Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1065
JPEG-Download
 

Peruzzi.

Siena und des Pacchiarotti). Alsdann ging erunter Alexander VI. nach Rom , wo er Raphaelkannte, bewunderte, und zumal in etlichen seinerH. Familien nachahmte. Einige halten ihn sogarfür dessen Schüler. Sehr nahe kam er «hm inverschiedenen seiner Frescogemälde; so z. B. ineinem Urtheil des Paris im Castell Belcaro, dasman zu seinem Beßren zählt, und in der berühm-ten Sibylle, die dem Augustus den Weltheilandverkündigt, in Fönte Giusta zu Siena . DieseFigur belebte er mit einem so göttlichen Enthu-siasmus, daß Raphael in demselben Gegenstände,eben so wenig als Guido und Guercino , die somanche Sibylle malten, ihn nicht überwundenhaben. Zn wcitschichtigen Bildern dann, wiez. B. «n seiner Vorstellung in« Tempel all« Pacezu Rom , zeigte er sich als ein wackerer Compo-niste und Maler von Affekten, und staffirte solchemit edler Architektur. Seine Bilder in Oel sindäußerst selten. Für sicher kennt man in Italien ein einziges: Die Madonna zwischen St. Johannund St Hieronymus zu Torre Balbiana, i8. Mei-len von Siena . In Frankreich dann besaß der Her-zog von Orleans von ihm eine Anbetung der Kö-nige. Auch das Museum Napoleon zu Paris will eines seiner Bilder haben: Ein sehr anmu-thiges Silentium, das bey Landon Vlll. i2Z.beschrieben und abgebildet ist, wie es dort heißt,von richtiger Zeichnung und sehr naivem Aus,drucke, aber graulicht in der Carnation, und über-haupt schwach gefärbt. In der Architektur dannwar er, wie Lomazzo sagt, universal, und imStudium der Antiken unermüdet, so daß man ihnselbst dem Bramante vorzog. (Man sehe seinendiesfälligen Preiß im Siebenten der (.ercero 8e-ne8«, i,n vierten Buch des Seriio, der seineSchriften geerbt hatte u. s f). Sein Talent wares, allen seinen Werken den Charakter fröhlicherSchönheit zu geben. So z. B was seine Bau-ten angeht, im Porticus Massimi zu Rom , amgroßen Altar in der Hauptkirchc zu Siena , andem herrlich verzierten Portal des Hauses Sar-cati zu Ferrara , das man durch ganz Italien kennt,und vor Allem aus an der herrlichen Farnesina , wievasari sagt,mit einer Grazie ausgeführt, daß sienicht gemauert, sondern wie geboren zu seyn scheint."Ein besonderes Geschicke besaß er, das Aeußereund Innere der Gebäude mit Perspektiven, Bas-reliefs, Stuccos u. s. f. zur höchsten Täuschungzu bemalen, worin er späterhin nur von Caldaraübertroffen ward. Beyspiele davon sieht man eben-falls an und in der Farnesina, wo ein gemaltesGesims selbst das geübte Auge eines Tikians be-trog; wo sich dann aber auch (was, unsers Er-messens weit mehr, als solche Kunstspielcrie werthist) von ihm ein Plafond befindet, welcher dieFabel des Perseus in einem leichten, geistvollenStyl darstellt, und wirklich Raphaelisch erschei-nen würde, wenn nicht Raphacls Arbeit selbst zurSeite stühnde, so daß man jetzt von der seinigenfreylich kaum mehr Notiz nimmt. Graziös, wiewir schon erwähnt haben, in allen seinen Werken,war er es dann vorzüglich in seinen Grotesken(Arabesken); und bey aller Freyheit, welche eineGattung verliehen muß, die ganz von der Launeabhängt, übte er diese Gattung mit einem solchenVerstand aus, daß Lomazzo ihn eigens studirte,um andern die Regeln derselben zu entwerfen. Dawaren Satyre, Masken, Kinder, Thiere, Unge-heuer, Gebäude, Pflanzen, Blumen, Vasen,Lampen, Lichter, Waffen, Donnerkeile seine Ge-genstände , die er aber nicht bloß in wunderbarschone Symmetrie zu bringen, sondern sie auchso darzustellen wußte, daß sie gleichsam als Em-bleme für benachbarte geschichtliche Darstellungengelten konnten. S. hierüber Lausr I. 5 i§.Minder enthusiastisch liest man dann freylichvon unserm Künstler bey Fiorillo 1 . 556 57 .Er war ein guter Zeichner und hatte viel Feuerund Jdeenreichthum für weitläuftige, verwickelteCompositioncn; d. h. das Talent, einen weitenRaum mit unzähligen Figuren anzufüllen, wovon

Peruzzi. ro6§

ein großer Theil nichts sagt und nichts thut.So befindet sich z. B. im Hause des MarcheseRanuccini zu Florenz von ihm ein großes Bild(die Anbetung der Weisen), auf welchem man5 g. Köpfe zählt. Eine andere noch geräuschvollereComposition von ihm ist eine Geburt des Heilan-des, welche Aug. Carracci («679.) in Kupfer gab."Unter seinen Bauten wird dort vorzüglich derDom zu Carpi bemerkt, den er ganz nach Vitru-vischen Regeln ausführte. Ein prächtiges undsinnreiches Modell verfertigte er für die Ct. Pe ,terökirche. Als die berühmte, sehr unzüchtige Co,mödie (Calandra) des Kardinals Bibiena vor Sr. Heiligkeit, Leo X. aufgeführt wurde, gabperuzzi dazu wunderschöne Dekorationen, welcheAllem, was man nachher in diesem Fache gelei-stet, zum Muster dienten. Milizia dann (b)ci.ters. 11. 2io« 5 .) kann Balrhasar, als Bau-meister , ebenfalls kaum genug erheben. Hierwerden theils seine schon genannten Bauten, derDom zu Carpi, die Farnesina, der Pallast Mas-simi u. s. f. mehr und »ninder ausführlich beur-theilt, und auch das Mangelhafte daran nichtverschwiegen. Von seinem Modelle für die St.Peterskirche heißt es dort, daß solches daher ent-standen seye, weil Leo X. der Entwurf des Bra­ mante allzuweitschichkjg geschienen. Dann werdennoch von ihm angeführt: Das Kirchenportal vonSt. Michcle in Bosco bey Bologna ; Zeichnun-gen für die Fa>,ade von St. Petrvnio daselbst, undfür die Festungswerke von Siena ; sein GrabmalAdrian VI. m der Kirche dell' Anima zu Rom ;der, wenigstens für sein Werk geachtete, Dorhofdes dortigen Pallastes Altems; endlich der Appa-rat für die Krönung Clemens VII . Sehr rüh-rend erzählt Milizia sein Schicksal bey dem schreck-lichen Sacco Si Roma 1627. (wobey, heißt es dortbeyläuftig, so viele Männer, aber, sonderbar!keine einzige Frauensperson ihr Leben verlor), pe-ruzzi fiel in die Hand spanischer Soldaten, dieihn bey seinem ernsten, edeln und graziösen Aus-setzn für einen vornehmen Prälaten hielten, undihn unter barbarischer Behandlung zwingen woll-ten, ihnen seine eingebildeten Schätze zu weisen,dann aber, als sie ihn endlich für einen Künstlererkannten, ihn nöthigten, ein Bildniß des - ver-wünschten Carls von Bourbon zu malen, hieraufihn seine Straße weiter ziehen ließe», wo er neu-erdings ausgeplündert wurde, und endlich nacktzu Siena anlangte. Dort ward er sehr wohl auf-genommen und legte bald hernach einen voligewich-tigenDeweis seines Patriotismus ab, als er es demPapste ausschlug, bei, der Belagerung von Floren;als Ingenieur zu dienen. Und nun liest mannoch seinen schönen Nekrolog, wie folgt:EiltBaumeister voll Verstand und Einsicht, dabey eindurchaus rechtschaffener und äußerst bescheidenerMann, arbeitete er unaufhörlich, und für jeden,der seine Kunst ansprechen wollte. Aber von sovielen großen und reichen Herren, die sich seinerbedienten, gab ihm keiner viel mehr als Nichts.Als Baumeister von St..Peter erhielt er 25 c>. EcudiBesoldung, womit er sich, nebst Frau und Kindern,ernähren mußte. Jedermann sah' ihn in der Noth,und jedermann mißbrauchte seine Uneigennützigteit.Doch (ruft hier der geist- und herzvolle AMziaaus), wer würde nicht Armuth, so sehr sie drückt,mit solch' innerm Werthe verbunden, der reichenund schaamloscn Unwissenheit vorziehen! In denletzten Lagen seines Lebens sandle ihm Paul III .10,,. Scudi zu, und begleitete solche noch nutmehren« allzuspäten Anerbietungen. Alle Ma-ler» Bildhauer und Baumeister zu Rom geleite-ten seine Leiche »ach der Rotonda, wo er nebenRaphael in einem Grab ohne Jnmchrift bey-gesetzt wurde. Erst nach seinem Tode (heißt esauch hier) wurde sein voller Werth erkannt, bey der Fortsetzung deö Baues von St Peter zumal,bey welcher Anton Sän Gallo auf so mancheSchwierigkeit stieß." Daß er den Virruv com-meulirte, und selbst alle Figuren dazu zeichnete,ist Wenigen bekannt. IMina t. c. »« 5 . EbenUuuuuu