Band 
Zweyter Theil [2].
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1173
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Plrocacciiii.

erstem knicht als vollkommen richtig ansehen, noches überhaupt mit dem zweyten in Vergleichungstellen, so wird man dennoch die Kraft der Phan-tasie und die furchtbare Größe, womit es aus-geführt worden, bewundern müßen". Von seinenWerken in Mailand werden hier vorzüglich die imBaarfüßer-Kloster di St. Angelo und in der KircheSt. Nazarus genannt. Die Reise nach Nom hatteer mit dem mailändischen Grafen Pietro Viscontigemacht. Er starb, mit Ehrenbezeugungen über-häuft, bekanntlich in hohem Alter... Minder Vor-theilhaft spricht von ihm Füßli III. non. woes von ihm heißt: »Dieser Maler fing wiederan, das Studium der Natur zu vernachläßigenund sich seiner Einbildungskraft fast ganz zu über-lassen, die zwar reich an Ideen, aber auch nuran solchen war, die aus der Betrachtung der ge-meinen alltäglichen Natur entspringen können;daher findet man wenig Erhabenes und Tiefsin-niges , mehr aber Sonderbares in seinen Erfin-dungen; wenig Charakteristisches in seinem Aus-drucke, wenig Schönheit und Würde in seinen Kö-pfen, und wenig Edles in seiner Zeichnung; hinge-gen viel Geschmack und Anmuth in seinen Compositio-nen und Gruppierungen, viel Großes in seinen For-men, viel Geschicklichkeit in Anwendung des Lich-tes und Helldunkels. Endlich harte er eine zwar nichtganz wahre, aber stark wirkende und angenehmeFärbung, verbunden mit einer markigten, kühnenund leichten Behandlung des Pinsels". Hieraufführt Füfil» (l. o. m -so.)etliche (auch unten vor-kommende) theils von ihm selbst geätzte, theils nachihm gestochene Blätter an, und beurtheilt die darinenthaltenen Vorstellungen mit gerechter Wahrheit.In deutschen Galerien befinden sich von ibm: ZuMünchen eine H. Familie in über lebensgroßenFiguren; zu Salzrhalum eine.St. Ursula alsMärtyrerin, Halbfigur in Lebensgröße; in Düs­ seldorf ehemals eine oder gar zwey H. Familien,von Mannlich's und Hagedorns Urtheile überdiesen Künstler, in ihren raisonnirten Katalogender Kunstschätze zu München und Dresden verdie-nen, selbst nach den schon angeführten, ebenfallsnachgelesen zu werden. Nach dem Erstern wett-eiferte er zu Bologna lange mit Sabbatini, Fon-tana, und dann eben mit den Carracci , und be-gab sich bloß, weil er letztere nicht übertreffenkonnte, mit Vater und Brüdern nach Mailand .Auch bey den großen Fortschritten, die er später-hin zu Rom machte, behielt er immer etwas Masnirirtes bey, weil er sich zu oft auf seine großeFertigkeit verließ, die Natur nicht hinlänglich zuRathe zog, und mit breitem großem Styl aus derFaust arbeitete. Hagedorn dann giebt ihm, wieFiorillo, Schuld: Er habe z. B. das Ebenmaaßder Glieder öfters so wenig beobachtet, daß nichtbloß Arme und Beine gegen den übrigen Körper,sondern auch ganze Figuren gegen die andern zugroß gewesen; indessen s> oft er wollte, konnteer's weit anders und besser machen. Das Fran-zösische Museum besitzt von ihm einzig: Eine Ma-donna auf dem Throne, das Kind in den Armen;neben und vor ihr St. Georg und zwey andereHeilige (G. dasselbe beschrieben und abgebildet inEandon's Unnal. II. ibo 5 ».). Seine, nacheigener Erfindung selbst geätzten Blätter nennt RostIII. 3Z0. in einer kühnen und meisterhaften Ma-nier gearbeitet, und führt namentlich von ihmdrey Ruhen auf der Flucht nach Egypten, einenSt. Franzisc der die Wundmale empfängt (diesevier. Blatter mit besondern» Geist und Leichtigkeitradirt), dasselbe, was auch Hust Sadeler gesto,chen, und endlich eine Verklarung an; letzteres(nach einem Gemälde in St. Fedele zu Mailand )ein großes, aus zwey Platten bestehendes Blatt,das sehr selten in reinen Abdrücken zu finden sey,weil das Scheidewaffer auf der erstern Plattenicht gut gefressen habe. Der Katalog von wink-ler beschreibt diese und ein Paar andere dieserBlatter noch genauer, und nennt besonders die-jenige Ruhe in Egypten schön und selten, wo St.Joseph sich auf seinen Eseltreiberstock lehnt, und

Proeaccini. 117z

dann eine H. Familie, wo der Esel weidet. Gan-dellitu endlich kennt vollends von ihm vier solcherRuhen, die er alle sorgfältig unterscheidet; feineVerklärung nennt er sehr schön, »und" (selbstseltsam!)mir so viel Bizarrerie und Sauberkeitgefertigt, daß man es für ein neues Blatt anse-hen sollte". Hinwieder haben nach unserm Künst-ler gestochen und geschabt: A. Blooteling einen St. Anton in der Wüste, von Teufeln gepeinigt (ger'schabt, in guten Abdrücken selten); I. Cameras»den St. Roch zu Dresden (für das Galeriewerk);D- Claesscns eine sitzende Maria; H. David eineMadonna mit dem Kinde, St Peter und St. Anton dein Eremiten; D. Grcen eine Verlobungvon Et. Catherina aus der Galerie Hougthon (ge-schabt); H. F. Hemery eine Schöpfung der Eva(sehr schön); Joh. Meyer eine Flucht in Egypten ;I. Orlandi ebenfalls eine solche; ein Ungenann-ter in C. Royers Verlage: David mit GoliathsHaupte; C Oesterreich eine Ruhe in Egypten ;P. Stella; Ph. Thomassin einen St. Stephan;F. Villamena vier Cartouches, und A. Wierx einensterbenden St. Franzisc, von seinen Ordensbru-dern beweint. Eine in neuesten Tagen von I. Longhisehr schön gestochene Ruhe in Egypten mit: 0 . I'ro-caccini llip. ist wahrscheinlicl» nach unserm Ca-millus, da sein weit schwächerer jüngerer BruderCarl gewöhnlich nur Lebloses malte, und der ältereIul. Cäsar denn doch, so viel wir uns erinnern,nirgends bloß Cäsar genannt wird. S- Zürcher-Journal für Litteratur und Runst S. 5 (> 5 .

*Vrocaccin» (Carl Anton), des ältern Her-kules jüngster Sohn. Derselbe war der schwächsteKünstler aus dieser Familie, und schränkte sichdaher auf Blumen und Früchte ein Indessengab es der Zufall mit, daß er gerade einer derbekanntesten wurde, weil, durch das Mittel derdamaligen spanischen Gubernatoren zu Mailand ,seine Arbeiten bis nach Madrid gingen.

K. 449-

* (Herkules) der alrere, das Hauptseiner Künstlerfamilie, geb. 1320. zu Bologna .Nach Lanzi ll. 444. irrt sich Malvasia, wenner schon den Vater nach Mailand (wo seine Söhnesich eigentlich erst um ibug. festsetzten), deswegengehen läßt, weil er in seiner Vaterstadt neben denSamacchini, Cesi, Sabbatini Passerotti, Fon-tana und Carracci nicht so gut aufkommen konnte,als hingegen in der erstgenannten Stadt nebenden Figini, Luini, Cerani und Morazzoni. We-nigstens fand sich noch in » 5 gr. als Lomazro'slestro llella ?ittura erschien, und Herkulesschon ein Siebenziger war, von ihm kein öffent-liches Werk in Mailand . Somit muß man ihnzu Parma , und vornehmlich zu Bologna suchen.Die Urtheile über diesen Künstler sind sehr un-gleich. Mittlerweile Malvafia und Baldinucc»ihn für mittelmäßig hallen, nennt ihn hingegenLomazzo: »Des großen A. Allegri's glücklich,sien Nachahmer im Colorit, Schönheit und An-muth". Nach Lanzi's (l. c. 445.) eiaenem Sinn«mochte er in der That ein wenig schwach in derZeichnung und matt im Colorite, so ungefähr nachder Weise der Florentiner seyn. Ucbrigens warer graziös und genau wie Wenige seiner Zeit;was freylich mit dem schnellen und flüchtigen Fon-täne» , seinem Mitbürger, sonderbar abstechenmußte. Dagegen retteten eben diese Genauigkeitund Fleiß ihn vörderst von dem Manierismus,zu welchem sich bereits seine Zeitgenossen neigten,und machten ihn anderseits geschickt, ein vortref-licher Lehrer zu werden, was er an so vielen,namentlich aber wenigstens an zweyen seiner Söhneerwies.

* der jüngere, des obigenCarl Antons Sohn, stand schon auf der Neigedes verdorbenen Geschmacks seiner Zeit, und trugwahrscheinlich selbst nicht wenig zu dessen Verschlim-merung bey, da er, nach der Weise der ältern Mit-glieder seiner Familie, zu Mailand eine Schule