Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1147
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Potter.

stand, seine kräftigen Vorgründe, zumal in ein umso viel helleres Licht zu seyen. Niemand hat bes-ser bewiesen, wie Er, dast man sehr interessanteGemälde mit wenigen Figuren liefern kann. Oftist es nur ein kleiner Rasenplatz mit einem Schaaf,einigen Feldblumen, einer Staude und einem fastwolkenlosen Himmel, aus welchen er ein aller-liebstes Bild zusammensetzt, welches Augen undGemüth bezaubert und für den Besitzer unzähl-bar ist. In jeder Rücksicht kann man demnachdiesem in seiner Gattung vollkommenen Künstlernicht anders als das höchste Lob ertheilen, daderselbe nicht allein unter die Zahl der größtenMaler, sondern selbst unter diejenigen nützlichenLehrer der Menschheit zu zählen ist , welche ihrnur nützliches Vergnügen gewähren, indem sie ihrjenen reinen Geschmack am Leben schuldloser Hirtenbeybringen". In Deutschland besitzen von ihm:Die Galerie zu Wien die braune Kuh; München einen Kuhkopf in Lebensgröße und eine Landschaftmit Figuren und Viehstück siaffirt; Dresden eineJagd im Wald, zur Seite weidendes Vieh; Pom-mersftlden zwey Landschaften mit Vieh, diese ge-meinschaftlich mit einem (wahrscheinlich Esajas?)van der velde; Hessen-Kassel ehmals (jetzt Paris )die berühmte pissende Kuh *). Dann" (heißt esbey Barrsch I. 3 g-Ho.)kennt man von ihm,8. Bl. welche die Lust aller ächten Liebhaber aus-machen. Bedenkt man, daß er nur achtzehn Jahrezahlte, als er seinen Küher, und neunzehn, als erseinen Hirten ätzte, so erstaunt man über das ausserordentliche Genie dieses Meisters, und begreiftkaum, wie er Arbeiten liefern konnte, die demgeistvollsten und zugleich geübtesten Künstler zu-gleich Ehre bringen würden: Vollkommene Rich-tigkeit der Zeichnung, auffallende Wahrheit imCharakter seiner Thiere, großes Verständniß inder Composition, glückliche Effekte des Helldun-kels , mit einer sichern und markigten Nadel ver-einigt Alles trägt dazu bey, seine Blätter inden Rang wahrer Kunstmeisterstücke zu erheben.Die Haut seiner Kühe und Pferde bezeichnete ermit kurzen Strichen , die er bloß in breiten Schat-ten um etwas verlängerte und damit einen bewun-dernswürdigen Ausdruck der Haare erzielte. SeineNadel war von großer Nettigkeit und sehr engegehalten, so daß man den Grabstichel fast ganznicht bemerkte womit er sein Geätztes zu überarbei-ten pflegte. Auch die kleinen Hintergründe in sei-nen Thierfolgcn sind mit Geschmack und Leichtig-keit behandelt, und die Pflanzen auf den Vor-gründen des Kühers, und des Blatts Zabucaiarubrizirt, zeigen eine Praktik im Etzen, wie mansie nur selten in dergleichen von Malern selbst ra-dirten Arbeiten antrift". Hierauf folgt das Ver-zeichniß und die genaueste Beschreibung von 18. Blät-tern, den einzigen, welche wirklich Porters Ar-beit sind, und nämlich in einer Folge von achtenmit Stieren und Kühen, in einer andern von fünrfen mit Pferden, endlich in fünf einzelnen: Demschon erwähnten Küher, Hirten und Zabucaia, einerbey einem Baum gelagerten Kuh', und einem Kuh-kopf der über einem Haag hervorragt besteht. Bey jedem wird, nach H. Barrsch's löblicher Weise,Alles angegeben, was seinen besondern Charakter,Kunstwerth, Seltenheit und unzweydeutiges Distink-tiv vor allfälligen Copien bezeichnet. Hierauffolgt noch die Anzeige eines Hefts (wieder 8. Bl.)von Ochsen und Kühen, welche wohl nach denZeichnungen unsers Künstlers geatzt, aber, nachder ganzen Manier zu urtheilen, nicht seine, son-dern höchst wahrscheinlich Johann visschers Ar-beit seyn sollen. Es sind: Der gefleckte Stier,die Melchkuh, die am Haag liegende Kuh, derStier am Baumstämme, der Stier am drey Bret-terhaag, die im hohen Gras aufrechtstehcnde und

Pottier. n47

die beym Baum liegende Kuh, und endlich dasjunge Rind. Von porrer's Blättern sind meh-rere , die beyden schon angeführten ältesten miti 6 H 3 . und HH. die spätesten mit 16)2. datirt.Gestochen dann nach ihm haben: I. P. le Bas,Bartolozzi , M. de Bye, Cotwyck?A. F. David,N. Dunker, M. G.Eichler, G. C. Hees, Masque-lier, W. Vaillant, Disscher, F. Vivarcs und C. Weis-brod, von welchen der Katalog von LVmkler be-sonders zwey von Masquelier und Weiöbrod ge-atzte und von le Bas mit dem Grabstichel vollen-dete Landschaften mit Vieh, zart gearbeitete Blät-ter nennt; so wie bey Brandes der: Hmantäs la helle Lurops, ebenfalls von Masquelierein schönes, die Kuh mit zwey Kalbern, von Vaillantgeschabt, ein seltenes, und die reisenden Bauern,von Bartolozzi und Vivares gemeinschaftlich gear-beitet, ei» schönes und seltenes Blatt nennt. Ueber70. dann, in mchrern Folgen von acht bis sechs-zehn Blättern, von Hornvieh und Ziegen, dannaber auch von Löwen , Leoparden, Bären und Wöl-fen (die sonst wahrlich nicht unsers porrer's Thun waren) von M. de Bye sind uns von eigener An-sicht unbekannt, werden aber von Rost VI. 83 .als mit geistreicher Nadel geätzt (wir fürchten fast,über Verdienen) gerühmt. In den neuesten Tagensah man nach ihm z. B. um 1806. den weißenOchsen, von A. Radtl in Prestlischer Manier,ein 3 o" hohes und 20" breites trefliches Blatt,das (heißt es in Mensel'« Arch. III. 1. 2H.)mit aller Richtigkeit der Zeichnung das brillan-teste Helldunkel vereinigt und braun abgedruckt,ii. fl., colorirt aber das Doppelte kostete; undum dieselbe Zeit den berühmten jungen Stier vonA. Liernur zu Amsterdam , ebenfalls gut gezeichnetund theils (besser) braun, theils ausgemalt gelie-fert. S. I. c. 21 5 . Dann für's XXVII l. Heftdes Musee Napoleon : he pscca^e, von H. Lau«rent geätzt und von P. Laurent vollendet, und imXHVI. koeuss pres 6'une chaumiöre, wiedervon des letzter» Arbeit, beyde nach Swebacs Zeich-nung. Weiter, wahrscheinlicy ebendieselben, un-ter dem Namen: ^nimaux (denn in der That,hier sind auch Schweine) präs 6'une chaurniere,und: he patursße, im Kleinen bey Landonet 1 'abl. 6e Oenre I. rZ. u. 3 H. UndEbendas. II. 17. zwey Pferde. In 1802. wur-den von dem Maler und Kupferstecher Vauthierzu Paris vier Blätter nach den schönsten Gemäldenvon porrer in Kreidenmanier angekündigt- Dannsinden sich in der Suite 6e 'höres 6'^nimaux vonRoger gezeichnet, und von le Fevre - Marchandgestochen, nach ihm einOcbsen- Kuh? und Schaafs-kopf, alle drey wieder aus den vorgenannten undandern Bildern des Museums entlehnt. DasMeuselsche Arch. II. 3 . 186. (1807.) nenntauch seinen jungen Stier in Paris , daß solchernämlich dort (von wem?) 27" breit und 2H" hochgestochen, und schwarz für 2H. deutsche, bunt aberfür 2i. (?) holländische Gulden verkauft worden.

* porrer (Peter), Pauls Vater, dessen imkex. nur ganz kürzlich unter dem Art. seines Sohnsgedacht wird. Dort und überall wird er ein mit-telmäßiger Künstler genannt. Merkwürdig ist esdaher doch immer, daß P. Nolpe nach ihm meh-rere trefliche (seltene) Blätter gestochen hat, dieschon oben s. v. VIolpe verzeichnet sind, und de-nen wir hier noch beyfügen: Elias, von deu Ra-ben genährt, und: ^kbeelckin^ van het puvck.6er Dur^er-Ruzrter 6oor laste 6er HeerenLnr^ermeesteren verzuckert om 6e Xonin^in-nen van (irootbritanie, f/rnr/rta op

6en 20. Na)? in 6en )are 16^2. ^rnsterckambesockencke etc. mit Benennung aller Personen,drey große Blätter, die zusammengehören. MuL/er.

«) Ob es wahr ist, daß dieß herrliche Bild seinen noch so verdienten Ruhm anfänglich dem außerwesentlichen Um-stände schuldig ist, daß ein Hvsmann der verwüribtcn Gräfin Emilia von Salms, die es bev dem Künstler(um es über ein Eamin zu setze») bestellt hatte, zu Gemüth führte, wie unanständig es für eine Prinzessinsey, einen derlei) Gegenstand stets vor Augen ru haben! Woraus es der Künstler zurücknehmen mußte, undnun alle reichen Liebhaber in Holland sich um so viel eifriger darum stritte». Einer (cb der erste?) war JacobLanhock, der es für auuo. fl. 'kaufte.

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