Band 
Zweyter Theil [2].
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993
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O p i e.

Op'tz. 993

<Pctcr Pindar) eindeckte seinen Hang und seinTalente für die Kunst, nahm den blutarmen Jüng-Ung in seinen Schutz und bildete ihn sowohl per-sönlich als durch Lehrmeister; er machte schnelleFortschritte und erfreute seinen Gönner in Kurzemdurch das rrefliche Bildniß eines alten Bettlers.Jetzt war er im Stand, sich selbst, obwohl nochkümmerlich, durchzuhclfen, und malte in EpetecBildnisse u. a. Kleinigkeiten, welche Abnehmerfanden. Erst 19. I. alt gieng er dann nach Lon-dviz, wo er die vielen dortige» Gelegenheiten zurVermehrung seiner Kenntnisse und zu Läuterungseines Geschmacks vortreflich benutzte, und, mit-ten unter so vielen innr und ausländischen Künst-lern dieser uiurmeßlichen Stadt bald bekannt undgesucht wurde. Die zahllosen und gefährlichenVerführungen, die daselbst jungen Artisten ganzbesonders drohen, hatte er kaum dem Namen nachkennen gelernt; er saß immer vor der Staffele»)und geizte mit jedem Augenblick zu seiner wetternBildung. In 1786. stellte er sein erstes Gemäldjn der Akademie aus und wurde bald zum Ge-nossen , und kurz hernach zum wirklichen Mitgliedederselben crnanutt Zwey vorcrcfliche historiicheBilder: Der Tod des David Rizzio in Gegenwartder unglücklichen Maria Stuart , und der TodKönig Jacobs von Schottland begründeten vol-lends seinen Ruhm, und zeigen, wie weit er esin der Geschichtsmalcrey würde gebracht haben,wenn seine Landieute diesem ediern Kunstzweigenicht ihre Bildnisse von einem solchen Meistervorgezogen hätten, die man ihm zwar freygebigbezahlte, welche aber den nach wahrem Ruhm-dürstenden Künstler auf seiner ohnehin so kurzenLaufbahn sehr zurückhielten. Um so viel mehrverdankte er es Lovdell >, und vNacklin, vonwelchem der erstre ihn etliche Scenen für seineShakcspcarS-Galerie, der andere Mehrcres für seinePrachtbibel malen liesst Zu seinem Vorzüglichsten sol-len gehören: Das Opfer von Jcphrha's Tochter(überaus erhaben gedacht und glücklich ausgeführt);dieDarbringung im Tempel; der Tod der Sapphira(ein Bild das durch die Neuheit der Composikionund das außerordentliche Relief der Figuren über-raschen soll. Eben so nennt man seine VerhaftungMortimers eine edel und kühn zusammengesetzteGruppe; und Rizbah die Tochter Ajah's, dieauf einem öden Felsen sitzt und bey den Leichna-men ihrer Söhne wacht; ferner seine» Hubert undArthur für H?oodmason's Shakespeare als einMeisterstück im Ausdruck, und seine Iuliet aufdem Balcon im Mondschein (180Z.) äußerst an-ziehend durch die Zartheit der Empfindung,welche überhaupt alle seine Arbeiten auszeichnensoll, und von der Art, wie solche die Englände-rinnen zumal in Romanen und Gemälden so vor-züglich suchen; so wie hingegen die bloße Zart-heit des Pinsels, die man so sehr an Rey-nolds bewunderte, an seinen weiblichen Bildnissennicht selten fehlte; dafür hat er in der Darstellugdes männlichen Kopfes, wenn solcher zumal sichdurch einen entschiedenen Charakter auszeichnete,nicht selten die größten Künstler in dieser Gattungerreicht. So scheint z. B. das Bildnis; seinesFreundes Hoikroft zu athmen, und dasjenige desgeschmackvollen Lreshgm ist die wahre Darstellungeines bloßen, stets über den Büchern sitzendenMannes. Daß einige derselben zuweilen einenetwas pöbelhaften (gemeinen L) Charakter haben,ist nicht zu läugnen. Aber man sehe dann hin-wieder seine» Herzog von Gloucester in Lebens-große. den er noch 1807. kurz vor seinem Todausstellte. Für diesen Salon hatte er Mehreresin Arbeit, und man glaubte, daß der unausge-setzte Fleiß, den er darauf verwandte, sein frü-hes End beschleunigt habe. Auch seine Landschaf-ten werden sehr hoch geschätzt, sind aber theilsselten, theils unvollendet. Sein Styl in der Kunstüberhaupt wird von Kennern als ganz original,die Idee von bald jedem seiner Bilder kühn, und

die Ausführung kraftvoll genannt. Einzig gebraches ihm an gehöriger Festigkeit im Zeichnen; hätteer diese besessen, so würde er auch seinen Forme»mehr ideale Schönheit und Charakter (?) gegebenhaben. Von seinem Colorit behaupten Einige,daß er sich Rcmbrandt'S zum Muster gewählt habe.Dpie der Mensch dann, glich genau dcm Künst-ler; ob er gleich seinen Geist durch vieles Lesengebildet hatte, so fehlte es seinem Aeußern den-noch an einer gewissen Geschliffenheit, welchewenig von der Artigkeit und Herzensgute ahndenließ, die hingegen seine vertrauten Freunde ein-stimmig an ihm rühmen. Als Füßli (i 8 c, 5 .) zumVorsteher der Akademie befodcrt wurde, erhieltVpie die Professur der Malerey, und in dieserEigenschaft hörte man von ihm vier trefiicye Vor-lesungen, welche allein den dürftigen Gehalt seinerStelle (von 56 . Pf. Cterl.) wohl werth waren.Kinder hat er nicht zurückgelassen; seine liebens-würdige , und als Schriftstellerin und Dichterinallgemein verehrte Wittwe betrauert ihn, so wiejeder ächte Liebhaber der Kunst *), Von seinenArbeiten nennen wir noch, neben den schon ange-führten, für die Shakeipears-Galerie.- Scenenaus Heinrich VI. , aus Limon von Athen , unddem Wintermährchen: Die Köpfe auf der einenScene aus dem erstcrn sind unedel; all in die Lich-ter und Schatten machen einen starken Effekt.Die Figur des Timon von Athen hat ei» spre-chendes Gesicht; das Nackte daran scheint nachder Natur copirt zu seyn; allein eS fehlt ihr anAnstand und Würde Seine schon genannte Ju-lie! ist, ungeachtet ihres schönen Kopfs, mittel-mäßig gezeichnet. Comische Auftritte und senti-mentale Scenen, wie solche die Engländer lieben,wußte er eben so gut zu erzählen wie zu schildern.In r8c»j. wählte er sich eine aus dem Gilllas,wie er in der Dicbshöhle der alten Lcnore denSchlüssel wegmaust; das alte Scheusal ist origi-nell, und Gilblas ganz in le Sage's Sinn. DerBesuch in der Bauernhütke (Kleidung des Nacken-den), und der Vater, der in dem Haubenkastcnseiner Tochter heimliche Briefe entdeckt (i8uä. u. 4.)waren zwey Bilder, die auf das englische Publi-kum einen unbeschreiblichen (?) Eindruck machten.Sein Bildniß des Kleinen Roscius wurde vonVielen für das Beßte dieses Wnnderknaben gehal-ten. AnderwertS (-Vorn,. II. 2Z7. und

IV. 226.) werden noch von ihm genannt: Die Werkeder Barmherzigkeit; als eines seiner vorzüglichstenBilder auf dem Londner-Salen ,Sc>2 und aufdemjenigen von i8uj. mehrere seiner Bildnisse.Noch müßen wir bemerke», daß sich Dp,e mitseinem ersten Gönner, Peter Pindar, aus uns un-bekannten Gründen, enrzweyek, und da»» dadurchbitter an ihm gerächt hat, daß die Mörder inseinem Rizzio und in Jacob's l. Tod unver-kennbar das Bild dieses satyri'chen Dichtersvorstellen, was er vielleicht schon durch die nie-derträchtige Schmäksucht verdiente, wodurch ersich an den würdigsten Personen der Königs Fa-milie versündigt hat. ^orillo V. 667 - 7). Ge-stochen nach ihm kennen wir: Mortimers Ver-haftung von I Fitlier; geschabt dann: Die Schuleund das Wintermährchen, beyde von van Green;das Alter und die Jugend von I. R. Smith,und t!,e blm8tro> von W. Ward; fast lauter vor-zügliche Blätter. /)runch5. 7 k/§c. Ferner: Julict'sScheintod nach dem 5 Anfrr. des l V Akts von.Romeo und Iuliet, von den Gebrüdern Faciusin puiiktirter Manier sehr lieblich ausgeführt, abervoll Zcichnungsfehlcr. .lourn. f. Kilstk-»»!? j-8taS. 9»91. Endlich das Bildniß der Marie Woll-stonecraft Godwin, von Anuis.

Gpstz (Joh Adolph), geb. zu Dresden 1760.besuchte die dortige Akademie sechs kabre undübte daselbst theils die freye Handzeichnung, haupt-sächlich für die Landschaft, theils das Silhouet-tiren; letzircs mit Beyfall. Riäbe's gelehrre,;

«) Z. B. Vater und Tollster, ein FaiiiiliengcniKd von ihr (und nacd ihr ans dem Englischen M'. Leipstgwirb sebr geschätzt. g ,,. ,.