Kaufmann.
Künstlerin findet sich bey Rost kl. 258-sssZ. Nach-dem aber diese, in jeder Rücksicht fürtrcfiicheFrau.erst noch 1806. in denIrali'emschen Mlscell.V. I.66—6/. erklärt hat, was folgt: „Angelica Lauf-mann benachrichtigt jeden, der das Buch Manuel6es Eurieux et ciez Amateurs cles beanx /Lrtsliest, daß der Art. welcher ihre Geschichte undLeben betrift, durchaus falsch ist. Dieselbe wurdein einem Alter von eilf Monaten nach Italien ge-bracht- Nicht die Musik, sondern ausschließenddas Studium der Malcrey, war immer Haupt-gegenstand ihrer Reisen. Kein Liebhaber, wederein Deutscher, noch von irgend einer andern Nation,hat jemals dazu beygetragen, wie der übelbcrichteteVers. sagt, der zugleich erzählt, daß sie vor ihrerReise nach Italien sich vor Reisenden, welche durchChur paffirr wären, auf dem Clavier hatte hörenlassen. In einem Alter von n. Monaten singt undspielt man nicht auf dem Clavier. So wie allesdieses falsch ist, so ist es durchaus alles klebrige,was auf das Leben der AR- Bezug hat, so wiebesonders der dort (p. 2Z8.) eingerückte Brief vonSturz (d. h. wohl der Jnnhatt desselben) falschund erdichtet ist
So würde es gegen alle Sittlichkeit anstoßen,irgend etwas aus den erwähnten Notizzen in unserLexikon aufzunehmen, sondern wir müßen, ent-weder von ihr selbst, oder von einem besser Unter-richteten, als solches, wie es scheint, Huber undRost nicht seyn konnten, die Geschichte ihresLebens oder vielmehr ihrer Kunst erwarten, welchein jeder Rücksicht, zumal für Kunstbefliffene ihresGeschlechts, so äusserst lehrreich seyn müßte.Schwerlich indeß wird die edle Frau dasjenige indas Gericht ihrer allgemeinen Verurtheilung desHubersch - Rassischen Aufsatzes ziehen wollen ,was dort von ihr in einem Briefe des scl. Minkel-manns an seinen Freund Frank enthalten ist. Auchder Verf. der gegenwärtige» Zusätze hakte dasGlück, gerade um dieselbe Zeit (Winker 1762. bisFrühjahr 1/6Z.) ihre persönliche Bekanntschaft inRom zu machen, und die mannigfaltigen Vorzügeihres Geistes und jeder schönen weiblichen Tugendeben so sehr als ihre großen Kunstralente zu ver-ehren. Und eben für ihn war es, daß die Einund zwanzigjährige Künstlerin das Bild unsersgemeinschaftlichen Freunds Winkelmann mit einerWahrheit und einer Seele malte, welche ganz die-jenige ihres unsterblichen Urbildes war; und zu-gleich mit einer Meisterhand in Zeichnung, Stel-lung, Kraft und Harmonie, welche demlelben, sowie mehrere andere ihrer damaligen Bildnisse, ohnesclavische Nachahmung, eine auffallende Aehnlich-kcit mit denen von Raphael Mengs gab. Ein geist-voll geantes Blakt von ihr selbst (dacl aber nur indie Haut, ihrer Freunde kam) giebt davon wenigstensden Schattenriß seiner ganzen Dortrcflichkcit. Ver-ein Pc«ar Jahren anerbot der Besitzer dahelbe einerdeutschen Kunsthandlung zum Stiche; sie entschul-digt!.' sich mit guten Gründen, welche einzig ihremPublikum zu geringer Ehre gereichten. In demSitten- und Luirur - Gemälde von Rom (S. 255.), heißt es (180Z.) von Angelika: „Nochlebt sie in Rom , und behauptet dort ihren Ruhm,die erste ihres Geschlechts unter den Geschichts-malern zu seyn. Auch in den letztem Jahren haktesie noch mehrere große historische Gemälde, undeine Menge Portraits, meistens für rei ende Eng-länder verfertigt. Obgleich auch die Römer dieserKünstlerinn Gerechtigkeit widerfahren lassen, sobesitzt doch Rom kein einziges Stück von ihrUndGering in seinen Reisen (III. i/zo.) sagt von ihr:
„ Ein Engel gab der Angelica Namen, Griffelund Farbenschmelz. Bescheidenheit, die Mutterdes Verdienstes, erhebt diese Künstlerin über sichselber, und jedes Bild von ihr ist ein Abdruck ihrerzarten Seele. — Unter dem schönsten fremdenHimmel hat sie ein deutsches Gemüth beybehalten.Mit Innigkeit liebt sie ihre Schülerinnen, dieKönigin von Neapel , die Kaiserin, und die Groß-herzogin von Toskana , deren erste Zeichnungen undschmeichelhafte Handschriften sie als cm Heilig-
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thum aufbewahrt. Mit Ehrfurcht nennt sie dieNamen Klopstock , Herder und Gökhe. Die Bild-nisse der beyden letztem, so wie diejenigen vonHackert und Reifenstein , malte sie sich zu ihremVergnügen. Ihre Wohnung ist ein Musentempel,mit Statuen, Büsten und herrlichen Bildern, vonfremder und eigner Hand, ausgeziert. Ihremeisten Gemälde gehen nach England, und dieBritten verehren sie als eine zweyte Landsmännin."Uns selbst ist von ihren noch so zahlreichen Arbeitenin der Hähern Kunstgattung leider nie nichts zuGesicht gekommen, da sie solche bey ihrer erstenReise nach Rom erst zu studircn anficng. Dochdürfte es hierin der sei. Huber nicht Übel getroffenhaben, wenn es dorr von ihr heißt: „Ihre Werkesind durchdacht; ihre Wahl ist mit vieler Weisheit,ihre Formen voll Anmuth, und ganz in der griechi-schen stillen Würde hingestellt, und in ihren Frauens-gestalten herrscht eine eigene unnachahmliche Weib-lichkeit; so ein Hinschmachten, so ein rührendesErgeben, das alle männliche Kenner einnimmt.Freylich geht von diesem Charakter auch etwas inihre Männer über; diese stehen bisweilen so züchtigund blöde wie verkleidete Mädchen da, und es wirdihr" (bald möchten wir hinzusetzen: Desto besser!)„ selten gelingen — Helden oder — Verbrecher zumalen." Weit strenger urtheilt dann freylich vonihr die Schrift: LVinkelinann und sein Jahrh.S. 5. „Angelica Laufmann war schonzu Winkelmanns Zeit in Rom rühmlich bekanntgeworden, kam aber um 1/80 , nach langem Auf-enthalt in England, wieder dahin zmück; der ge-priesene Liebling aller bloß schauenden und ge-nießenden Kunstfreunde, auch von ernstlich prüfen-den Kennern, doch mit billiger Mäßigung, hoch-geachtet. Das Heitere, Leichte, Gefällige inFormen, Farben, Anlage und Behandlung ist dereinzig herrschende Charakter der zahlreichen Werkeunserer Künstlerin. Keiner der lebenden Maler hatsie, weder i» der Anmuth der Darstellungen, nochim Geschmack und Fertigkeit den Pinsel zu hand-haben überttoffen; dagegen ist ihre Zeichnungschwach und unbestimmt, Gestalten und Züge derFiguren haben wenig Abwechselndes, der Ausdruckder Leidenschaften keine Kraft. Die Helden sehenwie zarte Knaben oder verkleidete Mädchen aus,Alken und Greisen fehlt es an Ernst und Würde.Zwar ist dieser Künstlerin selten, vielleicht garniemals Geschmackloses, noch weniger Niedrigesentschlüpft; indessen stehen ihre Erfindungen docheben nicht hoch, und sind im Ganzen genommenweder inehr noch weniger als leichte liebliche Spieleeiner schönen Phantasie; keine derselben ist tiefgegriffen, aus sich selbst heraus entwickelt, langegepflegt, rund, gchalt- und bedeutungsvoll". AIsBildliißmaleriu mit der Madame ke Brun ver-glichen, welche in 1790. das ihrige in die bekannteSammlung zu Florenz gegeben, so wie solchesAngelica ein Paar Jahre früher gethan, heißt esvon ihr in der eben angezogenen Schrift cS. Z18—19.) »Angelica hat einen wahrern Ton desColorits in"ihr Bild gebracht ; die Stellung istanmuthiger, das Ganze verräth einen schönernGeist, einen richtigern Geschmack. Das Werk derle Brun hingegen ist überhaupt zarter, fleissigecgemalt, auch fester gezeichnet; es hak ein Helles,jedoch etwas geschminktes Colorit, wcißlicht, bläu-licht, geröthet u. s. f. Sie weiß sich zu putzen;der Aufsatz, die Haare, die Krause von Spitzenum den Busen ist alles niedlich angelegt, und,man kann Wohl sagen, mit Liebe ausgeführt; aberdas hübsche Bacchische Gesicht, mit geöffnetemMund, i» welchem man schöne Zähne gewahr wird,sieht, mit allzu offenbarer Absicht zu gefallen, sichnach dem Beschauer um, wahrend die Hand denPinsel zum Malen ansetzt. Vorzüge gegen Vor-züge gehalren steht das Bildniß der Angelica, mitder sauften Neigung des Hauptes , dem zarten ge-müthlichen Blick, in Hinsicht auf Geist und Talenthöher, wenn auch'm Betracht dessen, was bloßeKunstfertigkeit ist, die Wage nicht entschieden zuseinen Gunsten sich neigen sollte". Von ihren