Band 
Zweyter Theil [1].
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über eine solche Anzahl von Individuen spezielle schriftliche Erkundigungen einzuziehen,die vielleicht eben so unfruchtbar geblieben waren, als jene vor bald zehn Jahren denöffentlichen Blattern beygerückte dringende Bitte eines meiner Söhne an das ganzeKunstgeschichte liebende Publikum es war, uns zu einer solchen Fortsetzung durch Bey-trage beholfen zu seyn; auf welches ehrerbietige Ersuchen, bis auf diese Stunde keineZeile erfolgte. Eben so unmöglich fiel es mir, durchaus alle Nachrichten zu benutzen,von denen ich ganz gut wußte, daß und wo solche wirklich vorhanden waren. Mitnicht geringem Aufwande haben meine Verlagshandlung und ich selber zu diesem Behufeeine Menge deutscher Provinzial- und ausländischer Zeitschriften, oft abgesonderte Hefte der-selben, eines einzelnen Artikels wegen, der aus Litteraturblattern zu meiner Kenntniß kam,angeschafft, und nach dieser partiellen Benutzung ins Kamin geworfen. Aber Alleshat seine Gränzen. Mehrere Friedrichsd'or für den Fund von ein fünfzig Zeilen zuspenden, ist einem Ehrenmann sehr bald von denjenigen selbst zugemuthet, die ihm mitAufwand von wenigen Groschen oder von einer Viertelstunde Zeit (die wir ihm gerneremunerirt hatten) so leicht helfen konnten.

Was dann den weit mehr scheinbaren Einwurf der großen Zahl unbedeutenderArtikel in der Arbeit meines sel. Vaters sowohl als in der meinigen betrift, so frageich erstens: Wer soll über den Grad der mehrern oder mindern Bedeutsamkeit entschei-den wer vollends das Urtheil der gänzlichen Verwerfung über irgend einen so geheißnenKünstlernamen aussprechen? Wir selbst wenigstens, als Relatoren der von uns gesam-melten Notizzen, hatten uns, dieses letztre zu thun, nimmermehr getraut. Jeder Besitzereines kleinern oder größer», bessern oder schlechter» Kunstkabinets, einer Kupferstichsamm-lung, u. s. f. hat dieselbe Befugniß, von uns alle die Kunde über seine Helden zufodern, die wir ihm zu geben im Stande sind. Wohl vermaßen wir uns wie manes uns hinwieder vielleicht auch zum Vorwürfe machen wird vielleicht nur allzuoft,über so viele groß und klein geachtete Männer über Lebende sogar, bald unser eigenes,bald ein fremdes Votum zu geben. Und zwar sind wir dabey keineswegs gemeint, fürdas letztre verantwortlich zu seyn noch viel minder aber, das unsrige für untrüg-lich zu halten. Hiernächst glaubten wir, auf erstes Erfodern, häufige Beyspiele ausweisenzu können, wo wir, oft in ein Paar einzelnen Zeilen, auf wenig oder gar nicht bekannteNamen, und ihre nur um so viel seltnem Arbeiten aufmerksam gemacht haben auf wahreKünstler, die eine weit größere Ausführlichkeit verdienten, als so viele Fa Presto, denensolche in den gewohnten Kunstbiographien dies- und jenseits der Berge wirklich zu Theilworden ist, welche wir hingegen unsern edeln von Zufall oder Geschicke Unter-drückten leider! nicht zu weihen vermochten; wo es sich aber so leicht ereignen kann,daß der von uns gegebene kurze Fingerzeig, andere der Kunstgeschichte Beflissene, zuwichtigen Ergänzungen unsrer Lücken ermuntern, und auf so mancherley uns unbekannteSpuren führen wird, die sie ohne diese Hindeutung nicht gesucht, und somit auch nichtgefunden hätten..

Da endlich, aus leicht begreiflichen Gründen, die Anzahl der Liebhaber und Sammlervon Kupferstichen, in aller Welt, und in unsern jetzt so geldarmen Deutschen - undSchwrizerlanden ganz besonders weit beträchtlicher als die glücklichen Besitzer vonGemälde-Galerien, oder gar von plastischen Arbeiten seyn muß, so habe ich auch auf den erst-