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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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14. Jahrhundert. Pest nach 1350.

Ablagerungen waren häufiger; wenn sie sich schon erheben,können sie plötzlich zurückgehen. Werden sie weich und dannwieder hart, so ist dies ein tödtliches Zeichen. Viele Ablage-rungen sind günstig. Während eine der früheren Epidemien6 oder 5 Monate dauerte, hielt diese vierte ein Jahr, oder selbst,wie es schon an Orten vorkam, Jahre an.

Die gegen 1383 geschriebene Abhandlung De regiminepestis von Kanut, Bischof von Aarhuus, wurde in den folgen-den Jahrhunderten noch oft aufgelegt (z. B. Lugd. 1498, Hafn.1508, auch englisch und portugisisch cf. Grässe Litt.-Gesch. II,2. A., 593.*)

Im August 83 war die Pest in verschiedenen Theilen Deutsch­ lands stark verbreitet, besonders in Hessen. **) In Münster in.Westfalen nahm sie über 4000 Personen hinweg.***) Vgl. dasbeim vorigen Jahre Bemerkte.

Zu Lübeck gab es eine kaum glaubliche Zahl von Todten.Im Sommer war in Magdeburg grosses Sterben (Städteclir. VII,288). Auch in der Umgegend von Braunschweig trat die Pestauf (Chr. Biddags.) Nach Gestor. abb. Trud. dauerte die 1345begonnene in Zwischenräumen, bald in dieser, bald in jenerProvinz auftretende Pest bis 1383. In England war 1383 dasSterben besonders unter Kindern und Mönchen. Vierte Epide-mie in Arezzo . Zu Florenz sollen bei der Pest d. J. 3400Personen täglich gestorben sein (Papon). Palmerii Chron. setzt

*) Das mir vorliegende Exemplar hat den Titel:Regimen contrapestilentiam s. epidimiam rev. dom. Kaminti (i. e. Kanuti) episcopi Arusi-ensis civitatis regni dacie (corr. Daniae) artis medicine expertissimi pro-fessoris. Titelblatt m. d. Bildniss des Salvator mundi , s. a. Etwa 5 fol. S.(Wird als älteste, öfters edirte Druckschrift Dänemarks angegeben, dochist der Druckort unbekannt. Wäre das Schriftchen in Dänemark erschienen,dann würde der Name des Verfassers und des Landes richtig wiedergege-ben sein. Die Erfahrungen des Vf. beziehen sich wohl auf die in Mont­ pellier erlebte Pest .) Unter den Vorzeichen der Pest sind aufgeführt:Verdunklung im Sommer ohne Regen, viele Gewitter oder Wind aus Süden,viele Fliegen, Sternschnuppen, ein Komet. Unter den Ursachen: fauleEmanationen aus dem Wasser, Latrinen-Ausdünstung in der Nähe derWohnung!Sunt homines abutentes coitu et servientes balneis et homi-nes qui calefiunt magno labore vel magna ira habent corpora magis dis-posita ad morbum pestilentierum. . . . Prudentes medici visitando infirmosstant longe a patientibus tenentes faciem versus fenestram. sic etiam staredebent inflrmorum servitores. ... In monte pessulano (Montpellier ) comi-tatem vitare non potui, quum transivi de domo ad domum curando infir-mes circa paupertatis meae. Unam spongiam vel panem intinctam acetomecum portavi tenens ad os et nasum . . et sic talem evasi pestilentiamsociis meis non credentibus me vitam retinere non potuisse.

**)In Augusto mense fuit magna pestilentia in partibus Alemanie,Westfalie, Saxonie, Kassie et ibi maxima, et Thuringie et in Limpurg etaliis multis terrarum partibus et defüncti sunt plurimi homines. (Mainzer Chronik.)

***) Einige Theilnehmer an der Bittprozession erschienen als Laternen-träger blos im Hemde mit der Geissei (solo albo linteo contecti poeniten-tiam agentes). Catal. ep. Mon. V, 182.