Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1082
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ivgr Pforr.

Ausführung ging er so weit, daß er sich aufdie Angabe einzelner Haare einließ und die klein-sten Lichterchen aufsparte, wobey aber Weichheitund Wärme unvergessen blieb. Eben so gut ar-beitete er in bloßem Bistre. Nichts Schöneres,als die von ihm getuschten Löwen und Tyger.Sehr liebte er die zarten Federumriffe; aber erbenutzte dieselben nur als Drucker und Forcen.Menschliche Figuren zeichnete er weder schön nochrichtig." Dagegen lesen wir dann freylich beydem biedern, aber minder kunstkundigen Hüsgen(N. A. S. 435 36 .): ^,An schönen wohlgezeich-neten Pferden darf man an pforr's Bildern ebenso wenig, als an treflichen Figuren zweifeln, dieer, bessern Anstands wegen, meistens in spanischeTracht kleidet; die schwersten Stellungen vonbeyden machen ihm keine Hinderung; sie stehen,ruhig oder in Aktion gesetzt, einmal so wahr alsdas andere da, und unterhalten den Anschauerauf die angenehmste Weise in ihren mannigfal-tigen Beschäftigungen, wozu die passenden Anla-gen seiner Gebäude und schöne Ausfichten in dieFerne auch Vieles beytragen, welche entwederprächtige Rudera, Landwirthshäuser, einen ge-sprengten Bogen mit perspektivischer Durchsichtu. dgl. vorstellen, die, mit seinen klaren Wassernund reinen heitern Luft verbunden, von ungemei-ner Wirkung sind, wozu sein nunmehr (kurz vorseinem Tod geschrieben) verbessertes Colorit undeine trefliche Haltung Alles beytragen, was manzusammen an schönen Gemälden zu sehen wünscht;doch ist diejenige Größe seiner Bilder vorzüglich,wo die Figuren etwa 6" hoch find. Pferde, Her-ren , Damen und Reitknechte sind es aber nichtallein, womit er seine Bilder ausschmückt; Och-sen, Kühe, Schaafe, Böcke und Hirten gesellt erentweder dazu oder formirt davon besondere länd-liche Diehstücke, bey welchen Heinrich Roos seinVorbild ist. Auch hierin bleibt er nicht zurück;die Ruhe des Landlebens ist dabey so ganz überdacht,und das schöne Vieh liegt oder steht so zufriedenda, daß man diese lenzvollen Bilder ungern ver-laßt. Seine Arbeiten werden daher auch im Aus-lande geschätzt; nach Frankreich hat er schon vielegemalt, und der berühmte Hackert in Neapel er-hielt neulich ein Bild von ihm, welches er ywhlbezahlte und mit einem interessanten Brief beglei-tete, worin seine ganze Zufriedenheit ausgedrücktwar. Verschiedene Landschaften von Schütz hater er auch staffirt." Dann spricht Hüsgen eben-falls noch von seinen Gouachegemälden und Hand-zeichnungen mit dem gebührenden Preise, undnennt von den erster» eines im Cabinet des H.Doktor Grambs zu Frankfurt . Von seinen mei-sterhaften Blättern zu Hünersdorf Anlei-tung, Campagnepferde abzurichten, s. inMeufels M Miscell. VI. S 8028. eineausführliche Beschreibung und Würdigung. Außerdenselben hatte er noch ein Heft der vorzüglichstenPferdera<;en angefangen und 11. Platten beendigt;die zwölfte lieferte, nach seiner Zeichnung, einanderer geschickter Künstler. Da solche durch ihrenschnellen Absatz, vorzüglich in England, bald sehrselten geworden, so ließ die Kunsthandlung Arta-ria in Wien durch den treflichen A Barrsch Nach-bildungen derselben verfertigen, welche den Urbil-dern schwerlich weichen dürften, und in Absichtauf die landschaftlichen Umgebungen unter einersolchen Hand noch viel gewonnen haben. In1808. waren drey derselben bereits erschienen,von denen jedes Blatt in Wien (des schlechten Cur-ses wegen) 6 fl. bey Frauenholz in Nürnberg 3 . fl.36 . kr. und colorirt das doppelte kosteten. S.Meusel's Arch. II. 5 . S. 112 13 . Die aus-gemalten Abdrücke von den Platten zu Hüners-dorf dann (aufweiche der Stallmeister Wöhler undJacob Tischbein, Schwager des Verstorbnen, unsersWissens noch jetzt Bestellungen annimmt) kosteten3 . Caroline, die Originalen der Pferdera<;en,farbig, oder auch in Sepia ausgemalt, 12. Caro-line. Aus dem Produkte (hieß es) sollten seineSöhne reisen. Von seinen Cabinetstücken (die von

Pfrint.

Kennern noch immer sehr gesucht werden, da ersich nie durch Gewinnsucht verleite), ließ, über-eilt zu arbeiten, sondern immer nach der Voll-kommenheit strebte, folglich ihrer keine große An-zahl lieferte) nennt man in Deutschland , nebenAndern, einen Löwen und einen Tyger, zweyvortrefliche Bilder in der Sammlung des H. Land-grafen von Hessen -Darmstadl; dann zwölf Vieh-stücke (Handzeichnungen in Sepia) bey ve H.Banquier Bethman-Hollweg zu Frankfurt . Woein anderes Bild, das er vorzüglich con Amoregemalt (der französische General Klein, der einenseiner Chasseurü von vier tzausaren von Blan-kenstein rettet, hingekommen sey, ist uns unbe-kannt. Der größere Theil seines artistischen Nach-lasses befindet sich in Cassel, der bessere in Frank-furt ; neben Andern sein letztes Werk: Ein vonder Tränke kommender türkischer Hengst, den erfür seinen Freund, den Fürsten von Schwarzburg»Rudolstadt , malte, der aber dieß Stück, als un-bezahlbar , der Wittwe zurückgab. Nach seinemTode machten seine Freunde eine Subscription fürseine, nun auch verstorbene Wittwe, und seinezwey Söhne, von denen der eu,e sich zu Neu-wied zum Kunsttischler gebildet, der jüngere (jetztzwanzigjährige) aber, voll Talente, zu Cassel,unter Leitung seines Oheims, Tischbeins, die Ma-lerey studirt hat. Noch in i8u8. ftycrte man daSAndenken dieses treflichen Künstlers in dem Mu-seum zu Frankfurt , durch neue Aufstellung eini-ger seiner vorzüglichern Werke; und neben densel-ben stand ein Versuch seines Sohnö im historischenFache, welches die beßten Hoffnungen erweckte.Oonf. neben obigen Citaten: N D. Merkur 1799.III. u. a. öffenrl. Nachr. Pforr, dem Vater,gebührte auch das, Wenigen bekannte, Verdienst,die berühmte Mad. Hendel zur Uebung in derPantomimik zuerst angeregt zu haben; daher auchsein Bildlich in dem von I. N. Peroux ,809.angekündigten Werke von 24. Darstellungen vielerKünstlerin, wie es hieß, mit erscheinen sollte.Von einzelnen Blattern nach ihm nennt die Bibl.f. red. u. bild. Lünste III- - 4 - vier Pferde(ein Oldenburger , Meklenburger, Polnisch - undEnglisches); bann ein zweytes mit Spanischen ,ein drittes mit Arabischen, ein viertes mit Fries-ländischen Pferden, nach gefärbten Zeichnungenvon ihm, in gleicher Manier von Eusemühl geatztund colorirt; und eben so ein anderes Pferdestücknach ihm, von I. G. Reinheimer.

* pfrint oder Pfründe (Anna Maria),die im Lex. unter dem Art. ihres Vaters erscheint,lernte bey diesem letzter« in Wachs pouffiren, bil-dete sich aber späterhin einen großem Geschmacknach Alex. Abondio. In 1669. vermahlte sie sichmit dem Fürstl Durlachischen GeheimsekrelarBarrh. Braun, und nährte sich, nach dessen (1684.)zu Nürnberg erfolgten» Tode einzig mit ihrer ge-schickten Hand. Nach Galerri (Gesch. u. Beschr.des Herzogth. Gotha II. 269.) hielt sie sich unterder Regierung Herzog Friedrich I. einige Zeit(wahrscheinlich zwischen 1684. und 91.) zu Gotha auf, wo sie einen Theil der in Wachs pousflrienkleinen Bildnisse der dortigen Fürstl. Familie,von Ernst I. an, mit ihrer gewöhnlichen Kunst,lieferte, hierauf zum zweytenmal an den Hof Kai-ser Leopold l. nach Wien berufen wurde, alsdannnach Holland ging und bey ihrer Rückkehr nochweiter mehrere deutsche Höfe bereifte, bis sie sichendlich, bey herannahendem Alter, zu Frankfurt am Mahn niederließ uud dort verstorben ist. Nochin 1711. (damals 69. Z. alt) bildete sie, währendder Krönung Carls VI. diesen Kaiser und eineMenge anderer zu Frankfurt anwesender deutscher Fürsten . Neben ihren Bildnissen poufflrte sie auchfreystehende Figuren in Wachs, die sie (wenn wirHüsgen N A- 28485. glauben sollen) bey einerschönen Zeichnung und Stellung sehr reizend zucoloriren wußte, und gewöhnlich in Glasgehäusen,in Form antiker Tempel aufbewahrte. So z. B-werden dort Adam und Eva, von 9" Höhe, vor-