterben irgendwovorgekommen war. Sie soll aber vorbei' schon an andern Orten,namentlich auf Lemnos , ihren unheilvollen Rundgang mehrmalsabgehalten haben. Man sagte, sie habe sich von Aetliiopiennach Aegypten und Lybien**) und zu vielen Ländern des persi-

*) Pestilentiae, quae solis obscuratione contrahitur, ignis suffitu multi-formiter auxiliari, certum est. Empedocles et Hippocrates id monstraverediversis locis. Plin. 36, 27.

**) Drei Jahre vorher soll sie in Aethiopien gewesen sein. (Euseb.angeblich.) Vgl. noch Schoenke, Diss., de peste Periclis aet. Atheniensesaftiigente, Lips. 1821 oder 1831. Mit Rücksicht auf die Worte von Thuky­ dides schrieb auch Galen: Aya 3s v.al '/.ata to auveyec s; Ai&toHacE^pu7) xiva (TyjTTSOOvcoOT) fiiaagGCTa -ois s-itrjoetu); syooa acogata ßXa9jvatirpoc aO-iüv, alxia irupe-roü -f£YTqaop.sva. (Diff. Febr. I, 290 ed. Kühn) undanderswo, indem er den Ursprung der Pest von dem unvermeidlichen