Daß solches keine — gar zu einfältige vorläufige Entwaffnung/ oder/ wenn man lieberwill/ Benevolenz - Captation künftiger Kritik seyn soll/ glauben mir wenigstens diejenigen,welche mich kennen.
So dürfte es/ vor allen Dingen, manchem Leser scheinen: Daß ich ganz unnöthigund ungebeten die eigentliche Bahn eines Fortsetzers des Hauptwerks, allenfalls auch einesbescheidenen Verbesserers der darin vorkommenden, wahrlich sehr seltenen Fehler, in dieserneuen Arbeit, von mehr als Einer Seite, weit überschritten habe. Meine Beweggründefür diese merkliche Ausdehnung waren vornehmlich diese.
i. Seit der Erscheinung, selbst der letzten Ausgabe des Allgemeinen Künstler-lexikons hat die Kunstgeschichte eine so ganz andere, und — wer will es läugnen —eine so sehr verbesserte Gestalt gewonnen; die frühern Urtheile sind so häufig gesichtet,die neuern zum Theil auf so unumstößliche Grundsätze erbauet worden; die bloßen Macht-sprüche, die großen Worte in Preis und Tadel haben so sehr ihren Ruf, und durch An-nahme einer bestimmtem Kunstsprache vollends ihre wenige Bedeutung verloren, daß esmir — warum sollt' ich es verhehlen — nicht wenig verdienstlich schien, die Resultatedieser Umwandlung, mit möglichster Kürze, in die gegenwärtigen Zusätze einzutragen.Daß ich nicht selten meinem eignen, von meinen Hilfsquellen merklich verschiedenen Urtheilüber Künstler im Allgemeinen, oder über einzelne Werke derselben insbesondre gefolgt bin—welcher Freund der Wahrheit, und freyer Untersuchung — die doch allein auf a l sie Wahr-heit leitet — wird mir, wenn auch feine Ansicht sich ganz von der mcinigen entfernensollte, dieses verargen wollen?
Aber, dürfte man mir einwenden: Wozu das öftere Zusammenstellen mehrerer fichbald ganz, bald zum Theil widersprechender Stimmen, über Einen und denselben Artisten,über Eines und dasselbe Kunstwerk sogar? Dieses geschah meistens nur alsdann, wennich in gerechtem Zweifel stand, welches Votum das richtigere sey; bisweilen auch, ich ge-stehe es, um in merkwürdigen Beyspielen zu zeigen: Daß die untrügliche Kirche in keinemZweige menschlicher Erkenntniß, und in Dingen des Geschmackes vielleicht am Aller-wenigsten zu suchen, und gewiß nicht zu finden sey.
2. Einen ganz andern Vorwurf, dem ich entgegen sehe, und der schon häufig auchmeinem sel. Vater gemacht worden ist, darf ich zum Voraus nicht unbeantwortet lassen:Woher die in die Tausende laufenden Artikel von Menfchensohnen in dem AllgemeinenKünstlerlexikon und in den gegenwärtigen Zusätzen, welche wohl den Namen von Malern,Bildhauern, Baumeistern, Stechern u. s. f. tragen, aber wenigstens den Namen vonKünstlern in keinem Sinne verdienen? Oder hinwieder bloße flüchtige — nicht seltenaus einem gewöhnlichen Zeitungsblatt entlehnte, wenige Zeilen enthaltende Notizzen, die auchvon vielen, durch allgemeinen Ruf bekannten, sehr wackern Männern, von ihren Lebenund Schicksalen nicht Mehreres als ihr Geburts- oder Todesjahr, von ihren Werkenaber. kaum ein Bild oder Blatt anzugeben wissen ?
Auf Letztres antworte ich lediglich mit dem Entgegenstellen meines redlichen Bewußt-seyns, nichts versäumt zu haben, was in meinen geringen Kräften stand, die öffentlichvorhandenen Kunden zu sammeln: Daß mir aber kaum zugemuthet werden durfte/