Band 
Zweyter Theil [2].
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Leychart.

in Wien . Nachdem er sich im Zeichnen sehr geübthatte, so unternahm er anfänglich Stukkatur-Ar-beiten; alsdann studirte er unter Guibald dieMalerey, und ward endlich Schüler des be-rühmten Kupferstecher Müllers, unter dessen Lei-tung er in seiner Kunst glückliche Fortschrittemachte, ohne jedoch den Pinsel zu vernachläßigen;wenigstens soll er um 1789. noch Miniatur gemalthaben. Um 1799. gieng dieser Künstler mit seinerFamilie nach Wien ,wo er" (heißt es in Men-sel« A. Miec. XI. Z07.)geehrt ist, und Brodhat." Als Kupferstecher sagt Rost von ihm, daßer seinem Meister die größte Ehre macht. Unterseine bedeutender» Arbeiten gehören: Die Madonnamit der Katze, nach Barocci ; eine in den Spiegelschauende Venus (Venus ä sa toilette) und Cupido,nach Titian (dieß für die Galerie von Palais Royal ;und eine Himmelfahrt der Maria, nach Guibal.Bereits um 179O. arbeitete er an einem Tod desMarcus Antonius , nach einem schönen Gemäldevon Pitz, welches aber, unsers Wissens, erst um180Z. (anderswo heißt es gar erst 1806.) imFrauenholzischen Verlag erschienen war, und 16 st.Zo Kr. kostete. In letztgedachtem Jahr sah manvon ihm, in eben diesem Verlage, noch ein zwey-tes schönes Blatt: Der Tod des Papirius, nachHetsch, wovon die guten Abdrücke für n fl.und vor der Schrift 22 fl. gewerthet wurden.Bibl. d. red. u. bild. R- II. 2. 21819. Seitherwird es im Tüb. Morgenbl. 1807. Jnrell. Bl.S. 71. neuerdings um 5 fl. Zu Kr. mit derCharakteristik feilgeboten: «Ein von dem Malerschön componirtes, und von dem Kupferstechermit vielem Studium gestochenes Blatt, das inHinsicht richtiger Zeichnung und der Hut ausge-drückten Charaktere viele brillantere Blatter hintersich zurücklaßt." Rost II. 34 i 45 . und MenselII. - Ebendess. lI-Misc. I. c. erzählen (wirwissen nicht mit welchem Grund), daß die Plattedieses letztem Stiches an einen Franzosen für Zoo.Louisd'or verkauft worden sey. Dort wird auchsein gefälliger, menschenfreundlicher Charakter sehrgepriesen. Eine ausführliche Beurtheilung etlicherseiner frühern Blätter: Der iVlalicieuse, der CKa-rite, nach P. Mattei, und des Tribut ste laLeoonnoissance, nach Tischbein, s. in Eben-de ss. Mus. XVIII. 428-29.

Leychart ( ), ein uns sonst unbekannter

Künstler dieses Namens, malte, L v. Winkel-mann zufolge, sehr natürlich vorgestellte Kupfer -und Küchengeschirre.

*Leyden (Lucas van). Sein Vater underster Lehrer, Hugo Jacobs;, war nur ein sehrmittelmäßiger Künstler. In seinem neunten Jahrefieng er schon an, selbst componirte Bilder zuliefern, und drey Jahre hernach setzte er Kennerund Künstler durch die in Wasserfarbe gemalteGeschichte des H. Huberts in Erstaunen. Das inseinem Fünfzehnten gestochene Blatt der Versuchungvon St. Anton ist weit besser inoentirt, als dasbekannte ähnliche von Callot ; den Dämon, derden Heiligen versucht, hat er in der Gestalt einesholden Weibs dargestellt. Seine Bekehrung St.Pauls, von gleichem Datum, wird wegen derRichtigkeit des Ausdrucks, wegen der Wahrheitund dem Pittoresken in der Drapperie, und über-haupt wegen der Einsicht, mit welcher der Grab-stichel darin geführt ist, ebenfalls ungemeinhochgeschätzt. Ansehnlich belohnte das Glück dieunermüdeten Arbeiten dieses großen Künstlers.Seine holländische Kunsireise, deren auch das Lex.Erwähnung thut, hatte keinen andern Zweck, alssich in der Kunst zu vervollkommnen, und nur dieMilzsucht kann ihm die Freude mißgönnen, daßer den Künstlern von Flandern und Holland Festegab, von denen ihn manches 60 Thlr kostete.Glücklich (was die Welt glücklich nennt) war dieseReise freylich nicht. Er kam von derselben krankzurück, und erholte sich nie wieder. Daß er vonneidischen Kunstgenosscn vergiftet worden, ist wonicht grundlos, doch gänzlich unerwieseu, und

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wohl noch mehr, daß er bey gesunden Tagenseine beßten Werke nie anders als in einem halb-trunkenen Zustand verfertigt habe. Wie dergleichenaber immer seyn mag er weilte nur Z9 Jahreauf Erden; aber welchen Gebrauch machte ervon diesem kurzen Leben! Sein Krankenlager,auf welchem er noch beständig arbeitete, nannte ersein Ehrende«. Als er die Annäherung seinerletzten Stunde sah, ließ er sich ins Freye tragen,um noch einmal des Anblicks der Sonne zu ge-nießen. Von ihm, als Maler, heißt es bey FüßltIV. is16.Lucas erfand mit ungeuicinemScharfsinn, und wenn auch seine Figuren und dasLokal in seinen Vorstellungen aus der alten Ge-schichte das Eigenthümliche des Landes, in dem dieHandlungen vorgegangen sind, nicht haben, sowar die Ursache davon lediglich dem damaligenMangel an solider Alterthumskunde zuzuschreiben;denn man findet in seinen frühern und späternWerken (das Costüm ausgenommen) so viel ge-sundes Raisonnement, soviel bedeutende und aufdie Hauptsache so natürlich einwirkende feineGedanken und Episoden, daß, wenn er nur rich-tiger von der Geschichte hätte belehrt werdenkönnen, und eine schönere Natur um sich gehabthätte, sehr wahrscheinlich Werke von großer Voll-kommenheit von ihm entstanden seyn müßten Inseinen Composttionen, ungeachtet einige derselbeneine große Menge Figuren enthalten, ist keineUnordnung, sondern alles ist mit Verstand, mitUeberlegung, und nach gefälligen perspektivischenRichtungen angeordnet; die Stellungen und Wen-dungen seiner Figuren sind ungemein mannigfaltig,und dabey immer sehr natürlich und wahr; undwenn man annehmen wollte, daß die Begebenheiten,die er aus der Bibel oder aus der Profangeschichtevorstellte, sich im fünfzehnten Jahrhundert irrHolland ereignet hätten, so würden alle seineFiguren auch die wahre historische Charakteristikhaben. Die äussern Umrisse der nackten menschlichenFormen zeichnete er genau nach der Natur seinesLandes; aber von den Muskeln und ihren Bewe-gungen scheint er nur schwache Kenntniß gehabtzu haben. Er war der erste seiner Nation, dersowohl die Linien als die kuftperspektw auf solideGrundsätze brachte. Er malte nach diesen Grund-sätzen mit einer gefälligen Farbenmischung, undungemein sorgfältigen Ausführung; aber seineäussern Theile wurden zu scharf von dem Grundabgeschnitten, wodurch die Bilder ein etwas trocke-nes Ansehen bekamen; der Wurf seiner Gewänderendlich war im Ganzen zwar meistens wahr, aberimmer ohne Wahl, und meistens durch zu vieleeckigte Falten verunziert." Er malte in Oel, inWasserfarbe und auf Glas. Geschichte, Landschaftund Bildniß. Auf dem Rathhause zu Leyden siehtman von ihm ein Weltgericht, als Beyspiel seinerreichen und treflichen Composition; die weiblichenFiguren darin sind sehr fein und nett ausgepinsclt,in der Carnation ist viel Angenehmes und Wahres,und aus dem Ganzen erhellet, mit wie großerSorgfalt er die Natur studirt hatte; nur hatte,leider! wie He in ecke (LFachrichren II-.)bemerkt, der dortige Magistrat dieses berühmteStück ganz und noch dazu ungemein bunt über-malen lassen. Die Aetzkunst dann lernte er beyeinem Waffenschmiede der solche bey seine» Verzie-rungen auf Kürasse anwandte, und das Stechen selbstbey einem Goldschmiede, so wie diese Künste auchin Deutschland und Italien der nämlichen Quelleihren Ursprung zu danken haben. Der glücklicheErfolg, mir welchem Lucas in denselben arbeitete,und der von den Deutschen und Italienern mitsolchem Beyfall aufgenommen wurde, würde na-mentlich auch A- Dürers Eifersucht gerecht haben,wäre sein Gemüth nicht eben so schön, als seinGeist erhaben gewesen. Sobald als der deutscheKünstler die ersten Arbeiten des holländischen Ste-chers sah, der zwar die Geschicklichkeil des erstemim Zeichnen nicht besaß, aber ihm in einigenBlättern mit dem Grabstichel allerdings beykam,flößten ihm solche die höchste Achtung ein. ErUuuu 2