Band 
Zweyter Theil [2].
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985
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Oesee.

schatzung von Künstlern und Dilettanten jeder Gat-tung. Durch die Bekanntschaft mit Raphael Donner wurde er inner zwey Jahren ein trcflicher Possi-rer, und seine ausgezeichnete Kenntniß des Co-stunie und der Antiken hatte er, nebst seinem eig-nen Fleiß, zuerst diesem gelehrten Bildhauer zuverdanken. Indessen entschied er sich doch vor-züglich für die Malerey, und schon in 1759. gienger als ein rühmlich bekannter und geschickterKünstlernach Dresden , damals der Sitz der deutschen Kunst,wo sich um die nämliche Zeit Dietrich und Mengsausgebildet hatten. Späterhin ward dort Viti-kelmärm sein vertrauter Freund, und nennt ihnhinwieder in einem Brief an Berendi's (14. Dez.- 75 -j ) »seinen einzigen und beständigen", und amSchluß seiner Gedanken über die Aachahmung:Den wahren Nachfolger des Aristides, der dieSeele schildere und für den Verstand male." Auchwar es eben Deser, der Wünkelmanns ersteSchritte bey seinem Studium der alten Kunstleitete. Er selbst machte mittlerweile immer grös-sere Fortschritte, namentlich auch in der Fresco-malerey durch die Bekanntschaft mit Ludwig Syl-vestre. Wahrend des siebenjährigen KriegeS hielter sich meistens zu Dahlen bey dem Grafen vonDünau auf Nach wiederhergestelltem Frieden gienger nach Leipzig ; und als der Kurfürst Christian balddarauf seine neue Akademie zu Dresden errichtete,stellte er es ihm frey, ob er dorthin zurückkehrenoder zu Leipzig verbleiben wollte. Er entschiedsich für letzkres, und wurde einsweilen zum Direk-tor der dortigen Zeichnungs- Malereyr und Archi-tekturakademic, zugleich aber zum Professor der-jenigen zu Dresden , und zum Kurfürst!. Sachs.Hofmaler ernannt. Seinen frühern Aufenthalt inDresden , und die ersten Jahre in Leipzig hielt erfür seine schönste Periode sowohl im Leben als inder Kunst. Nützlich für Andre in höherm Gradeward er indessen erst jetzt, und gewann durch diegroße Anzahl Zöglinge, die er auf den beyden ge-dachten Akademien bildete, durch die Modelle,die er dort aufstellte u. s. f. den bedeutendsten Ein-fluß auf die Veredlung des deutschen Kunstge-schmackes; namentlich hatte auch die Buchhand-lung ihm eine auffallende Verbesserung des ihrigenin Absicht auf Bücherverzieruugen zu verdanken.Vorzügliche Beweise des seinigen, sowohl in derDel- als Frescomalerey sind: Das leider dem Un-tergang nahe Meisterstück seines Vorhangs für dieLeipziger -Bühne; dann das jetzt vollends zerstörteDeckengemäld derselben, welches Apollo mit denMusen darstellte; der Plafond in dem Concertsaale,und ein andrer in dem Haute des Geheimden Kriegs-ralh Müllers u. s. f. Eine blühende Einbildungs-kraft, die glücklichste Erfindungsgabe, Reichthumder Gedanken und ein feiner Geschmack, verbun-den mit Correktheit der Zeichnung und einem an-genehmen Colorit waren der Charakter aller dieser,und so vieler andrer seiner schönen Werke. Vonseinen Kenntnissen in der Scnlptur dann zeugten:Die Statüe des Kurfürsten von Sachsen auf derEsplanade zu Leipzig , das Monument der Köni-gin Mathilde von Dänemark zu Zelle, und dasvon Geliert in einem Privatgarten zu Leipzig ,welche, nach seiner Erfindung und seinen Model-len, theils von ihm selbst, theils unter seiner Auf-sicht verfertigt wurden. Das höchste Alter hatteseinen Geist und seine Kunst nicht geschwächt;noch immer verdienten seine schön gedachten Ent-würfe und die glückliche Ausführung derselben dieBewunderung aller Kenner. Noch bereicherte erdie Kirche St. Nicolai in Leipzig , deren innere Ver-schönerung hauptsächlich sein Werk war, mit mei-sterhaften Gemälden. So lebte er seiner Kunstbis an sein Ende; einen Christuskopf vollendeteer noch wenige Tage vor seinem am 18. März1799. an einem Stickfluß erfolgten Tod, und be-hielt seine jovialische, ächt philosophische Stim-mung bis auf den letzten Augenblick. Das ehe-malige Feuer seiner oft stürmischen Jugend hattesich bey ihm allmahlig in eine liebenswürdige Hei-terkeit gemildert, und ihn zu einem der interessan-

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testen Menschen gemacht, so daß er in der Gesell-schaft die Seele der Unterhaltung und der mun-terste Freund unter Freunden war. Er hakte seinebeyden Söhne überlebt, welche, da er sie, wieseine beyden Töchter, zu Künstlern bildete, seinehöchste Freude waren. Die jüngere von die'enletzter» wurde an einen seiner Schüler, den ge-schickten Kupferätzer C- G. Geyser vermählt. Ne-ben seinen Gemälden wurden auch seine cvlorirtenZeichnungen von Kennern sehr geschätzt, und ebenso seine geistreich radirten Blätter nach Rembrandt ,G. van Ekhout ». a. Das schönste und ausge-arbeiteteste derselben ist Cupido und Psyche nachGuercino in der Königl. Preußischen Galerie. Diebeßte Litteratur über seine mannigfaltigen Arbei-ten von 1787-89. s. bey Merisel >. II. von seinengeätzten Blättern insbesonders bey Rost II. 14047.und im Winkkerschen Ganrkatalog. Eine Beschrei-bung seiner zu Licffurt bey Weimar aufgestelltenUrne zum Andenken des in der Oder ertrunkenenHerzog Leopolds von Braunschweig s in Men-sel« Mus. V. 2024. Gestochen dann »ach ihmhaben: Dause, Bernigeroth, C. L. Crufins, Gey-ser, Griesmann, Lindemann, Mechau, Palko,I. H. Thonert, Wiese, Zingg, und sein untenfolgender Sohn: Bildnisse, Geschichte und Gat-tungsstücke , wovon ein Verzeichnis meines lel.Vaters ungefähr 20 Bi. anführt. Sons. nochüber ihn: Geume im Deutschen Merkur 1799.S. 18259 und Deutsche Bunstbl. ( 4 °) Anz.S- 55 58 . wo »etwas Reichhaltiges und Inte-ressantes über sein Leben und seine Werte"" voneinem seiner Freunde angekündigt wurde, dasaber, unsers Wissens, niemals das Licht sah.Bemerkcnswerth (obgleich uns nicht ganz unerklär-lich) ist es, warum dieses immerhin verdienten,aber freylich bey Leibesieben vielleicht allzu hocherhobenen Künstlers in der Schrift: LOinkelmaimund sein Jahrhundert, mit keinem Wort Er-wähnung geschieht!

* Deser (Joh. Friedrich Ludwig ), des Obi-gen ältester Sohn, geb. zu Dresden 1781. wardvon Jugend auf von seinem Vater in der Kunstunterrichtet, und widmete sich Anfangs vorzüglichdem historische» Fach als Zeichner und Maler.Sieben Jahre stand er bey der Leipziger-Akademieals Unkerlehrer, verließ aber um 1778. seinen dor-tigen sichern Gehalt und gieng wieder nach Dres­ den , wo sein brennender Durst, sich immer mehrzu vervollkommnen, reichere Nahrung fand. Jetztsah man von ihm besonders diele gefällige, und auchvon auswärtigen Liebhabern gesuchte, getuschteund colorirte Handzeichnungen sowohl als Ölge-mälde, nach der reizenden Natur rings »m Dres­ den , meist in Ruysdaels Geschmack. Späterhinward er dann auch dort als Geschichksr und Land-schaftsmaler angestellt, und um 1780. nennt ihneine unsrer Handschriften Mitglied der dortigenKünstlerakademie. Deser, der schon Manchesgeleistet hatte, und noch Mehreres von sich hoffenließ, starb zu Leipzig 1792. wie es im Leipzigergel. Tagb. dieses Jahrs (S- 55 ) heißt, 58 . I.alt, womit indessen sein oben angegebnes Geburts-jahr nicht übereinstimmt; genau hingegen dasMeuselsche Museum XVIII. 480. das ihm41. Ä- Siebt; doch immer in der Voraussetzung,daß 1781. das richtige Datum seiner Geburt sey.Ein jüngerer Bruder, der sich ebenfalls der Kunstgewidmet hakte, war ihm vorausgegangen. EinigeLitteratur über seine Arbeiten, besonders auch überdie von ihm geätzten Blätter von 17^8-75. s. beyMeusel 1 . II. und im LVmklerschen Gancka-ralog. Von Gemälden indessen werden bey Meu-sel bloß Copien genannt; wie z. B. eine Fluchtin Egypten nach Dietrich (1770.), und die Jün-ger von Emaus nach seinem Vater (1774); dannvon Zeichnungen, anatomische, nach dem Leben(1770.); eine Landschaft nach Ruysdael, und einigeZusammensetzungen <?). Don Eyarbeiten: Die Stei-nigung Stephan, nach Rubens , eine Nachtwachenach S. Rosa, die Opferung Isaaks nach Ribera, undKkkkkk