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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 9. Jahrhundert. Ignis sacer.

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war die Pest in Griechenland , Thracien und der Bulga-rei verbreitet. 834 war eine Pest im wallonischen Belgien (Torfs Bastes des calamites publiques, 1859). 837 Pest

in Italien und Deutschland (Capocci). Auch wird das Jahr 38als Pestjahr genannt. Im Jahre 39 war die Pest in Italien .Auf das Erdbeben im Oktober 842 im nördlichen Frankreich folgte eine Krankheit mit sehr heftigem Husten, woran Vielestarben. (Bouqu. VII, 32, 41. Chr. Fontan. in M. G. II.)Auf Heuschreckenplage ist im Jahre 47 eine heftige Seuche inFrankreich , verbunden mit schrecklicher Hungersnoth, gefolgt.*)Die starke dreijährige Hungersnoth, die durch grosse Dürreveranlasst 49 begann, scheint dagegen keine Pest im Gefolgegehabt zu haben. 850. Eine Binderseuche beraubte mancheProvinzen fast des ganzen Viehstandes. (52 erschienen Heu-schrecken.) Im J. 53 waren epidemische Krankheiten im HeereLothars. Auch 55 verlor das kaiserliche Heer durch Krank-heiten mehr Leute, als in der blutigsten Schlacht; es warenmeistHals- und Brustaffektionen, wahrscheinlich Diphtheritis. **)Die fürs J. 56 erwähnte nach einer Ueberschwemmung auf-gekommene Schlundpest ist wohl nichts anderes gewesen.***)Im J. 57, auf welches Jahr Goutales Pest und Hungersnothbringt, herrschte unter dem Volke eine grosse Plage mit strotzend-vollen Blasen und raffte es hin, indem in scheusslichei' Fäulnissdie Glieder abfielen, f) Es ist wohl das phlegmonöse, Brand-blasen bildende Erysipel, das h. Feuer (Ergotismus?).

Das heilige Feuer, welches vom 9.13. Jahrhundertherrschte, war ein schleichendes Fieber mit heftigen Schmerzen,innerer Zehrgluth und äusserer Kälte, wobei die Haut schwärz-lich wurde, sich in Blasen erhob und Geschwüre, Fäulniss,Brand entstanden. Es fand nicht selten eine Auflösung desFleisches, Abfallen desselben, sowie ganzer Glieder statt, undunter der Gluth eines innern verzehrenden Feuers trat endlichder Tod ein. Diese fürchterliche Krankheit, welche in ver-schiedenen Epidemien in Frankreich , Lothringen und Flandern ,aber auch in Deutschland , England und Spanien herrschte, istwahrscheinlich die gangränöse Form des Ergotismus. HirschGesch. d. Medizin, 1862. Uebrigens scheint das phlegmonöseErysipel im Allgemeinen mit dem Namen Ignis sacer belegtworden zu sein, während der Karbunkel oder Anthrax von denArabern das persische Feuer genannt wurde und die Gangränund der Sphacelus beim Volke das Antonius-Feuer hiess.So finde ich es bei L. Fuchs Paradox. 1535 u. De cur. rat. 1548.

*)847 Le locuste guastarono tutta la provincia di Linguadoca. Lapeste fece grandissimo danno in Francia et la fame porto via piu di 200mila persone. Morigia Cron.

**)Pestis qua fluxione guttur obstrictum citam mortem inferret.

***)856 Hiems asperior et sicca; pestüentia valida, qua magna parshominum absumitur. Ann. Bertin.

f)Plaga magna vesicarum turgentium grassatur in populo. Ann. Xant.