Regtlio.
zu Venedig insbesouders lesen wir dann bey Fio-rillo (II. 102-4.) substanzlich: „Nachdem er dieKapelle des H. Rochus gemalt und sich damit all-gemeinen Ruhm erworben hatte, trug ihm der Se-nat auf, gemeinschaftlich mit Titian, den großenSaal der Pregadi mit ihrer Kunst zu zieren, wel-che Arbeit so vortreflich ausfiel, daß er zur Be-lohnung ein Jahrgehalt erhielt» Der Wetteiferzwischen ihnen beyden war so groß, daß derunserige beständig die Gelegenheit suchte, an sol-chen Stellen zu arbeiten, wo Titian gemalt hatte,oder noch malte. In St. Johann de Rialto wurdeer indessen, was auch die Neider des letztem sagenmochten, dennoch von ihm übertreffen. Ich gebezu, daß Titian öfters von porhenone in der Far-bengebung und der vortreflichen Wahl der Tinten,auch im Pinselstriche, den ich bey RegiUo fürkühner halte, erreicht worden ist; aber in derKunst, die Figuren zu beseelen und über dem Flei-sche einen lebendigen Hauch schweben zu lassen,behauptet Vecelli immer den Vorzug". Noch rügtFiorillo das von ihm seicht genannte Urtheil, wel-ches Lochin »l'Itslie lll. I11.) über das
oberwähnte (jetzt in PariS befindliche) Bild inSt. Maria del Drto fallt, wo es davon heißt:Dasselbe sey zwar von ziemlich großer Manierund habe etliche Köpfe voll Wahrheit; dabey abersey es eben so schlecht kolorirt als gezeichnet. Und nunhören wir auch noch den in seinen kurzen Urtheilenmeist so wahren Füßli (III. 67—68.) über unsernKünstler an: „Dieser Maler" (sagt er) „hatteeine weit lebhaftere Einbildungskraft als Giorgionund Titian, und diese ward durch die in der Ju-gend erhaltene Unterweisung in den Wissenschaf-ten , in seinen meisten Werken zum Vortheil fürdie Kunst geleitet; er war anfangs auch nur Nach-ahmer der gemeinen Natur, so wie er sie fand,gelangte aber durch eigene Geisteskräfte bald zueiner guten Wahl, und machte sich sowohl in derZeichnung seiner Formen, als auch in der Behand-lung der Farbe einen eigenen Styl, der in jederRücksicht groß genannt werden kann. Seine Er-findungen sind geistreich und wohl überdacht; seineZeichnung ist grandios und meistens korrekt; seineFärbung ist so kräftig, wie die des Giorgions,aber der Natur nicht so getreu wie Titians, dener aber hinwieder in der Anordnung, im gemüth-lichen Ausdruck und in der Energie der Charak-tere oft übertraf. Er verband endlich mit einersehr geschickten Behandlung des Lichts und Hell,dunkels einen ganz ungemcin kühnen und fließen-den Vortrag des Pinsels; daher seine Gemäldeeine sehr große Wirkung thun". Man schreibtunserm Reglllo einen sehr liebenswürdigen Pri-vatcharakter und ausgezeichnet gme Manieren imUmgänge zu; und fast müssen wir befürchten, daßin der zwischen ihm und Titian entstandenen gänz-lichen Mißstimmung der letztere bald völlig — Un-recht hatte. Im Auslande befinden §rch von por-denone: In Frankreich schon seit altern Tagen,im Königl. Kabinette: Ein St. Peter und einuns unbekanntes Dildniß, von welchen es beywareler heißt: Dieselben seyen schon allein hin-reichend , seinen freyen Pinselstrich, den schönenCharakter seiner Zeichnung und die großen Effektezu erkennen, die dieser Künstler anzubringen wußte.Dann, wie gesagt, seit neuern Tagen, sein St.koren; Giustiniani, der bey Landon XI. 99. be-schrieben und im Umrisse abgebildet ist. Auch dortwird davon geurtheilt: Alle Figuren, über lebens-groß , seyen von unedelm Charakter, diejenigevon St. Francisc insbesonders. Indessen bietedieses Bild nicht minder große Schönheiten dar;die Figur des Johannes sey in einem ziemlichhohen Styl gezeichnet, und solches wahrscheinlichdem Modell zu verdanken, daS sich der Künstlergewählt habe; auch das Licht sey sehr geschicktausgespcndct, die Wirkung des Helldunkels rich-tig empfunden, und das Colorit, ungeachtet das-selbe von seinem ersten Glanz verloren, noch vollKraft, mehrerer Dctailschönheiten nicht zu geden-ken. Immerhin aber sey es die Frage, ob dieses
Regnard. rrrr
BÜd den großen Ruf verdiene, den es ehemals inItalien genossen u. s. f. In Deutschland besitzenvon ihm: Die Batterie zu Wien eine St. Justinsin einer Landschaft, in lebensgroßen Figuren; die-jenige zu München einen Leichnam, durch St.Johann und die H. Jungfrau inS Grab gelegt;Die Dresdner das Brustbild einer jungen Dame,die Havre auf den Scheitel geknüpft und mit einentschwarzen Flor bedeckt, und die Berufung des Zöll-ners Matthias in Halbfiguren. Nach ihm gesto-chen haben: E. Fialetti: Cibele, Neptun, Venusund Diana. — O. Gaddi viet Bilder aus St.Maria di Campo zu Piacenza : Erschaffung derWelt, Schöpfung des Menschen, AufopferungJsaaks, und Judith mit Holofernes Kopf (selteneBlätter) — Jul. Licinrus: Eine Verkündigung,all! Angeli zu Murano — A. Lorenzini: St. PaulsBekehrung in drey großen Blättern — Ebenderselbeden Tod Abels (schlecht) — P. A. Pazzi sein Bild-niß aus der Florentiner-Gallerie — I. D. Pic-chianti eine H. Familie mit Maria Magdalena und St. Catherina (schlecht) — I. Piccino Adamund Eva aus dem Paradies gejagt; ebenfalls denTod Abels, von obigem verschieden; DavidsSieg über Goliath; eine Grablegung; Christuserscheint der H. Magdalena (seltene Blätter) —die obgenannte Grablegung zu Wien » ehemals zuBrüssel , von I. Troyen (geschmacklos) — A. Zuc-chi: St. Laurenz Giustiniani (für die Saifimlungvon Louisa, und, wie Füßli lll. 71. sagt, dasbeßte Blatt nach ihm) — ein Ungenannter seineVerkündigung Mariä nach einem seiner berühm-testen Gemälde in St. Peter Martyr zu Udint(schlecht) — ebenfalls ein Ungenannter in Hell-dunkel geschnitten: Einen bewaffneten römischenReuter aufeinem springenden Pferde, der seine Lanzewie zum Angriffe vorwärts hält und sich mit demSchilde deckt (irgendwo Curtius genannt); eine(wie Füßli III. 71. sagt) zwar mit vielem Geist,aber nur flüchtig entworfene Figur, nach einerZeichnung von N. Boldini von Vicenza . — Zwei-felhaft endlich einen St. Sebastian. M-rL/rr. L-«»-
cke5. ( 8 . v. /'oruie-ro-re). Hf-c. Füßlr I. c. 68 - 7 ^.
der es überhaupt bedauert, daß so wenig GureSnach unserm Künstler gestochen worden, aber da-für von den Urbildern, nach seiner Weise, tref-liche Beschreibungen giebt, und namentlich das Ur-bild des von Lorenzini noch so dürftig ausgeführtenTod Abels, und Davids Sieg über Goliath, jeneswegen der wissenschaftlichen Zeichnung und derWahrheit im Ausdrucke, dieses überhaupt wegendem darin herrschenden großen Styl fast vorzüg-lich zu bewundern scheint.
* Regnard od. Regnarrius (Valerian).Von ihm kennt man z. B. eine Heimsuchung nachF. Barocci (Theil eines Gemäldes in der Chiesanova zu Rom , vor welchem St. Philippo Neriimmer seine Andacht zu oer.ichte» pflegte!); eineThesis: Imperio Xatur-e etc. nach A- Pomeran-cio, Schlachten nach A. Tempesta; dann uns Un-bekanntes nach A. Ciampelli, I. N Cressi, I. A.Lellio und H. Torriani; ferner ein Zchnd Ansich-ten von Kirchen zu Rom u. s. f darunter eme:8t. )scobi biospitslis Incursbilium , gemein-schaftlich mit D. Parasacco. Anderwerts heißt es:„In dem Katalog der Bibliothek des berühmtenKunstforschers Christ (?. I. 385 . N°. 0679.) fin-det man rubrizirt: ?rseclpus Vrki 8 komsn«l'empls: /LeZnartiur äel. ?rsnc. Lollig-
non gc. (Rom i 65 o. Fol.). Sonach scheint eSals ob dieser Kupferstecher auch Zeichner gewesenwäre, und noch um die Mitte des XVII. Jahrh,zu Rom gelebt hätte. Sind übrigens dies etwadie, unter Lolignon im Lex. benannten, Gebäude,welche Sixt V. zu Rom aufführen ließ"? Endlicharbeitete er auch für die bekannte daileria.Iu8tl-nisna. 6 a»äe/lim. klk-c.
— — ( ) ein französischer Stahlschneider,
verfertigte in 1692. eine Schaumünze auf Ludwig XIV. challer.