Atheniensisclie Pest.
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Brand?) verloren*) (was man, wie den Krampf, auf Ergotismusbeziehen könnte); Andere hatten den Verlust der Augenzu beklagen (Amaurose?), Einige, welche genasen, wurden sogedächtnisschwach (wohl blödsinnig), dass sie die Ihrigen nichtmehr kannten. Es starben aber so Viele, dass man nie einesolche Menge von Leichen in der Stadt gesehen hatte und dieTempel damit angefüllt waren, während Halbtodte auf denStrassen und an den Brunnen hülflos lagen. Um Gräber undScheiterhaufen entstanden Streitigkeiten und Viele blieben un-beerdigt liegen, selbst von Aasvögeln und Raubthieren unberührt.Wenn aber einmal ein Thier, etwa ein Hund, eine Leiche an-frass, so starb es. Vögel sali man überhaupt fast keine damals.Unter diesen traurigen Verhältnissen bemächtigte sich eineförmliche Verzweiflung der Gemüther, da auch der Stärkste inGefahr stand, von der Krankheit ergriffen zu werden. Derdavon Befallene musste ohne Pflege und Hülfe liegen bleiben,oder selbst zur sichern Weiterverbreitung der höchst contagiö-sen Seuche Anlass werden. Nur Solche, welche bereits dieKrankheit einmal überstanden hatten, waren vor einer noch-maligen toddrohenden Ansteckung sicher. Die meisten Aerztestarben weg. Viele Einwohner ergaben sich, in der Voraussichteines baldigen Todes, der Zügellosigkeit und Genusssucht.Gesetz und Strafe waren machtlos geworden.
430. „Während der ganzen Zeit, als die Peloponnesier aufattischem Gebiete waren und die Athener auf den Schiffen,würgte die Seuche die Athener sowohl auf der Flotte, als inder Stadt.“ Thuk. II, 57. Als dann in demselben Sommer dieAthener Potidäa belagerten, bedrängte die mitgebrachte Krank-heit die Athener auf ’s Aergste und lichtete ihre Reihen; ja auchdie alten Belagerungstruppen, die bis dahin gesund gewesenwaren, wurden durch die Mannschaft des Hagnon angesteckt.Dieser kehrte mit den Schiffen nach Athen zurück, nachdem erin etwa 40 Tagen von 4000 Schwerbewaffneten 1500 durch dieSeuche verloren hatte.
Die Seuche war jedenfalls dadurch genährt worden, dassviele Landbewohner, während der Feind die Fluren verheerenddurchzog, mit ihrer Habe in die Stadt geflüchtet waren, wodemnach eine übergrosse Zahl von Menschen zusammengepferchtwohnte. Die Epidemie hielt zu Athen 3 Jahre, oder noch länger,an, indem sie einmal 2 Jahre mehr oder minder sich bemerklichmachte, dann nochmals ein volles Jahr herrschte; 300 Ritter,4400 Vollbürger, 10000 Freie und Sclaven erlagen ihr**).
cpufjuxTa, sljui&sv, ssto&sv, za irspl ßoußcovas, zusetzend: I<pusTo 3s e~l rwvaXXuiv eX’/.soiv iroXXa xat atootowiv. Nach Pselli carm. mecl. ist ßoußcuv dieentzündete Drüse, •süfia die eiternde.
:i: ) Aehnlich heisst es hei der Beschreibung einer Pest bei Lukrez :ln nervös hic morbus et artus ibat et in parteis genitaleis corporis ipsas.Kt graviter partim metuentes limina lethi vivebant ferro privati parte viriii.
**) 427, 426 nach Wahrmund, Thuk. Bell. Pel. III, 87, a. 5 belli: