Poussin.
werden, als aus Ueberzeugung seiner wahren Ver-dienste". — Unter den Bildern, welche er für denCommandeur del Pozzo malte, nennt /ioriUo nochbesonders seinen Johannes der in der Wüste tauft,sich gegenwärtig in dem Nationalmuseum zu Paris befindet, und den Zuschauer wegen der vollkom-menen Zeichnung und meisterhaften Compositionzur Bewunderung hinreißt. — Bey Erzählung sei-nes Todes wird bemerkt: Daß erst noch im 1 .1782.der berühmte, für die Kunstgeschichte des Mittel-alters so thätige Graf d'Agincourt diesem seinemberühmten Landsmann, aus eigene Kosten, imPantheon zu Rom , ein Denkmal, in der Nahederjenigen von Raphael und Carraccio errichtenließ, welches sein Brustbild mit der einfachen Jnnrschrift darstellt: )Vrc. ?Ictori Oallo
)oan. Uspt. l^uö. (iiov. üeroux ö'^xincourt.
M l)LLs.XXXll.—Nun folgt auch hier seine Kunst-charakteristik, welche indessen, nach allem oben An-geführten, nichts weiter Eigenes hat, als die,wohl nicht unbegründete Bemerkung: „Er liebtegern Episoden; und wiewohl sie mit dem Haupt-moment stets in einer genauen Beziehung stehn,und, an sich betrachtet, vorlreflich sind, so störensie doch nicht nur die Einheit des Ganzen, son-dern ziehen auch oft den Blick des Beobachtersvon der eigentlichen Scene ab" ; was schon frü-heren Mengs nicht bloß eben so gefunden, sondernseinem Befinden noch daS uns unbegreiflich grelleallgemeine Verwerfungsurtheil über unsern Künst-ler beyfügte: „Im Ganzen vernachläßigte pous-fin die Hauptsachen und richtete seine Aufmerk,samkeit mehr auf die Episoden, welche auch dasEinzige sind, was man an seinen Werken bewun-dern mag.- Es mangelte ihm an dem hohen Jdeen-reichthum von Raphael; er affektirte Gelehrsam-keit und scheint einige seiner Bilder bloß in derAbsicht verfertigt zu haben, um mit demjenigen,was er entweder gesehen oder in den Alten gelesenhatte, zu glänzen". (Andcrwerts kann er ihm diegroße Kraft des Ausdrucks denn doch nicht versa-gen). Und wie überhaupt jenes Urtheil z B-auf diesieben Sakramente und so manche andere seinerWerkepasse, sind wir einzusehen durchaus unvermögend.Ueber ihn, als Landschaftsmaler, führt eineStelle aus Passers (S 353 .) an: „Er war"(heißt es dort) „auch in dieser Gattung einzigund neu, besonders weil er so natürlich, wahr undtäuschend Baumstämme mit ihrer Rinde und Hö-ckern durch eine geschickte und bewundernswürdigeMischung der Tinten abzubilden pflegte; auch (nachTitian und Giorgione ) der erste, der mit so rich-tigem Gefühl zu Werke ging, daß er selbst in denBlattern die mannigfaltigen Gattungen der Bäu-me, denen sie angehören, ausdrückte". Daß Pas-sers hier poussins noch weit wesentlicherer Ver-dienste um die Landschaftsgattung keine Erwäh-nung thut, versteht sich von selbst. Noch bemerktFiorsUo l. c. i 5 o. „Er pflegte gern seine Bildermit einem Commentar, zum bessern Verständnißderselben, zu begleiten. So schrieb er z. B. überseinen Mannaregen an). Stella: „Ich habe gewissenatürliche Stellungen und eine Anordnung ausge-dacht, welche in dem jüdischen Volke das Unglückund den Hunger, woran es gelitten, zugleich aberauch dessen Freude und Jubel, die Bewunderung,welche sich seiner bemächtigt, und endlich die Ach-tung und Ehrfurcht gegen seinen Gesetzgeber aus-drücken. Diese Gruppen von Weibern, Kindernund Männern, von verschiedenem Alter und mitmannigfaltigen Leidenschaften, werden, wie ichglaube, denjenigen nicht mißfaller, welche sie ver-stehen können". Mit großer Strenge dann heißtes von unserm Künstler in der Schrift: Winkel-mann und sein Jahrhundert (S. 176—77.):„Der reformirte, oder, wenn man will, der mo-derne Kunstgeschmack, von den Carracci und ihrenSchülern gegründet, war nun herrschend gewor-den. Die Werke derselben galten in Rom fastausschließlich als Muster; da erwarb sich lZico-laus poussin den Ruhm eines vortrefiichen Künst-lers , wiewohl seine Gemälde die zu selbiger Zeit
beliebtesten Eigenschaften, glänzendes Cslorit,freyen Pinsel und kräftige Wirkung in keinem aus-gezeichneten Maaße enthalten; emsiges Studiumnach den Antiken verschaffte ihm dagegen eineneigenthümlichen reinen Geschmack; nur ist er dabeydem Trockenen, Steifen nicht immer glücklich ent-gangen. poussin gilt für einen der beßten (Kom-ponisten, und wirklich sind seine meisten Gemäldeverständig erfunden; auch wird man bey ihm dieAnordnung nicht leicht vcrnachläßigt, zuweilensogar musterhaft finden. Vornehmlich versteht er,die Gründe schön anzulegen, einfach, bedeutend,mit edler Architektur geziert. Zum Heroischen,und, wie Mengs schon bemerkt hat, zum Idea-len vorzüglich geneigt, wollte ihm das Naive,das menschlich zum Menschen Dringende, seltengelingen; auch wo es gilt der Natur unmittelbaretwas abzulauschen, schöne Wahrheit und Leben.aufder Leinewand festzuhalten, darin hat unser Künst-ler weder den von ihm so verehrten Dominichino,noch den Guido, noch den Guercino je erreicht.Ja nicht allein in dem, was wir, in der engernBedeutung, glückliches Nachahmen schöner Naturnennen, ist er in Dergleichung mit jenen zurück-geblieben; selbst naive Motive, welche ihm ganzeigen gehören, sind in seinen Werken nur sparsamanzutreffen: Denn in dem berühmten Gemälde vonder Pest bey den Philistern zum Beyspiel, ist dietodt liegende Frau mit den Kindern, von denendas eine noch lebende an ihrer Brust zu trinkensucht, ein Mann aber mit zugehaltener Nase esmitleidig hindern will, aus dem bekannten Mor-betko von Raphael entlehnt. Der eben so berühmteKindermord im Pattast Giustiniani erregt wenigerRührung als Schauder über die Unmenschlichkeitdes Soldaten, welcher dem schwachen Säuglingauf den Hals tritt und noch mit dem Degen überihn ausholt. Dem ungeachtet bleibt poussin einerder großen Meister in der Kunst, und besonderseiner der vorzüglichsten seiner Zeit". Und vol-lends (S. 218.) : „poussins Kunst war mehrzum Idealen geneigt als keines andern seiner Zeit-genossen. Es gelang ihm in seinen Werken ziem,lich, den Geschmack der Antiken zu treffen; d isie haben ein gewisses Ansetzn von Ernst und Zier-lierlichkeit und Wahl, welches an den Zustandder alten Zeiten sowohl als an die Kunst des Al-terthums erinnert, odichon man übrigens wederausgezeichnete Schönheit der Formen, noch erha-bene Charaktere bey ihm findet, selbst da, wo erabsichtlich antike Statüen nachgeahmt bat". Dannfteylich, wohl sehr begründet (S. i8Z.): „Demeigentlichen heroischen Styl in der Landschastmale-rey ist, wie wir glauben, ^licolaus Poussin näher als kein anderer gekommen. Die Situa-tionen , Gebäude rc. Alles ist der Idee von denheroischen Zeiten des Alterthums angemessen, Al-les trägt in seinen Landschaften zur Einheit desvon keinen fremdartigen Theilen unterbrochenengroßen Charakters bey ". Auch der Italiener Lanzil. 607-10. sagt manch Trefliches über poussin;wie z. B- „Derselbe hat uns durch sein Beyspielgezeigt, wie ein Künstler sich betragen muß, wenner in Rom Malerey studiren will Ihm gaben dieUeberrestc des Alterthums Lehren, die ihm keinMeister ertheilen konnte". „So schöpfte er z. B.aus dem antiken Gemälde der AldobrandinischenHochzeit und aus den Basreliefs seinen Unterrichtin der Composition, in geschickten Conrraposten,in angemessenen Stellungen und jener Sparsam-keit der handelnden Personen, die er aufs Strengstebeobachtete, und zu sagen pflegte: Eine halbe Fi-gur zu viel könne ein ganzes Bild verderben",„da Vinci folgte er in der Theorie und warsein Nebenbuhler in der Ausführung". „Daß erim Colorit, anfangs wenigstens, Titian zum Mu-ster nahm, zeigt sein schönes Kindergrupp, das sicheinst in der Villa Ludovisi befand und letzt in Ma drid steht". „Raphael war sein Muster im Aus-druck, und in der großen Kunst, »och mehr fassenund empfinden zu lassen, als das bloße Aug siehet.Ja er trieb den Geschmack, mit dem Pinsel Weis-
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