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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 10. Jahrhundert. Khazes.

die Fussrücken, wo das Pestgift einen Answeg sucht. DerYerf. erwähnt auch die Durchfälle, besonders im spätem Ver-laufe. Bei der von ihm bis ins Spezielle verfolgten Prognosewerden auch weisse, in anderen Fällen schwarzeExcremente d. h. Eiter-Ausbrüche erwähnt. Von Bubonen spricht der Yerf.sonst mit keiner Silbe, gar nicht von Lungenblutungen! Yongrossem Interesse sind die Angaben über Abcess-Bildung in derCornea und neben derselben. Sie erinnern an den schon in derAtheniensischen Pest vorkommenden Verlust der Sehkraft. Diebis zur Entblössung der Knochen und Sehnen gelangendenFäulnissprozesse bringen uns das Krankheitsbild des heiligenFeuers nahe. Im Ganzen ist aber eine grosse Verwandtschaftdieser Pestilenz mit Pocken nicht zu verkennen, die sich beson-ders in den therapeutischen Bestrebungen wiederspiegelt. Alssolche hebt der Yerf. hervor: im Anfänge die Krankheithervorzutreiben, dann zu massigen, die Exantheme zu trocknen,die Krusten und Schuppen zu entfernen, die Narben zu tilgen,den Genuss von Feigen zu vermeiden, weil sie die Pusteln nachaussen treiben. Yerf. unterscheidet leichte und schwere Pestilenz;in beiden sind die Ausbrüche weiss, hitzig, massenhaft, undvertheilt, weniger gefährlich, wenn sie, obschon vielfach, dochganz weiss und gross sind, zweifelhafter Prognose, wenn sieweiss, jedoch ineinanderfliessend (continua et alia in aliis et cumexplanantur, ut horum multa sint unum), wenn ein Kreis der-selben den Körper weit umfasst und sie wie Fett aussehen,und wenn die weissen Ausbrüche trocken wie Warzen sind,todbringend aber, wenn sie grün, violet oder schwarz erscheinen.Ueberhaupt ist aus der Schilderung, die Rhazes vom Verlaufeder Krankheit mit Rücksicht auf guten oder bösen Ausganggibt, zu entnehmen, dass er diese Seuche vielfach beobach-tet hat. Ygl. Razae de pestil. libellus, emend. p. Jo. Guinte-rium, Yenet. 1555.

Von den übrigen Seuchen beschreibt Rhazes Yariolen (Vari-cellen?) und Morbillen, wovon jene am häufigsten im Herbst,Frühlings-Anfänge und im Sommer bei anhaltendem Südwinde,diese nach einem warmen Herbste herrschten, letztere (!) warenim Allgemeinen gefährlicher als erstere, worin auch die späterenarabischen Aerzte übereinstimmen. Es ist hier unter dem Namen derMorbillen wohl vorzugsweise Scharlach zu verstehen. Rhazesspricht vomDurchfall oder der Cholera, die vorzugsweise bei heisserWitterung, oft auch im Herbst und zuweilen im Winter ent-stehe; erwähnt dabei der kalten Extremitäten, der Krämpfe inHänden und Füssen und Beinen. Alte und Abgelebte über-standen den Anfall selten. Auch der Complication mit Inter-mittenz ist gedacht.

Die von Papon fürs J. 27 in Frankreich und Deutschland und von Torfs für Lothringen notirte Pest wird wohl nichtsanders als der auf Nordlicht im März d. J. und auf einen Orkanfolgende, durch ganz Gallien und Deutschland verbreitete Husten