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Osiad e.
Natur befriedigen, in dieselbe Kammer zusammen-gedrängt, wo ihr Handwerks- Küchen- und Putz-gerarhe untereinander gemischt liegt. Man kannnicht mehr Wärme, Licht und Farbe, als er, indiese malerischen Hütten hineinbringen. SeineArt, dieses Innere zu malen, ist etwas, daS ihnbesonders auszeichnet. Wenn man alle Prinzipiendes Uuedcln suchen wollte, so würde man sie inseinen Figuren finden. Ihre Gebehrdcn sind nie-drig, die Köpfe viel zu groß; in ihren schwarz-braunen Gesichtern herrschen rohe, unten dickeund oben enge Nasen; sie haben kleine scharlach-rothe, tief und nahe beysammenliegende Augen;große schiefe, von der Nase weit entfernte Mäu-ler, an denen die Unterlippe über die obere her-vorsteht und zu einem noch weiter hervorkommen-den Kinn führt, das über einem Halse steht, anwelchem man noch mehrere Kinne findet — einangenehmer Weg der noch zu andern Reizen führt,deren Beschreibung man wohl überhoben seyn darf.Seine Hauptfiguren sind immer die häßlichsten!Man konnte versucht werden, zu glauben, daßbey den Menschen, welche er malte, die Häßlich-keit in großer Achtung stand; ja man dürfte wohlvoraussetzen, daß wenn irgend eine neidische Gott-heit unter ihnen einen blutigen Krieg erregen undden Apfel der Zweytracht unter sie werfen wollte,so müßte sie darauf schreiben: Der Häßlichste»!Dafür haben dann alle Bilder dieses seltsamenKünstlers so viel Bewegung, Leben und Origina-lität, daß seine Personen, ihrer häßlichen Gestal-ten ungeachtet, sehr intereffiren. Man wird durchdas außerordentlich Wahre ihrer wunderlichen Pos-sirlichkcit gefesselt; man möchte mit seinen Origi-nalen nicht Gesellschaft machen, aber man würdeihnen mit Vergnügen zusehen. Man erinnert sichan Leute, die ihnen gleichen; diese Verglcichun-gen wecken die Fröhlichkeit auf; man lacht immerbey ihrem Anblick, und sie ergötzen desto mehr,weil sie die Häßlichkeit trösten und dem Scolzeder Schönheit schmeicheln können. Mit alle demhaben Ostade's gemeine Formen nicht das Anseheneines bösen Charakters; oft sind sie mit ganz nütz-lichen Dingen beschäftigt; sie flößen Fröhlichkeit,nicht Schrecken ein, und man würde sich nichtfürchten, ihnen auf der Heerstraße zn begegnen,wie denen von Salvator Rosa ; sie sehen auchnicht dumm, selten zerplumpt(?> aus; ihre Ge-sichter haben nicht die Physiognomie niederträch-tiger (?) Bettler; eine Art von Zuversicht zeigt sichauf ihren Stirnen. Noch trägt Schönheit desColorits viel zu Ostade's Ruhm bey. In diesemTheile kömmt er den größten Künstlern gleich,und kein Maler in allen Fächern und bey allenNationen war ein feinerer und harmonischerer Co-loriste. Nur muß man nicht, wie gewisse Leute,glauben, daß dieses beynahe das einzige Verdienstseiner Werke sey; auch wenn sie Grau in Graugemalt wären, so würden sie noch um des Licht-effekts, des Geistes der Bewegung, des Lebenswillen bewunderungswürdig seyn; dies kann manleicht dadurch beweisen, daß man an die nach sei-nen Gemälden gestochenen Blätter, und vorzüg-lich an diejenigen erinnert, die er selbst radirt hat,und die so viel Wahrheit und Originalität haben."Denn allerdings war er einer von den Malern,der das Helldunkel am Beßten verstand; mankann in dieser Rücksicht kaum etwas Vollkommne-res sehen, als die Vertheilung der Schatten undLichter z. B. in seinen Pferdeställen. Kürzer alsTailkasson, aber ebenfalls richtig bezeichnet vonLNannlich Ostade's eigenthümlichen Werth, nebenAndern,, also: «I» der Ruhe, so wie in derlärmenden Freude seiner Figuren, in ihrem Rausch,ihrem Tanz, in ihrem Zorn und Balgereyen er-kennt man, gleich, die an schwere Arbeit gewöhn-ten Männer und Weiber, die sich nach ihrer Artergötzen, oder mit geballter Faust ihrem Beleidi-ger, ohne Trug und List, gleich auf der Stellesein Unrecht fühlbar machen." Und nun auch etwasvon unsers Künstlers Gebrechen. Um die Kunstzu gruppiern vörderst bemühete er sich sehr wenig,
und stellte feine Figuren oft ohne Ordnung aus.Man sieht;. D einen vor dem Eainine Stehenden,und weit genug davon einen Andern der seine Pfeifeschmaucht; ganz wider die Regeln, aber dafür —ganz Natur. In einer eigentlich historischen Dar-stellung .sagt LOareler sehr gut) lehrt freylich eben-falls die Natur den Künstler, die Figuren, welchedie Handlung interefsirk, sich einander nähern; inAbbildungen des gemeinen Lebens hingegen erlaubtsie ihr, dieselben zu stellen, wo er — oder, mochteman sagen, wo jede von ihnen selbst stehen will.Jede beschäftigt sich in ihrem Winkel, und dies istgerade das naive Bild des Innern eines solchenHauswesens. Ungefähr dasselbe bemerkt auch Des-canips: „ Wenn er das Innere der Häuser vorstellt,läßt er Euch verschiedene Zimmer sehen, und spaziertmit Euch um seine Figuren herum." Ein größe-rer Fehler dann (heißt es wieder bey Wareler),den man an Ostade mit Recht tadle, sey dieser,daß er bisweilen den Gesichtspunkt so hoch stellt,daß die Zimmer bizarr erscheinen, und vollendsungereimt seyn würden, wenn er nicht die weitenZwischenraume durch allerley trefliche Details aus-zufüllen gewußt hätte. Wie sehr seine Werke nochheut zu Tage geschätzt werden, beweist: Daßnoch i 8 nr. auf einer Versteigerung des CabinetsHelsleuter von Amsterdam , zu Paris sein Bildeines Mannes, der mit einer Frauensperson spricht,um 7«o». Fr. verkauft wurde. Don ihm besitzenin Deutschland die Galerie zu Dresden 3 . (darunterihn selbst, wie er vor der Etaffclcy sitzt; die zuMünchen /,., die zu Salzthalum 4. (darunter einEngel in der Glorie, der die Geburt verkündigt —wohl ein seltener Gegenstand für ihn); die Gale-rie Lichtcustein 3 . Seine geätzten Blatter endlich(sagt?xost l 292.) verdienen fast eben den Bey-fall und den Tadel, wie seine Gemälde. Vor-trefliche Copien aus dem gemeinen Leben, bestehtihr größtes Verdienst in der Lustigkeit des Gegen-standes und in der Wahrheit des Ausdrucks. Zu-weilen, aber selten, hat er auch hier das Hell-dunkel anzubringen gewußt, das in seinen Ge-mälden eine so große Wirkung thut. Sein radirrtes Werk von 6j. größer» und kleinern Blatternerschien in Holland unter einem eigenen Titel.Die alten Drücke davon haben sich stchr selten ge-macht; die gewöhnlichen sind von aufgestochenenPlatten, aus denen Adrians Geist ganz verschwun-den ist Die vollständigste Litteratur derselben fin-det sich, wie gewöhnlich, bey Barrsch (I. 55 i.bis 092.), der deren 61. und im iDinklerschenKatalog, der ihrer vollends 66. aufzahlt Einigederselben (heißt es bey dem erster») sind datirt;die frühesten (feinsten und geistreichsten) von 16/,/.und /,8., die spätesten von 1679. Indessen giebtes wahrscheinlich noch frühere als von i6-j7.welche minder Geist als diese, und hinwiederminder Pratik als seine spätern verrathen. Zudiesen zahlt er: Die Schule und die Sängerin;zu den Vorzüglichsten l datirten) z. B. den Leyer-mann, den Haushalt, die Scheune, den Haus-vater und den Charlatan; zu den Schwächstenz. B- die verlangte Puppe. Sein Vcrzeichnißtheilt er in Brustbilder; in einzelne, und in zwey,drey und mehrere Figuren auf halben Leib; undendlich eben so in einzelne, zwey, drey, vier undmehrere ganze Figuren ein. Rost nennt 28. dernach seinem Sinne bedeutendsten. Für sein Capi-talblatk, und zugleich für das größte, hält derLVrnklersche Katalog: Das Bancrnsest vor einemWirthshaus, ohne Zweifel das bey Barrsch: Tub'öte 80N8 le grscxl arkre rubriziere, wogegenletzterer noch ein beträchtlich größeres: Tu lBmssn» cmbaret nennt. Gestochen nach ihm haben vonältern Meistern: A. Blooteling, C. Dankerts,A. van der Docs, I. Louis, G. van Schlagen,I. Suyderhocf, C. und I. de Visscher; vonneuern N. Albrecht, Aliamet, Aveline, lc Bas,I. Beauvarlet, Denazcch, A. Bilette, Ehcdel,P. Chenu, A. F. David, I. Heudclot, G. Hu-quier, M. Liart, Martini), I. B. Michel, F.W- Musculus, Pelletier, G. F- Schmidt und