Band 
Zweyter Theil [2].
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1141
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Porta.

St. Sebastian, der (Dank se»'s den Damen vonFlorenz, die sich daran, wie man aus der Beichteerfuhr, nur allzusehr ergötzten!) späterhin nachFrankreich verkauft wurde (wo es indessenMarterte nicht mehr finden konnte). So, injedem Theil der Kunst wußte er groß zu seyn,sobald er's seyn wollte. Seine Zeichnung warso rein wie möglich; seine jugendlichen Köpfewaren voller und fleischigter als gewöhnlich Ra-phaels seine; ja sie kamen «.wie Algarorrt desmerkt), nach dem Urtheil der Unverständigen, fastder Plumpheit nahe. In seiner Färbung sahman anfangs allzudunkle Schatten, da er sichnämlich dazu der Druckerschwärze und verbrann-ten Elfenbeins bedient haben soll. Aber wieweit er es nachwärts auch im Kolorit brachte,wissen wir, da selbst Raphael darin sein Schülerwurde. Im Farben-Jmpasto und Schmelz durf-te er den bcßten Lombarden kaum weichen. Fürden Faltenwurf war er sogar Erfinder des (nachunserm Sinn zweydeutigen Mittels des) Glieder-manns; aber die seinigen waren nun einmal somannigfaltig, so natürlich, so grandios, den zudeckenden Theilen so angemessen. Staffeleyge-mäldc findet man von ihm außer Florenz wenig,und auch dort dergleichen bald um keinen Preistzu kaufen. Eine seiner Madonnen besaß nochvor wenig Jahren der damalige Maggiordomdes Großherzogs in seiner auserlesenen Samm-lung, welche eine neue Tribune im Kleinen dar-stellte. Dann besitzen die Vater von St. Marcoderen mehrere in ihrer Hauskapelle; neben An-derm einen St. Vincenz, der, nach Bortari'sUrtheil, so schön wie ein Titian oder Giorgionecolorirt ist. Aber sein Deßtes und Seltenstes be-saß der Großhcrzog selbst in seiner Galerie, Bar-tholome's letzte Arbeit: Eine große Tafel (Car-ton?) Grau in Grau (Madonna mit den Stadt-heiligen), welche in ch,/. der damalige Gon-faloniere Soderini für den öffentlichen Rathssaalbestellt hatte, und alsdann bey des Künstlers ingleichem Jahr erfolgten Tod unvollendet blieb,aber, auch so wie sie ist, für einen ganzen Künst-lerspiegel gehalten wird. Ueberhaupt war esdieses Meisters Weise, zuerst das Nackte einerFigur in bloße Zeichnung zu bringen, alsdannein zweytes Studium, Grau in Grau in Del zuverfertigen, und erst in diesem jene herrlichenLicht- und Schattenpartien aufzutragen, welcheeigentlich das große Verdienst und die Seele sei-ner Werke ausmachten. Diese Vorbereitungenwaren in der Malerey für ihn, was die Modelleder alten Bildhauer für ihre Arbeite», denenN?inkelinaiin, in Absicht auf Geist und Zeich-nung, einen noch höher» Werth als ihrem voll-endeten Marmor beylegt, /.a-rsr l. rZZ Z?.FioriUo's Nachrichten von unserm Künstler, undsein Urtheil über ihn (>. roä. ZiZ. u. ff.) sindungefähr mit Lanzi's seinen dieselben. In Be-treff der erster» glaubt er, daß von Jugend aufein religiöser Hang Laccio's sanftes, furchtsa-mes Gemüth beherrscht, und daß nicht Savana-rolas Tod, sondern vielmehr die asketische Oenk-und Empfindungsweise desselben auf seinen, vonallen seinen übrigen Freunden misbilligten Entschluß,den Mönchsstand zu ergreifen, nicht wenig moch-te gewirkt haben. In Absicht auf die ihm zu-geschriebene Erfindung des Gliedermanns heißtes hier (ebenfalls begründet): vasari (der denMannequin von Barrholorneo, schon von Holz-würmern zerfressen, als eine große Seltenheitaufbehielt) sage nicht, daß dieser der Erfindergewesen, sondern nur, daß er ein Modell vonnatürlicher Größe verfertigen ließ, um es mitGewändern und Rüstungen zu bekleiden. Dererste, bloß gezeichnete, Entwurf der oben erwähn-ten Madonna mit den Stadtheiligen (sagt Fio-riUo) finde sich ebenfalls noch in der Samm-lung von Handzeichnungen der Galerie von Flo-renz Großheit will er übrigens in seinem Stylnicht finden, dagegen aber desto mehr Grazievon Raphaelischer Art. Im Kolorit sey er ganz

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von dem Charakter der Florentinischen Schule(del Sarto ausgenommen), abgegangen, undscheine vielmehr die der Venetianischen und Lom-bardischen eigene Verschmelzung sich zum Ziel ge-setzt zu haben; besonders aber habe er die Kunstbesessen, einen gewissen Duft über seine Figurenzu verbreiten, der sie hervortreten (?) machte,und ihnen den Schein des Lebens gab. DasBeßre von ihm besitzen die Großherzogliche Gale-rie, und dann verschiedene Dominikaner -Klösterin Toscana. ^füsili hiernächst (1. ,6.) urtheiltvon ihm kurz, wie folgt: »Durch das Studiumder Werke des Leonardo da Vinci erwarb ersich eine» hohen und cdeln Styl in der Zeich-nung und eine »»gemeine Genauigkeit in derAusführung. Im Kolorit übertraf er alle seineVorgänger und Zeitgenossen. Das Charakteristi-sche seiner Figuren ist Ernst und Würde. SeineKleidungen sind mit Geschmack und Wahl ge-worfen ; die Erfindung seiner Gemälde ist bedeu-tend, und die Anordnung derselben auf eine gro-ße Wirkung des Lichtes und Schattens angetra-gen. Seine nachherige Bekanntschaft mit Z^a-phael und dessen Werken hat Vieles zur Vervoll-kommnung dieser großen Kunsteigenschaften inseinen spätern Gemälden beygetragen". Nochumständlicher als Zftorillo dehnt sich LHareler(allerdings am Genauesten der Geschichte gemäß)über die Skandesveränderung unsers Künstlersaus.Betroffen" (lesen wir da),von den stren-gen Predigten des Savanarola mächtig ergriffen,benutzte er einen Karnaval, wo die FlorenrinischeJugend auf öffentlichem Platze bey einem Freu-denfeuer ranzte, um alle seine Gemälde und Zeich-nungen, welche einige Blöße enthielten, auf denScheiterhaufen zu werfen. Dann befand er sicheben in dem Kloster der Dominikaner , als manseinen verehrten Freund gefangen zu nehmenkam, sah' und hörte den Streit, den die Mönchemit den Häschern hatten, und that von Schre-cken ergriffen das Gelübd, in ihren Orden zutreten, wenn er ähnlicher Gefahr cntgicngc". Injenen vier Jahren, seitdem er ins Kloster ging,bis Raphael nach Florenz kam, und ihn derKunst wieder gab soll er denn doch etliche Bild-nisse seiner Ordensbrüder verfertigt haben. InRom habe eigentlich ein al Fresco, Molches dasjüngste Gericht darstellte, seinen dortigen Ruhmzuerst begründet. Von seiner späkhern Kunst dannheißt es hier z. H.:In Rücksicht auf seinebekleideten Figuren wurde er mit Raphael ver-glichen, in den nackenden bloß mit ihm selbst".Dann:Er entdeckte zuerst, daß auf einem er-höhten Theile weder stark auffallende Falten nochschneidende Schatten erscheinen dürfen, und er-fand jene ächte Manier zu bekleiden, und dasvom Gewand bedeckte Nackte durchfühlen zulassen; Mengs glaubt, er sey es gewesen, vondem selbst Raphael diese Kunst gelernt habe".Sein Kolorit dann wird hier kräftig (nicht rnun,rer, wie Heydenreich vi^ourvux giebt ge-nannt. Das ehemalige königl. französischeKabinet besaß von ihm ein einziges kleines Bild(eine Verkündigung) von acht Figuren, wovondie (nicht, wie H. sagt, der) Heilige im Vor-grund ganz in Raphaels Manier gemalt sey.Die Galerie zu LOieir eine Madonna mit demKinde (Halbfigur Lebensgröße), und die Söh-ne Jacobs, welche ihre Schwester, Dina, be-freien (dies gemeinschaftlich mit Jul. Dugiar-dini gemalt) in drittel lebensgroßen Figuren.Die Galerie zu München ebenfalls eine Ma-donna mit dem Kinde. In der Beschreibungdieser Galerie sagt Männlich von unserm Künst-ler, neben Anderm sehr gut:Alles, was erunternahm, war vorher wohl überdacht, unddurch Versuche, durch Zeichnungen nach der Na-tur und eine genaue Rechenschaft, die er sichüber Alles gab, zur höchst möglichen Vollkom-menheit sorgfältig zubereitet. Bey der Ausfüh-rung waren alle Zweite! »nd Ungewißheiten weg-geräumt, und er überließ sich dann erst seinem