Band 
Zweyter Theil [2].
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939
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Mutschtle

Muzian. 941

ihm in dortiger Landschaft verschiedene Kirchen mitseiner Arbeit in Kuppeln und Altartafeln, auch vielePrivatgebäude geziert. Hua^ro 111. H02.

* Murschele (Bonaventura Josephs. Der-selbe heyrarhete die Wittwe des ältern Egidiusverhelft, und gicng mit seinem Etiefsohne Dia-cidus verhelft nach Moskau , wo er, und seinStiefsohn mit ihm, 1778. innert Monatsrist starb.

Murre rsdorf, s. Murina.

Murry ( ). So heißt irgendwo, ohne

Weiteres, ein Maler, der um 17 . zu Wien ge-arbeitet habe.

Mur; ei, s. Müzel.

Muych ( ). So heißt irgendwo, ohne

Weiteres, ein Kupferstecher, von dem man Archi-tckturblatter, nach der Natur gezeichnet, kenne.

Muyl 0 r (T-). Und so ein englischer Kupfer-stecher, von dem man z. B- nach 8. Mazzoli eineMadonna mit dem Kind kenne.

Muys (R. oder R. de). Und so ein nieder-ländischer des vorigen Jahrhunderts, von welchemder Ml'nklersche Katalog Ansichten der StadtDordrecht und ihrer Gegend, mit Figuren und Ma-rinen staffirt, anführt, welche mit >?. tieft.St iic. ^b. oxc. 176b88. bezeichnet sind.

Noch soll er nach C. Troost den Kranken in der Ein-bildung, und »ach G. van de Leide das geretteteSchiff gestochen haben.

* Muzrau (Hieronymns). In seiner Vater-stadt Brescia war er ein Schüler des H. Romaninigewesen, eines treflichen Künstlers, kühn und fan-tastisch in seinen Erfindungen, allein voin Geschmackedes Michael Angela (wohl ohne genügsame Benrrrheilungskraft?) zu sehr eingenommen; ein Hang,de» er auch seinem Zögling beybrachte. Freylichhatten beyde zuvor die Werke des Titia» zu be-nutzen, und sich lein schönes Colorit eigen zu machengewußt. Alsdann kam er, noch sehr jung, undmit großen Talenten ausgerüstet, nach Rom . Dortverrieth er anfänglich vorzügliche Anlagen zur Land-schaft, und wurde daher von den übrigen Künstlernii Giovanni dei Daefi genannt. Indessen wollt'er hiebey nicht stehen bleiben, sondern Figuren malen,und wurde in diesem Fach nun vollends ein Nach-ahmer von Buouaroti. Dieser begünstigte ihn hin-wieder, und verschaffte ihm Beschäftigung beymKardinal von Este, für den er zu Livoli viele Arbeitverfertigte. Ob seine in Rom mit Ladd. Zuccarogestiftete Freundschaft (sie zeichneten, in Gesell-schaft , nach den Antiken) Vortheilhaft für ihngewesen, ftühndc noch zu prüfen? Unter seinendortigen zahlreichen Werken verdient vorzüglichein großes Bild von der Beschneidung bemerktzu werdest. Dieser Künstler giebt uns wieder einBeyspiel, wie der persönliche Charakter häufigauf den Geschmack in der Kunst Einfluß hat.Die Gemüthsart des Hr'eronymus war ernst,bedächtlich, ehrbar, fromm; er gefiel sich dahervorzüglich in Darstellung von Wesen, mit diesenEigenschaften begabt. Man erzählt von ihm, daßer sich eines Tags, um gezwungen zu seyn, eineWeile lang sich alles Umgangs, zumal mit demschöne» Geschlechte zu muffigen, und einzig derArbeit obzuliegen Kopf und Bart so rein weg«geschoren, daß er einem Galeerensklaven ähnlichsah. Das antiquarische Studium verdankt diesemKünstler nicht wenig: Die Zeichnungen nach derSäule des Trajan, welche Julius Nomanus an-gefangen hatte, wurden von ihm zu Ende gebracht,sodann von Villamena gestochen, und von Al-pbons <s,arcoiie erläutert. Eben so hatte er umdie Stiftung der Römischen Akademie St. Lucasnicht nur bey seinem Leben wesentliche Verdienste,

sondern betrachtete dieselbe noch überdies sehr groß-müthig durch seinen letzten Willen. Fiorillo j.rög60. II. 56 . ffanzi dann (I H/jg 676. i. roi )weißt im Grund über unsern Künstler wenig Be-deutendes. Einzig bemerkt er, daß derselbe inRom einen größern Ruf als in seinem Geburts-land hatte, und dort für eine der ersten Stützeneines gründlichen Geschmacks gehalten wurde;dann, daß, nach Baglioni's Zeugniß, die Mu-sivische Kunst durch ihn viel gewonnen habe, under namentlich für den Erfinder, Mosaick in einermit Oel gemischten Composinon zu arbeiten, zuachten sey *). Noch rühmt die Geschichte vonihm seinen sanften, liebenswürdigen Personalcha-rakrer, und besonders sein in Wort und Thattrefliches Benehmen gegen seine Schüler, von denener die . ürftiaen sogar mit Jahrgeldern unterstützte.Dann sagt Fußli (lll. r«4^b.)von unserm Künst-ler, mit seiner gewohnten Wahrheit: »Derselbewar einer von jenen wenige» glücklichen Künst-lern, die, bey einer vortreflichen natürlichen An-lage zur Kunst, eine gute und sorgenfreye Aufcr,ziehung genossen, und ihre Fähigkeiten mit immerheiterm Gemüthe entwickeln und anbauen konnten.Diese Umstände, und sein mit Lebhaftigkeit undErnst glücklich gemischter physischer Charakter,hatten einen sehr merkbare» Einfluß in alle seineWerke; er studirte zwar anfänglich nach Tizian ,weiterhin aber nach den Antiken und den Meisternder römischen Schule; man kann aber nicht wahr-nehmen , daß er irgend eine Manier seiner Vorgängeroder Zeitgenossen nachgeahmt hätte, sondern erschuf sich eine, ihm ganz eigene, aus der wohlge-wählten Narur gezogene, und auf reifes Nachdenkengegründete Art, woraus überall ein wohl cnltivirtcrhoher Geist hervorblickt. Seine Erfindungen sindimmer historisch wahrscheinlich, und allemal der zurDeutlichkeit vortheilhafteste Zeitpunkt dabey ge-wählt; er gab seinen Figuren edle Formen, leichteungezwungene Stellungen, anmnthige und charak-tervolle Köpfe, und mit Geschmack behandelte Klei-dungen ; er zeichnete wissenschaftlich und in einemgroßen Styl; seine Färbung ist kräftig, rein, undkommt der Wahrheit meistens sehr nahe; die Ge-müthsbewegungen wußte er mit allen erforderli-chen Modifikationen auszudrücken, und man kannsagen, daß er alle Theile der Malerey in gleichHohem Grade besessen habe, und daß er unter sei-nen Zeitgenossen nur von den Carracci übertref-fen worden sey. Nebst dem hatte er auch, wiediese, eine vorzügliche Eeschicklichkeit, Landschaf-ten zu malen. " Das französische Kabiner besaßvon ihm: Den ungläubigen Thomas, in gutemGeschmacke gezeichnet, die Köpfe von schönemCharakter, die Drapperie breit, die Haltungetwas schneidend (eine Beschreibung und Ab,bildung davon im Umrisse s. in Lsndon'sAnnal- IX. 3 i.); das ehemalige Palais Noyaleinen St. Hieronymus vor dem Kruzifixe, undeine Auferweckung Lazarus ; die Cathedrale zuRheims hat (wahrscheinlich noch jetzt) eine Fuß-waschung in Leimfarbe auf Tuch (wie Kenner be-merken, lauter westliche Werke). Von dem letztemerzählt-'Argensrulle, daß der Herzog Regent esvon gemeldtcr Kirche um 60,000. Livr. nebst demVersprechen, eine gute Kopie an dessen Stelle zusetzen, erkauft, dann aber vor der Bezahlung ge-storben sey, worauf die Wittwe es (gerollt) nachRheims zurückgesandt habe. In der Galerie zuMünchen befindet sich von ihm: Ein Leichnam Christiim Schooß der Mutter (lebensgroße Figuren), undein kleines Staffeleybild: Christus entkleidet, aufdem zur Erde liegenden Kreuze, erwartet gelassende» Tod^- Dann in derjenigen zu Dresden : St.Franziscus im Gebet, ein kleines Staffeleygcinäldin Kupfer. Gestochen nach unserm Künstler haben:Eher. Albert» die H. Familie; N. Learrizer:Christus am Kreuze mit St. Johann und den

*') Die hier einschlagende' Stelle bey Yanliom haben wir in seinem Leben Muzinns (nach der Auslegungnämlich, welche stanz» ihr giebt) vergebens gesucht. Deutlicher, aber freylich nach einem gan» andern Sinnspre»en d'Argensviiiennd Matelet (mir. wissen nicht aus welcher Quelle) von einem neuen Stucco c-erMastir, welchen er crjunde» habe; xm>r mieux l» diosnigu«.