Band 
Zweyter Theil [1].
Seite
317
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Dyck.

so jung verstorben war, eine solche Menge Arbeithat hinterlassen können. Stets mit Bestellungenüberhäuft, gewöhnte er sich freylich in den letztenHeiken an eine geschwindere und nachläßigereManier, Er entwarf ein Bildniß des Morgens,zog die Person welche sich malen ließ an seine Tafel,und beendigte das Werk nach Tische. An denBeywerken that er selbst nichts, als daß er siemit dem Bleystifte aufzeichnete, sodann von denMalern, die er sich hielt, ausführen ließ, undmit etlichen Zügen seines eigenen Pinsels vollendete.Auch sind es diese in Eil ausgefertigten Gemäldenicht, welche ihm seinen hohen Ruf erworben haben",xparelet und Levesque.

Setzt man nun van Dyck gleich(sagen ebendiese Kunstrichter)als Geschichtsmaler betrachtet,nicht in denselben Rang mit Rubens , so mußman doch gestehen, daß er ihn an Zartheit derTinten, und an schönem Farbenguß übertroffenhabe, und daß er, Alles zusammengenommen,ihm oft gleich gekommen ist. Hatte er nicht dasnämliche Feuer, nicht die nämliche Fülle desGenie's, so hatte er dafür einen feinern Ausdruck,einen bessern" (ediern) »Charakter der Zeichnung,und mehr Wahrheit des Colorits. Durch die Ver-einigung der schönen Parthien, welche er besaß,würde er vielleicht seinenMeister übertroffen haben,wenn er nicht zu viel von der Geschichtsgattungwäre abgelenkt worden, welche er in einem sehrgroßen Geschmacke malte. Als Bildnißmalerdann, kann man ihm den ersten Rang nach Titian nicht versagen; und auch Titian erhalt dieß Ueber-gewicht nur in Rücksicht auf die Köpfe, Bey denNebenwerken tragt es van Dyck durch seine Ele-ganz davon: Er drückte sie" (zumal wo er solcheganz selber malre)mit der größten Wahrheit aus,behielt aber dabey immer seine große Manier"(nicht die größte Manierung, wieHeydenreichganz verkehrt sagt) bey. Er gab den Charaktervon alle dem an, was er vorstellen wollte, ohnein jenes kalte Handwerksmäßige zu fallen, dasman zuweilen, als ausschließlich in die Bildniß-gattung gehörend, betrachtet hat. Seine Stel-lungen sind immer einfach, und gefallen immer,eben weil sie natürlich sind; man fühlt, daß in sei-nen Köpfen eben so viel Wahrheit als Kunst herrscht sie leben. Man wird nie müde, jene Samm-lung von den berühmten Personen, und besondersvon Künstlern seiner Zeit zu bewundern, derenBildnisse er unentgeldlich malte; eine Huldigung,die er der Kunst erwies, indem er die Züge dererverewigte, welche ihr Ehre machten. Einige der-selben (i 6 .) sind von ihm selbst mit einem Gefühl,das an Begeisterung gränzt, geätzt, andre von dengeschicktesten Meistern seiner Zeit, wie Bolswert,Pontius, Vorstermann, u. s. f. gestochen worden.-v>ese vortrefliche Folge besteht gemeiniglich aus100, Blättern. Er selbst schien sich in den seinigenwenig um das , was man Kleinlichkeit der Nadelnennt, zu bekümmern; dafür belebte er sie ganz seiner männlichen und sichern Behandlung,wein Kopf von Vorstermann, diejenigen von Fr.Frank, Snellinp, van Noort, scheinen zu athmen;und diese Blätter, roh und nachläßig wie sie sind,haben in den Augen wahrer Kenner mehr Werth,chv ganze Portefeuilles von andern, die aufs!>erlichste ausgeführt sind. Der von Carl Mallery,welchen Vorstermann unter seinen Augen beendigte,m ganz Fleisch" (ja nicht ganz nackend, wieabermals Heydenreich jämmerlich spricht). Nochein andrer neuerer französischer Kunstrichter (Tail-lasion) urtheilt von van Dyck, wie folgt:Alswchüler, Nebenbuhler und Freund von Rubens ,bat derselbe sehr schön, und sehr harmonisch, Ge-schichte, voll Bewegung und Ausdruck gemalt;und schon dadurch allein könnte er sehr berühmtWn. Aber sein außerordentliches und besonderes-Lalent für's Bildniß öffnete ihm eine Laufbahn, aufwelcher er im Fluge Schatze und Lorbern sam-welke. Sein unterscheidender Charakter besteht ineiner vollkommenen Farbe, in einer feinen undleichten Führung des Pinsels, und in einem Hell,

Dyck. Ztl

dunkel, das desto mehr in Erstaunen setzt, als dieKunst sich weniger darin zeigt; und, was ihn nochbesonders auszeichnet, ist die Vereinigung der An-muth mit der Kraft, Rubens fühlte tief dasPoetische der Farbe; van Dyck faßte mehr dasFeine und Wahre in derselben auf. Das Studiumdes Portraits nöthigt zu gründlichen Untersuchun,gen, um es zuv genauen Nachahmung der Farbeder vorgestellten Gegenstände zu bringen. Da sieeines der Mittel der Aehnlichkeit ist, so legt mansich hier mehr darauf, als in jedem andern Fache;die Geräthschaften, die Stoffe, die man nach derNatur malen muß/ machen die Augen für diewahre Harmonie der Farben empfindlicher. Dashistorische Fach erfordert keine so besorgte Genauig-keit. van Dycks Zeichnung hat Wärme undWahrheit; sie ist nicht so kräftig und hat keinenso großen Charakter wie die des Rubens ; aber sieist korrekter. Er zeichnete besonders die Bildnissebewundernswürdig gut, und niemals ist in diesemFache ein Kopf ohne Geist, ohne Adel und ohneLeben aus seiner Hand gekommen. Titian alleinkann ihm den ersten Rang unter dieser Gattungstreitig machen; sie haben beyde gleichviel Schön-heit, aber sie ist von verschiedener Art; diese Ver-schiedenheit beruht größtentheils auf derjenigenihrer Originale. Titian hat Italiener gemalt,deren Züge einen großen Charakter und eine kräf-tige Farbe haben; auch ist er größer, strenger,imposanter als sein Nebenbuhler Die Urbilderdes van Dyck waren beynahe meistens Flamänderund Engländer, von blühender, glänzender Farbe,von einer durchsichtigem und feinern Haut, alsdie Italiener. Daher ist sein Colorit glän ender,und seine Tinten sind frischer und mannigfaltiger,als die des Titian . Wenn auch die Bildnisse, dieer gemalt hat, keine Familie mehr haben, so habensie doch noch Freunde; und wenn die folgendenZeitalter sie aus den Zimmern und Pallasten ver-drängen, in denen sie entstanden sind, und sie aufdie Auctioncn bringen, so finden sie dort eineMenge Liebhaber, die, unbekümmert um ihreAehnlichkeit, sie einander um die Wette überbieten,und mit Freude beträchtliche Summen hingeben,um sie zu besitzen. Man erstaunt bey den Verstei-gerungen über den ungeheuren Unterschied der Sum-men, die die Liebhaber für diese Bildnisse zahlen;in Vergleichung mit denen, die man meistens fürdie Werke andrer Portraitmaler, besonders die desRl'gaud giebt. Die Verschiedenheit des Talentesscheint in keinem Verhältnisse mit dem Gelde zustehen, wofür man sie kauft. Wohl die vornehm-sten Ursachen hievo» sind: Die Ueberlegenheit derFarbe des Einen über die des Andern, und dieUeberlegenheit in der Kenntniß des Helldunkels.Rigauds Köpfe in ihren glänzenden Umgebungenfrappiren nicht genug; die Ausarbeitung der ein-zelnen Theile ist nicht richtig gegen das Ganze be-rechnet, und die vornehmsten Parthien herrschennicht so vor, wie sie sollten. In van Dycks Bild-nissen ist alles dem Kopfe untergeordnet; der Grund,die Kleidungen, die Beywerke scheinen nicht ver-narhläßigt, und doch zieht der Kopf immer alleBlicke an; die Hände sogar, obgleich von guterForm und schöner Farbe, sind auf eine Art an-gebracht und gemalt, daß sie immer nur eine un,tergeordnete Rolle spielen. Ju den Köpfen hebenstch die vornehmsten Theile heraus, und man siehtbeym ersten Blicke alles, was sogleich in der Naturauffällt. Er kannte, viel besser als Rigand, jeneAugenblicke, in denen die Wahrheit mit Bestimmt,heit und Hingebung erfaßt wird; jene glücklichenMomente, wo man beynahe sagen kann, daß dieNatur der Seele des Künstlers an der Spitze sei-nes Pinsels entgegenkomme. Die Werke des Ri,qaud sind mehr bearbeitet, die des van Dyckbesser vollendet. Die Bildnisse des Ersten sindschön; die des Letztem leben; zu dem kömmt noch,"(ja wohl wesentlich!)daß das Cosiume, welchesvan Dyck gemalt hat, viel angenehmer und derKunst günstiger ist, als das, womit der französt,sche Maler genöthigt war, seine Figuren zu beklei-Ssrr