Band 
Zweyter Theil [1].
Seite
506
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zo6 Hackevt.

Bister-Zeichnungen zu versehen. Diese schreibter so zu sagen nur hin, und sie thun in der Fernedie beßte kräftigste Wirkung, während die mühendausgearbeiteten Rmezischeir mehr für die Nähefind. Die beliebten Mondschein - Landschaften hatNestelrhaler aus Salzburg zuerst ausgeschnitten,geschabt und ausgespart, Hackerr aber durchOelfarben vereinfacht und verbessert; zuerst alsSuxorte seines Schlafgemachs ist eine solche sanft-einwiegende Zauber- Landschaft angebracht. InGouache oder Wasserfarben mahlt er nicht mehr.Die mahlerische Landschaft von la Cava ist eineseiner letzten und schönsten Arbeiten dieser Gat-tung. Die Figuren auf seinen Gemählden sindnicht immer von ihm, und auch sein Fach nicht.Sein Pinsel, dem richtende Kunst vormals Kältevorwarf, hat sich seit einigen Jahren sehr gebessert."Auch noch in etwas späkhern Tagen, als Hackerrsich bekanntlich, gleich so vielen andern Künstlern,aus Neapel entfernt hatte, heißt es im Deut-schen Merkur i8c>3. X. 472 — 74. von ihm:„Don Philipp Hackerr ist jetzt in Florenz ,wo er freylich nicht mehr in einem königlichenSchlosse, wie in Neapel , aber doch auf sehr gu-tem Fuß lebt, und fast noch mit mehrerer Thä-tigkeit als in seiner frühesten Jugend arbeitet;so wirklich, daß (nach Fernorvs Urtheil) dieKunst ihm bald zum bloßen Mechanismus gewor-den ist." »Er ist" (sagt dieser geistvolle Kunst-richter) „seiner Sache gewiß, und schreibt mirdem Pinsel wie mit der Feder auf der Leinwand;oft aber sind auch seine Gemälde nicht viel mehrals hingeschrieben. Hackerr komponirte von jeherwenig, sondern kopirte fast immer blos die schöneNatur, in dem Lande, in welchem er den beßtenTheil seines Lebens zuzubringen das Glück hatte;und selbst seine Vorgründe that er nicht sowohlaus eigener Erfindung, als aus Studien nachder Natur hinzu. In der Poesie der Kunst hatteer sich also nicht leicht verstiegen. Seine Fernensind gewöhnlich sehr schön, und habenden ächtenitalienischen Luftton; seine Mittelgründe dagegenfast immer von einem hellen, cinfärbigen Email-grün, so wie seine Vorgründe von greller, blau-grüner Farbe, welche nicht selten die Harmonieder Hintern Gründe stört. Wasser, so wohl flies-sendes und wogendes, als fallendes, gelingt ihmselten. Seine Staffagen, wo sie aus Bauern,Bäuerinnen, Hirten und Vieh, aus den Gegendenbestehen, wo er sein Urbild fand, sind noch ganzgut; unerträglich hingegen diejenigen von vorneh-men Herren und Damen, womit er oft die Ar-beiten zieren mußte, die er in Neapel für denKönig malte. Im Sommer 180Z. hatte er dreynach Weimar bestimmte Landschaften nicht überdie Hälfte fertig, und doch versprach er, daß sieschon im September dahin abgeheti sollten", u. s. f.Und weiter: «Man hat zu thun, wenn man inein Paar Stunden alle seine Gemälde sehenwill, die in zwey großen Zimmern eine ganzeGalerie ausmachen. Man sollte glauben, daßdas die Arbeit vieler Hände sey, was er alleinmit der seinigen bestreiket. Aber ich kann es nichtläugnen, daß mir H. ganzes Kunstwesen, sowieman es ihn treiben sieht, etwas fabrikmäßig vor-kommt. Dies war wenigstens der Lotaleindruck,den es auf mich machte, als ich in sein mit hun-dert bespannten Blendrahmen und zubereitetenTüchern behangenes Studium trat, und mittendrin den alten sechszigjährigen Künstler der allediese Tücher noch zu bemalen denkt, und gewißnoch bemalen wird." — Etwas schonender, dochnach denselben Grundsätzen urtheilt von unsermKünstler die Schrift: Winkelm. und sein Jahr-hundert. Dort heißt es nämlich von ihm (S.Züg—ZZi.): „In jeder HauptstadtEuropens trifftman Gemälde, und beynahe in allen bedeutendenSammlungen begüterter Liebhaber Zeichnungenvon seiner Hand an. Unermüdet fleissig hat ereine fast unglaubliche Anzahl Werke geliefert unddamit die Liebhaberey für Landschaften weiterverbreitet; aber auch zugleich die Wirklichkeitsform

Hackert.

derung gemehrt; denn er stellt die Natur genau,ohne Zusatz oder Weglassung dar, und da ermeist die reißenden Gegenden von Rom, Tivoli,Fraskaki, Albano vor Augen hatte, so befriedigenseine Bilder freylich oft auch in Absicht ihresInhalts die allgemeinen Forderungen der Kunst.Als Aussichtenmaler verdient Hackerr unsers Er«achtens den ersten Rang. Keiner hat mit gewis-senhafter Treue so viel Kunst verbunden; manfindet an seinen Bildern bloß einige etwas harteStellen und zuweilen grelle Farbentöne zu tadeln;allein die Lüfte sind leicht und hell, der Baum-schlag durchaus meisterhaft, charakteristisch ab-wechselnd, die Pflanzen des Vordergrundes ge-wöhnlich sehr schön ausgeführt, und die mehrzurückliegenden Gegenstände, besonders Berge, innicht großer Entfernung unübertrefflich wahrhaft.Hackerr hat ohne Widerrede den bedeutendstenEinfluß auf die Richtung gehabt, welche die Land-schaftmalerey seither genommen. Auf der einenSeite lenkten seine Arbeiten das Publikum vondem Idealen zum Realen ab und gewöhnten,oder vielmehr sie verwöhnten dasselbe zur Forde-rung einer fast spiegelmäßig treuen Darstellung,so daß es immer mehr den pünktlichsten Malerauch für den beßten zu halten anfing. Auf derandern Seite predigte sein Beyspiel jungen Künst-lern in diesem Fach den Naturalismus; nach derNatur malend und zeichnend glaubten sie sich ohneanderes völlig mit der Kunst abzufinden; dochmuß man hinwieder gestehen, daß eben darin dieUrsache des seither allgemein besser beobachtetenColvrits, des Tons und der Luftperspeklive liegenmag. Nicht minder gewann auf diesem Wege diecharakteristische Darstellung der Gegenstände über-haupt, aber es wurde mit mehr Wahrheit auchzugleich mehr prosaischer Geschmack in die Land-schaftmalerey aufgenommen. — Hackerts bedeu-tendste Werke sind mit Oelfarben verfertigt, undin dieser Art hat er den ganzen Reichthum undUmfang seiner Kunst zur Schau gelegt. Wenige,aber ebenfalls sehr schätzbare Bilder malte er mitWasserdeckfarbe (a Ouasro); auch giebt es vonihm einige nur skizzenhaft, aber vortrefflich be-handelte Stücke in Aquarellfarben. Unzählig sindhingegen die ausführlichen Zeichnungen in Sepiamit Bister und Cochenille versetzt, welche er ver-fertigt hat. Sie gehören zum Theil unter seinebeßten Products, und lassen in Hinsicht auf Methodein der Behandlung, Darstellung des Charaktersder Gegenstände, Lag u s. w. wenig zu wünschenübrig. — Auch das sinnreiche Spielwerk derMondscheine oder sogenannten Transparents ist,wenn nicht unmittelbar eine Erfindung unsersKünstlers, doch durch ihn sehr verbessert und indie Zahl der Kunstartikel erhoben worden." —Auf den Kunstausstellungen zu Berlin von i/99-und 1800. sah man von unserm Künstler mehrereArbeiten, welche entweder sehr ungleich seynmußten, oder, wohl eher, in der Zeitschrift:Lerlin 1799. IV. 5l—52. und wieder 1800. V.124. ziemlich ungleich beurtheilt — die erstem un-eingeschränkt erhoben, und namentlich die warmeGlut des italienischen Himmels darinn gefundenwurde; wo es hingegen von den letztem (unge-fähr so wie schon oben von ihm) heißt: „Ganzin der bekannten Manier des Künstlers — seheblau. Der Hintergrund und die Ferne überhauptist vortreflich; der Vordergrund aber kalt undgeschmacklos. Die pvrcelanartigen Figuren undder große Rosenbusch mit ungeheuer vollen Rosenmachen einen unangenehmen Effekt." Erst i- I«

1806. machte ein Schlagfluß diesen hochberüciftig«ten Künstler zu aller Arbeit untüchtig. Seinneuestes und wahrscheinlich letztes Gemälde wareine in einer Landschaft angebrachte allegorischeDarstellung seines eigenen Lebens. Eine Beschrei-bung davon, theils von Wilhelm Tirel, theilsvon ibm selbst findet sich in den Miscell. f. d.neueste Welrkunde 1807. X». 12. Er starb

1807. auf seiner Villa Caraggi bey Florenz DonGörhe haben wir sein Leben, (das sich zum Theil