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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Yolksseuchen im 11. Jahrhundert.

Genf nicht Gent zu lesen sein, wo in dem f. J. die Pest liauste?);Papon bezeichnet auch das J. 13 mit Recht als Pestjahr; dieKranken hatten grosse Hitze in den Eingeweiden und Durch-fall*). Die in weiter Verbreitung herrschende Pest erneute sichim J. 11 in Deutschland **).

Es wird angegeben, dass im J. 14 die erste Impfung der Blatterndurch den Solm eines Mandarins vollzogen worden sei. Häser er-wähnt für 15 das h. F euer. Im J. 16 soll eine Seuche (wo?) die Hälfteder Einwohner weggerafft haben (Ohr. Lunoel .) und zu Prag einesolche vom Febr. bis Dez. so gewüthet haben, dass kaum x /io derEinwohner übrig geblieben (Lupacz), eine offenbar übertriebeneAngabe. Spaan notirt Ilungersnoth und Sterben. Nach andererAngabe war die Pest fast allgemein besonders in Italien . InIrland war Rinclvieliseuche. Im J. 17 wurde der Kriegszuggegen Bolislaw wegen herrschender Pest eingestellt. (A. Quedl.)Im J. 18 kam ein grosses Sterben nach einer Ueberschwemmungdurch Wolkenbruch***). Jedenfalls war im f. J. eine mit Durch-fall verbundene Seuche im Gange, eine grosse Pestilenz, welcheviel Vornehme, auch den Abt von Fulda (Graf zu Henneberg)mitnahm. (Gütlie.) Die unbekannte Krankheit, welche auch dieGesundesten plötzlich befiel, war noch im J. 20 überall ver-breitet f). Auf Ueberschwemmung, namentlich der Elbe undWerra , welche 3 Tage gedauert haben soll, folgte Hunger undSterben, so dass mehr Leute starben, als übrig blieben. (Güthe.)Dies Landsterben kam nach einem sehr strengen Winter; esherrschte im f. J. (in Frankreich oder im Schwarzwald ?)ff),wenn liier nicht eine andere Seuche anzunehmen ist.

Zu Kolbig im Bernburgischen soll im J. 21 die Tanz suchtein ganzes Jahr geherrscht haben.

Im J. 22 war die Pest in Italien . Unter dem Heere Heinrichswaren Krankheiten und eine grosse Sterblichkeit eingerissen.(Herrn. Contr., Chr. August.) Notker Labeo starb in St. Gallen

*j 1012S. Macharius mortiferam Gandensibus pestem precibus etlachrymis continuis redimens, eademque peste se divinitus affiigi obtinens4-, id. aprilis obiit. (Chr. S. Bavonis. Ae.hnl. Arm. Gand.)

1013Pestilentia gravis quae subitanea morte late vastabat. (Hepid.ap. Bouq. X, 193.)

**) Pestil. saeva et mors subitanea folgten den im Jahre 1-1 an Sonneund Mond gesehenen Zeichen (Finsternisse im Juni und Juli ?) und demSeptembersturm.(Ann. Magd, nach A. Quedl.)

***) Dem Kometen des Jahres 18 folgte (in diesem Jahre ?) pestil, etmortalitas solito asperior et diuturnior. (Chr. Sax. in Hist, des Gaules X.)

t) 1019Consequitur lues sine nomine corpora perdens visceribusfervens inde fluore fluens. (Ann. Sangall. in M. G. I, Hepid. Bouq. Y.)

1020Prius inaudita clades mortalitatis subsecuta totum peneorbem subitaneo vastans occasu, in momento inque oculi ictu incolumesac sua quasi de sospitate certissimos, in ipsis nec non .... laetissimaeinopinate subtraxit. (A. Quedl. M. G. Y. Cf. A. Magd, und eine geschr.Chr. bei Menk.)

ff) 1021Haec lues morientium (ignis) cum ceteras nimis, maximepartes vexabat Ambianensium. (L. mirac. S. Adelhardi m. silv. in H.des Gaul.)