nzc> Poussin.
durft — sogar mit einem Faß alten Weins ver-sehen, anwies) wurden ihm, in einem blausammt-nen Beutel 2000. Thaler in neu gemünztem Gol-de, i»oo. andre als Vorausbezahlung seineskünftigen Jahrgelds, und noch 1000. für seineReisekosten, überreicht. „Wahr ist's" (setzt pou-ßin in seiner eignen Nachricht hievon an denCommandeur del Pozzo, Bruder des Cavalicrs,hinzu), „daß man in diesem Lande, wo allesaußerordentlich theuer ist, das Geld sehr nöthighat". Im folgenden Jahr erhielt er eine andreeben so schöne Wohnung mitten im Garten derTuilerien. Jtzt waren seine ersten Arbeiten Car-tons für die Lapezereien der köniql. Zimmer (Ge-schichten des alten Testaments), die sich unglück-licher Weise— kein Mensch weiß wohin — verirrthaben. Diesen folgten sein Moses im feurigen.Busche, ein Abendmahl für die Kapelle desSchlosses St. Germain, ein St. Franz Taver inJapan für das Noviziat der Jesuiten , und dieArbeiten des Hercules für die Galerie des Lou-vre. Bisweilen mußte er sich gar gefallen lassen,allerley unbedeutendes Zeug von Ornamenten fürKabinette, Kamine und auf Bücherdeckel zu ma-len, oder Titelblätter für einen Virgil und Horaz ,und (1642.) für eine Bibel zu zeichnen, die inder königl. Druckerey erschienen war: „Als hät-ten sie", sagt er in einem seiner Briefe (Setterspittoricke I. 288.) „wie sie mich riefen, keinenbestimmten Zweck gehabt, und nicht gewußt, wo-zu sie mich eigentlich brauchen könnten". Baldaber fingen Neid und Cabale gegen ihn zu wü-then an. Diese Furien hatten vornehmlich Vouet,dann jenen Windbeutel Fouquier (der durchausvon den deutschen — Fuggers abstammen, und inder Galerie der Tuilerien , vor Allem aus, seineHauptstädte Frankreichs aufstellen wollte), undendlich den Baumeister le Mercier wider ihn auf-geregt, als nämlich ^oußin es nicht duldenwollte, daß die erwähnte Galerie durch denschlechten Geschmack des letzter,, verunziert wer-den sollte, und er zumal diesen Herren sämmtlichvorwarf: Daß sie elenden Gewinn höher alsKünstlerehre achteten. Damals verfertigte er seinberühmtes Bild der Wahrheit, welche auf denArmen der Zeit endlich siegreich emporsteigt Hier-auf verlangte er, unter dem Dorwand, seine Frauabzuholen, einen Urlaub welchen er erhielt, undging dann, noch im Herbst 1642. in sein geliebtesRom zurück, wohl fest entschlossen, es nie mehrzu verlassen. Freylich wollte man ihn bald nach-her wieder zu Paris haben; allein er machte, mitVorsatz, allerley Bedinge die man nicht anneh-men konnte. Jtzt im vollen Genuß seiner Unab-hängigkeit, nach welcher er so lange seufzte, finger für seinen Freund del Pozzo die sieben Sa-kramente — jene würdigsten Denkmäler an, dieman jemals der geoffenbarten Religion errichtetHot. „Nie" (heißt es bey G. d. Sr. G. etwas— Helldunkel!) wurden die unerforschlichen undtröstlichen Geheimnisse der Gottheit aus eine rüh-rendere, feyerlichere und sich im Schönen undErhabenen mehr erhaltende Weise, geehret alshier. Zu ihren Preiße schien unser Künstler dietiefste und gesammeltste Begeisterung von demHimmel selbst empfangen zu haben". Seineganze Lebensweise war nunmehr ein Bild derguten Vorwelt. Die Gesellschaft suchte er nicht;aber er ließ sich finden, eine Stunde des Mor-gens, eine andre des Abends, meist auf der Es-planade von Lrinita de Monti, wo auch seinHaus stand. Seine Philosophie hatte übrigensnichts Wildes oder Anmaaßliches, und erwiessich wohl am unzweydeutigsien durch seine Unei-gennützigkeit Auf die Kehrseite seiner Arbeitenschrieb er jedesmal den Preiß, und niemals hatwohl jemand darüber mit ihm gemarktet. Thatman ein Mehreres hinzu, so (hört. hört! — Wir
Poussin.
fürchten nein!) sandte er es dem Besteller zu-rück. So z. B. ho Th- von 100, die man ihmfür seinen St. Paul in der Entzückung bezahlthatte. Auch wurde Mehreres von ihm, wofürer 60. Th- gefordert, wenige Jahre nachher fürlooo. verkauft. Er hatte eine Römerin, dieSchwester des Gasparo Dughet, geheurathet —aus Dankbarkeit für ihre zarte Besorgung ineiner schweren Krankheit, und lebte mit ihr inder vergnügtesten, doch kinderlosen Ehe. In seinArbeitszimmer kam man selten; und bekanntlichwollte er keine Schüler haben — dies einzig ausLiebe zur Unabhängigkeit und derjenigen edelnRuhe, die zu unsterblichen Werken in Wissen-schaft und Kunst so nöthig ist; also gewiß nichtaus Eifersucht, wie er solches an dem jungen leBrun erwies, als er sich kindlich freute, da maneinen Horatius Cocles dieses letzkern für seineeigene Arbeit hielt. Eben auch aus Liebe zurRuhe hielt er sich keinen Bedienten, und antwor-tete einem Prälaten, dem er eines Abends selbstdie Stiege hinunter bis zum Wagen leuchtete,und der ihn bedauerte, daß er keinen Domestikhabe: „Monseigneur! Ich bedaure Sie nochweit mehr, daß Sie deren so viele haben".Dergleichen gutgeprägte Sentenzen hörte manmehrmals von ihm: «Mein Herr!" lsagte ereines Tags zu einem vornehmen Dilettanten,der ihm ein Bild von eigner Arbeit wies): „Ih-nen mangelt nichts, um ein geschickter Maler zuwerden, als — ein wenig arm zu seyn". Zueiner Zeit, wo paralytische Anfalle allmalig seinGrab höhlten und seine physischen Kräfte schonzu schwinden anfingen, sein Geist hingegen nurmit hellerer Flamme brannte, entwarf er nochmit zitternder Hand die Unermeßlichkeit der schö-pfenden Kraft, unter dem Emblem der vierJahrszeiten. Und von seiner Samaritanerinschrieb er an seinen Freund, den H. von Chan-telou: „Dies ist mein letztes Werk; ich berühremein Ziel schon mit der Fingerspitze". Und wievortreflich er sich noch kurz vor seinem End' aus-zudrücken wußte, muß man bey G. d. St. G.seine zwey Briefe an Felibien und den H. vonEbambray lesen, dem er über seine: ?srf«iteIllöe öe la Ueinture das schöne Lob ertheilt:Er sey unter allen Franzosen der erste, der überdie Kunst denjenigen die Augen geöffnet habe,welche bisher nur durch fremde Augen gesehen,und sich durch das Ansetzn gemeiner Meinungirreführen ließen. Sein am ,9. Nov. , 665 . er-folgte Tod erweckte zu Rom allgemeine Trauer.Die große Anzahl seiner Freunde begleiteten seineLeiche unter bittern Thränen nach der Kirche St.Laurenz in Lucina, wo seine Asche (seinem eig-nen letzten Willen gemäß), in einem einfachenGrabmal ruht. Bellori (Vit. p. 44 »-) entwirftsein Bild, wie folgt: „Er war von großer, wohlproportionirter Figur und kräftigen Tempera-mentes; sein Gesicht von bräunlicher Farbe, dieHaare schwarz, von dem Alter größtenthcils ge-bleicht; die Nase spitze, und die Stirne breit,was ihm alles zusammen ein edles und zugleichbescheidenes Aussehen gab". So weit Gaulrde St. Gernrarn*). Noch an einem andernOrte: l'rois Hiöcles lle In peinture enkrancsv. 26 ) bemerkt eben dieser Schriftsteller sinnreichüber ihn: Er sey der einzige Künstler unter denNeuern, der uns einen richtigen Begriff von derMalerey der Alken geben konnte.
Und nun hören wir noch die Urtheile von einPaar andern seiner geistreichen Landleute, undendlich das nüchterne von zwey kenntnißvolle»Deutschen über ihn an. Zuerst wareler. Ueberunsers Künstlers erste Studien in Rom bemerkter: „Ooußin scizzirte Alles, was ihm unter Au-gen fiel, und früher oder späther bey seinen Ar-beiten dienen konnte: Bäume, Anhöhen, Licht-
r-) Irgendwo (lournal Neu Mtimen; civils dlo. 148. p. 19Y.) heißt es: „Daß poussin in einer der Armuthnahen Lage gestorben sev"; und doch sagt uns Felibien (U. zkg-) ausdrücklich, daß er 50,000. Fr. hinterließ,(was wahrhaftig für einen Künstler im XVil. Jahrh- kein Geringes war) , und wie er darüber testamentirkhabe. Denn das wird doch kein Beweis von Dürftigkeit seyn sollen, daß er ohne Ceremonie begraben ftn» wollte?