Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
936
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yz8 Murillo.

in der Erscheinung der Engel bey Abraham; denAdel in dem Charakter seiner Kopfe, vornehm-lich in denen von Christus, Moses , und dein Va-ter des verschwenderischen Sohns; den Ausdruckin der innigen Reue dieses letzter»; die herrlicheComposikion, die richtige Perspektive, und dasColvrir in allen. Eine Arbeit von ähnlicher Voll-kommenheit war diejenige für die Kirche de losDenerables; und darunter besonders die Empfang-niß Mariä, ein erstaunenswürdiges Bild, daswegen der Contraste des Helldunkels mit dem Beß-ten der lonibardischen Schule zu vergleichen ist.Um dieselbe Zeit führte er ig. Tafeln für den Al-tar und das Chor des Klosters der Capuziner aus,(deren einer auch das Lex gedenkt): All' dieseszu Sevilla . Da eben dieser Orden zu Cadipfür den Hauptaltar seiner Kirche ein großes Ge-mäld, die Verlobung der H. Calhariua, verlangte,begab er sich dahin, hatte aber das Unglück, vorBeendigung dieses Werks einen Fall zu thun, derihm eine gefährliche Krankheit zuzog. Er kehrtedaher nach Sevilla zurück, wurde aber täglichschwacher, und starb endlich im I. 1682. (nicht85 wie das Lcp. sagt) in den Armen seines Freun-des und Schülers, Don Peter Nunnenz de Vilrlavicencio. Dieser vorzügliche Künstler hatte einenliebenswürdigen Charakter (sei» kcrnhaftes Antlitzs. in dem schonen Stiche nach ihm selbst von R.Collin) und behandelte seine Zöglinge mit Sanft-murh, wenn er ihnen ihre Fehler zeigte, und sievor Allem aus auf die Natur verwies. In derAbsicht, die Kunst zu Sevilla in einem blühende»Zustand zu erhalten, bemühete er sich, eine Aka-demie der Malcrey u. s. f. daselbst zu stiften,und brachte sie auch, der Kabalen des Fr. deHcrrera el Mozo und des unverschämten Ioh. deValdes Leal ungeachtet glücklich empor; iinJ. 1660.wurde er zu ihrem Präsidenten ernannt. Wiewohler aber den Urheber eines neuen Styls in Se-villa war, so überließen sich dennoch späterhinseine Zöglinge zttm Theil ihrer Neigung, welchemehr auf eine bloß gefällige, leichte Behandlung,und auf den Naturalismus gieng. Den charak-teristischen Unterschied seiner beyden S^yle findetMengs, in seinem Schreiben an A- Pon; (Oversp. Z08. 168. <l. /).«) in denjenigen die im Königl.Pallast zu Madrid aufbehalten werden. Im erstenStyl sind zwey Bilder, eine Menschwerdung undeine Geburt; beyde, vorzüglich aber das letztre,sind stark, kräftig und der Natur getreu ausge-führt, ungeachtet er sie früher verfertigt hatte alser sich jene Lieblichkeit zu eigen machte, die seinenzweyten Styl auszeichnet. Diesen nimmt man aufander» Arbeiten in eben diesem Zimmer wahr,besonders auf einem kleinen Bilde von der Ver-lobung Maria, und auf einem andern sehr schö-nen in einem Nebenzimmer, das den H. Jakobin Halbfigür darstellt. Ein Verzeichniß der samt-lichen Werke, die sich noch von ihm in Spanien befinden, giebt Bernrudez. Ihre Zahl war vordem Aufenthalt Philipp V. und seiner französischenHofleute, zu Sevilla weit größer; nach dieser Zeitgiengen die Menge nach Frankreich und England.Schon für den Hof Carls ll. hatte er viel gear-beitet. Lord Burlington zu Cyiswick besaß vonihm einen Belisar, den mau lange für VandycksArbeit hielt. Dort wurden überhaupt seine Bil-der jederzeit in sehr hohen Preise» bezahlt. Nochvor ein Paar Jahren kaufte der Banquier Anger-stein in London zwey derselben für 3,600. Guineen,und ein andrer Liebhaber (1801.) zu Paris , einenSt-Joseph, der das schlafende Kind halt, für36,000. Fr. S. (Vorm. st. t. ?y. u. III. 168.Das französische Museum besitzt von Murillo we>ni'gstens drey seiner vorzüglichern Staffeleygemalde:Eine Madonna mildem Kinde, welche Henriquez,nach Molinchons Zeichnung, für das X!1. Heftdes Musee Fraucais gestochen hat; dann einen Chri-stus am Oelberge, nur 1 ^ hoch in die Höhe,zu Breite. » So klein aber dies Bild ist" < heißtes bey Eandon, Annat. l/1. S. 10. wo erdavon die Abbildung im Umrisse giebt), »so zeigt

Murillo.

es doch das eigenthümliche Verdienst unsers Künst-lers. Die Figur Christi hat Ausdruck, aber frey-lich keinen edeln; ein Fehler, der bey der Figurdes Engels noch auffallender ist. Was hingegenvon der Farbengebung abhängt, ist um so vielmeisterhafter behandelt. Die Carnation ist über>aus wahr, und das reizende Helldunkel sehr ver-ständig angebracht. Das Hauptlicht fällt auf dasGesicht Christi. Der Engel hebt sich in Haibtin-ten aus dem lichten Hintergrund des Glorien-scheins; sein Gewand ist roth; der Rock Christiein sanftes Blau, das vonreflich mit dem vio-letten Mantel harmonirt. Der Hintertheil des Ge-mäldes ist dunkel, ohne schwarz zu seyn- Im (ziem-lich fernen) Mittelgrunde sieht man die Apostel,und in (großer) Weite eine Gruppe Soldaten,vom Fackelschein beleuchtet"; endlich: Eine» andie Säule, nach überstandener Geißelung gebun-denen Christ, vor welchem Petrus kniet, eben'nicht von der treulichsten Zeichnung, aber von sehrbrillantem Colocite, ebenfalls ein kleines Bild,und, gleich dem erstern, nur von zwcyIigurcu,(unser weise Künstler scheint das Geräuschvollenicht geliebt zu haben). In Deutschland hat dieKaiser!. Galerie zu Wien von ihm einen kleinenJohannes in der Wüste, mit dem Rohrkreuze,der sein Lamm liebkost; dann noch überdies einenjungen Betler, der in Landon's l^blosnx <ieOenrs 1l. 5r. beschrieben und abgebildet ist. Die-jenige zu Dresden eine sitzende Madonna mit demKinde (beydes lebensgroße Bilder'. Diejenige zuMünchen vollends nicht minder als fünf Bilder, aberlaüter Gattuugsstücke; daher es dann freylich beyvon Männlich heißt: »Er wählte gewöhnlichspielende Knaben und Mädchen von niedermStande zu Gegenständen seiner Bilder. Mankann die Natur nicht mit mehr Geist und Wahr-heit nachahmen, als er es in diesen Vorstellun-gen that. Unter der zerrißnen schmutzigen Klei-dung wohnt Frohsinn, Ausgelassenheit und Muth-will. Der munccre Feuerdlick der im Spiel be-griffenen Gassenjunge schildert ganz ihre Freude,ihre vernachlaßigte Erziehung und die Sorglosig-keit ihres Alters. Keine ihrer Stellungen undBewegungen cntgieng ihm", u. s. f. Dann aberauch im Verfolg: »Daß er die Natur in ihrer Größezu sehen und darzustellen wußte." Kaum halb rich-tig indessen dürfte das Urtheil seyn, welches Fttßil111. 233. von unserm Künstler überhaupt fallt,wo es heißt. »Seine Erfindungen sind sehr ein-fach und »»gemein naiv; feine Anordnungen sindgefällig und inigeziert; in der Zeichnung blieb erimmer bey der gewöhnlichen, und meistens beyder gemeinen Natur" (man sehe doch seine betendeMagdalena an!); »bestimmte und bedeutendeCharakteristik ist selten" (ist immer!) »in seinenWerken zu finden; hingegen ist sein Colorit injeder Rücksicht vortreflich, rein, klar, fließend,und der Natur immer im höchsten Grade getreu.Gandrart, Grlandi u. a. haben irrig behauptet,daß Murillo sich einige Zeit in Westindien auf-gehalten, wohin, wie wir gesehen, freylich so vieleseiner unbedeutender» Arbeite» hingelangt waren.Fiorillo I V. 266-62- Des Künstlers Schwestersoll der Minister des Auswärtigen, Ivs. de Vet-tia, wirtlich geheurathet haben, äe Fontcnai.Gestochen und geschabt nach ihm haben, ausserdem schon Genannten: M. Ardell eine H. Jung-frau in der Glorie und Gt. Franz de Paula inder Wüste (beschrieben bey Füßli 111. 234-3?.);P. v. B. (van Bleeck) das Bauernmadchen undden Bauernknab mit den Kaninchen-; M. S- Ear-mona eine Madonna mit dem Kinde und demApostel St. Jacob (beschrieben bey Füssli III.2ju.); T. Ehambars eine H. Familie (beschrie-ben bey Füßll 111. 23334); R. «tollin Muril-los Bildniß; I. Dean St. Anton mit dem Je-suskinde; Ther. Devaup ein Mädchen, das sei-nen Vogel tanzen läßt; die Gebrüder FaciusAbraham mit den drey Engeln; V. (Lresn An-betung der Hirten und Himmelfahrt Mariä (be-schrieben bey Füssli 111. 2Z6. 2Z?ZL.), und den