Band 
Zweyter Theil [2].
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»rz4 Ponre.

»ia maggiore zu Venedig , worin er so viel Vier»füßiges und Geflügel anbrachte, als sonst kaumin allen seinen Werken zusammen zu finden war,und was auch von Tilian so sehr bewundert wur-de, daß er sich für sein Studium eine Copie da-von anschaffen wollte. Aus alle diesem folgt,daß diejenigen Arbeiten von Jacob, die dasWerk seiner beßten Zeit, und eines vorzüglich an-gewandten Fleißes find, wirklich von großemWerthe seyen, und daher auch noch heut zu Tagezu hohen Preißen gekauft werden mögen solchedann immerhin mit einigen Gebrechen, in Absichtauf Perspektiv, nicht genug überlegten Stellungen,Ebenmaaßfehlern u. s. f. behaftet seyn; wie dennz. B- fast allgemein geurtheilt wird, daß er inder Zeichnung der Extremitäten nicht wohl geübtwar, und daher auch so viel möglich ausgewichenhabe, in seinen Bildern Hände und Füße zu zei-gen. Indessen ist dieser Dorwurf, und andre,von denen wir oben gesprochen, ihm nicht im-mer zu machen, da man allerdings Werke vonihm kennt, welche beweisen, daß er Alles besserliefern konnte, so oft crs mit Ernst thun wollte.So wußte er in seine Geburt in der Ambrosianazu Mailand allerdins Mannigfaltigkeit zu brin-gen, und in seinen St. Rochus zu Dicenza neueund angemeßne Ideen; wußte Extremitäten zuzeichnen, wie in seinem St. Peter und Paul, inder Kirche della Umilta zu Venedig ; wußte Adelin seine Köpfe zu bringen, wie in einem Bildeder Königin von Saba irgendwo zu Brescia .Aber, sey's, daß es ihm zu viele Mühe machte,oder sonst aus weichem Grunde: Dergleichenwollte er nur selten, und begnügte sich demnach,seine Farben, Schatten und Lichter als Meisterauszuspenden, und gefiel damit so allgemein, daßer die Menge Bestellungen von allen Höfen be-kam, und an denjenigen zu Wien von Kaiser Ru-dolph II. doch vergebens, eingeladen wurde. Unddaß er zu gefallen verdiente, beweist wohl ammeisten der Beyfall, den er wenn schon nichtvon vasari, dafür von seinen größten Kunstge-nossen erhielt; von Tinan , wie wirs bereits ver-nommen; von H. Earracct, den er so sehr zutauschen wußte, daß derselbe ein Buch ab einemvon ihm gemalten Lisch wegnehmen wollte; vonTinrorer, der im Colorit noch von ihm Unterrichtwünschte; und besonders von Caliari, der ihm seinenSohn Carlctto zu unterweisen gab, vorzüglich umvon ihm jene Musterhaftigkeit in Contraposten zu ler-nen, welche, auch nach Algarorri, eben das un-nachahmliche Verdienst von da ponre war.

2/II. 114 120. Fioilllo dann II. 110.führt vörderst ebenfalls allerley Geschichtlichesvon ihm an; wie z. B. daß seine Mitbürger,nicht unerkenntlich gegen die patriotische Anhäng-lichkeit, womit er wiederholte Einladungen insAusland abgelehnt, ihm i 55 i. durch einen Raths-beschluß die Befreyung von allen dinglichen undPersonalsteuern bewilligt hatten Hiernächst wirdauch da bemerkt, welchen Einfluß sein ländlicherAufenthalt auf seinen Kunstgeschmack und dieWahl seiner Gegenstände gewonnen habe; wieseine Frau, seine Kinder, sein Gesinde, seine Haus-thiere und sein Viehstaat ihm gewöhnlich zu Mo-dellen dienen mußten, und wie eben diese Nei-gung ihn so weit verführt habe, daß er oftbey den ehrwürdigsten und heiligsten Darstellun-gen sich nicht enthalten konnte, seine Hennen undKatzen auf die Bühne zu bringen. Dann heißtes: »Wenn verci von vier verschiedenen Ma-nieren unsers Künstlers spreche, so beweise erdurch seine eigne Beschreibung davon, daßder Unterschied derselben nur ein Fortschritt inder Kunst, und keine Veränderung der Maniergewelen sey''. Zwey verschiedene Epochen odervielmehr Stufen in seinem Styl nimmt indessenauch Fiorillo, und zwar dieselben wie Lanzi an.»Die erste" (sagt er) »welche nur kurze Zeitdauerte, war durch eine schöne Verschmelzungder Tinten, und eine große Rundung bezeichnet;dabey voller Liebe, Geist und Verstand. In der

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zweyten bediente er sich einfacher Striche, einesvollen und sichern Pinsels, mit warmen und lich-ten Tinten; diese Manier ist ganz Wahrheit, Na-tur und malerisches Feuer, und noch schöner undvollkvmmner als die erste. Von den Kennzeichenjener ersten Epoche trage sein schon oben erwähn-ter Peter und Paul noch Manches an sich; ebenso einige seiner Werke in der französischen undWiener-Galerie. Daß er seine Gegenstände sohäufig aus dem alten Testamente wählte, dazuluden ihn wohl sehr natürlich die angenehmenGegenden seines Bassano ein, in welche er dieSzenen aus dem Hirtenleben der Erzväter soschicklich verlegen konnte. Für eins seiner schön-sten Werke halt Fiorillo die Reise Jacobs, imPallast des Doge zu Venedig ; und für sein Mei-sterstück dann freylich ebenfalls seine Geburt zuBassano , welches auch seine Landleute so sehranerkannten, daß noch fast ein Jahrhundert nachseinem Tod durch ein Dekret verboten ward, das-selbe jemals von seiner Stelle zu rücken. Mitgewohnter Unbefangenheit und Naivetät dann,heißt es bey Füßli III. 76 76. »Unter allenmir bekannten Malern, die sich in einigen Theilendes historischen Faches vorzüglich ausgezeichnethaben, weiß ich keinen, der eine so wenig lebhaf-te, und so ganz kalte Einbildungskraft, wie Ja-cob Bassano, besessen hat. Seine Erfindungensind in Rücksicht auf historische Deutlichkeit undWahrscheinlichkeit so wenig überlegt, und oft sosinnlos dargestellt, daß manche derselben füglichals Parodien des von ihm gewählten Gegenstan-des betrachtet werden kennen. Eben so sonder,bar sind seine Anordnungen; in den meisten der-selben sind die Figuren so zusammengedrängt, unddergestalt mit Nebensachen (Vieh, Geschirre u. s.w.) umgeben, daß man in manchen Stücken,von allen darin befindlichen menschlichen Figuren,selten einen Fuß zu sehen bekommt. Hingegenwar er einer der glücklichsten Nachahmer derganz gemeinen Natur, wie man sie in einem ru-higen und gemächlichen Stand anf dem Landesieht; für diese nur hatte er hauptsächlich male-risches Gefühl, und wußte sie mit einer bewun-derungswürdigen Wahrheit, und mit einem leich-ten, kühnen und kraftvollen Vortrage darzustellen;seine Figuren zeichnete er richtig so, wie er siein der gemeinen Natur fand; aber fast immerohne sichtbare Gemüthsbewegungen; sie scheinenmeistens unschlüssig zu seyn, was sie thun wol,len; ihre Bewegungen sind trag und schläfrig, sowie die Körper schwer und von kurzer Form.Alle diese Fehler aber werde» bey Betrachtungseines vortrcflichen, der Natur in allen ihren Far-bennüancen sehr nahe kommenden Colorits, undseiner großen Geschicklichkeit in der Behandlungdes Helldunkels, von Kennern gerne beseitigt;aus welchem Gesichtspunkte allein seine Werkebetrachtet werden müssen". Endlich liest man,wahrhaftig auch nicht übel, bey wareler undl'Evesque:Bassano's Aufenthalt in einerkleinen Stadt, die Lage seines Hauses an denUfern der Brenta, die immerwährende Aussichtaufs Feld, sind die Gründe, denen man die Gat-tung zuschreiben muß, welcher er sich überließ.Es ist schwer zu bestimmen, ob seine Bilder mehrins Fach der Geschichte, oder in dasjenige derLandschaft, oder in die Thiermalerey gehören; erhatte sich eine vermischte Gattung geschaffen, beyder es aber, wenn sie Geschichte seyn sollte, nurzu bedauern ist, daß man den Adel derselbendarin nicht findet. Seine Figuren kleidete ergewöhnlich als Landleute, und bemühte sich nie umden Ausdruck. Seiner Zeichnung mangelte Zier-lichkeit und Adel; das Kostüm war immer ver-nachlässigt, die Drapperie von schlechtem Ge-schmack, und die Zusammensetzung bizarr. Sogefiel es ihm z. B- ordentlich, seine Hauptfigu-ren in einen Winkel zu stellen. Seine Reibun-gen waren fast immer dieselben; er wiederholteoft die nämliche Gruppenordnnng, und nahm dieHorizontallinie zu hoch an. Jedoch sein fetter