Ribera.
ungefehr denselben Weg mit ihm gierigen (so z. B.nebst Carravaggio, mik Manfred! und Valentin),so wird man seine Farbe wahrer, seine Effekte ein-facher und ungesuchter finden; keine Affektalionallzu hoher Lichter oder übertriebener Schatten.Oder mit Guercino — so ist der Unterschied nochfühlbarer; jenes seine Tinte zielen auf dunkelViolet,die seinigen auf ein goldgelbes Gräulichtes. Oderendlich mit Alex. Veronese — dieser hat mehrGrazie, und einen markigtern Pinsel- der unsrigemehr Kraft. Zu Neapel finden sich seine beßtenArbeiten; und eine der schönsten - eine Anbetungder Hirten, wurde von dort nach Paris gebracht:Wenn die Natur darin nicht poetisch dargestellt wird/so ist sie es dafür mit desto imposanterer Naivetät.Daß der harte Ribera von dem zärtlichen- rührendenFampieri nur mit Verachtung sprach, war freylicharg genug, aber kurz ein Fehler, dem stark pronon-cirte Talente so leicht zu unterliegen pflegen:
««/ 1808. 5H2. — Und endlich hören
wir noch ein Paar deutsche Männer an. Zuerstunsern Füßli (III. 221—23.). „Die meisten WerkeSpagnolerro's" (sagt er), »und besonders dieWahl seiner Vorstellungen, zeigen ein cholerischmelancholisches Temperament. Er bildete sichhauptsächlich nach Caravaggio , dessen schnell-wirkende, und gleichsam schneidende Behandlungdes Lichts und Schattens seinem natürlichen Hangeentsprechend war, und die er auch in der Folge(obschon mit etwas mehr Mäßigung) beybehaltenhat. In Nachahmung der Natur hatte er einschärferes und genauer beobachtendes Auge »alsEaravaggio, sein erwähntes Vorbild; und da ihndie sonderbare Wahl seiner Gegenstände meistensauf Formen aus der gemeinsten Natur, auch vor-züglich auf die Nachahmung solcher Körper führte,die der Wahrscheinlichkeit gemäß durch Alter undLeiden geschwächt und verstellt erscheinen mußten,so faßte sein scharfes Auge mit einer Art von Vor-liebe alle jene Details, durch welche diese ArtKörper hauptsächlich charakterisirt werden, die erdenn mit einer Genauigkeit und Richtigkeit darzu-stellen wußte, die schwerlich übertreffen werdenkonnte; man darf daher weder Anmuth noch Graziein seinen Werken suchen, weil seine Wahl immerauf schwermüthige, traurige und schauerliche Gegen-stände fiel. Er erfand mit Geist und Feuer, waraber nicht glücklich in der malerischen Anordnungseiner Gruppen; er zeichnete mit Verstand, und mitmehr Richtigkeit als Earavaggio, und gab seinenKöpfen starke und bestimmte Charaktere, mit einemsehr wahren gemüthlichen Ausdruck; seine Färbungwar stark, aber düster, und fiel im Ganzen zu sehrin das Braune". Wegwerfender dann spricht vonihm (und freylich, was bloß seine Fehler betrift,sehr wahr) die Schrift: Winkelmann u. s. Jahrh.E. 17Z. „Er, gleich seinem Meister Merigi,stellten sich dem ediern Geschmack ganz entgegen,und traten als entschiedene Naturalisten auf, d. h»sie ahmten die Natur, mit sinnlicher Anschauung,treu nach, doch ganz ohne Wahl der Formen, nochmit bestimmter Rücksicht auf den erforderlichenCharakter ihrer Figuren zum lzeygelegten historischenZwecke. Die Madonnen sind gewöhnlich bloßeDirnen, das Christkind ein gemeiner Knabe, St.Ahann ein Zimmermann, St. Hieronymus einelender, runzligter Alter, u. s. fi Ja oft laden dieseKünstler sogar den Verdacht auf sich, das Fehler-hafte, das Niedrige, Dürftige und Gemeine ab-sichtlich gesucht zu haben". — In Deutschland be>sitzen von unserm Künstler: Die Gallerte zu Wien 6. Bilder: Christ»« unter den Lehrern, der reuendePetrus, und eine Kreuztraqung, lauter Kniestückein Lebensgröße; dann Pythagvras und Archimed(Alle finden sich in: Tenier's Theater dürftig genugabgebildet). — Lichtenstein 9. lauter sogenanntePhilosophen- und alte Mannsköpfe. — München v. Wieder einen reuenden Petrus, eine Kreuz,abnähme von St. Andreas, einen knienden St.Hieronymus , einen sterbenden Eeneca (diese dreyin lebensgroßen ganzen Figuren), eine alte Eyer-lrageri», und einen Archimedes. — Gchleisheim 2.
Ribera. 1269
Den ruhenden Herkules (wohl keinen Torso im Belrvederel), und eine Beurlaubung Christi. — Düssel-dorf einst 4. Der unschuldigen Kinder Mord (kleineFiguren); die Reue des Königes Jvsaphak (ebenso); einen St. Hieronymus (Halbfigur), und eineErscheinung des Engels bey den Hirten (kleineFiguren). — Dresden 10. Jacob, Führer derHeerde, ein sehr schönes Bild, und um so vielmerkwürdiger, weil es zeigt, daß Ribera auchangenehme Gegenstände darstellen konnte. MariaEgyptiaca- ein kleines- aber ganz herrliches Bildvoll Wahrheit, Einfalt und reizender Naivetät;Petrus vom Engel aus dem Gefängniß geführt, inganzen lebensgroßen Figuren; die Marter von St.Bartholome (kam von Modena ); diejenige vonSt. Laurentiuö (für den Herzog von Ossuna gemalt,kam aus Spanien ), von dem vortreflichstcn Relief;St. Paul den Eremiten in der Grotte, lebensgroß;Ebenderselbe und St. Hieronymus , Büsten; St.Franzisc d'Asflsi, lebensgroß; Diogenes im Mantel,was Einige, wohl irrig, für des Künstlers Bildnißhalten; einen Philosoph in Betrachtung. — Einststanden zu Salztbalum 9. Gimson bey Delila, vonden Philistern geblendet; derReiche in der Hölle undLazarus in Abrahams Schooß, und ein St. Hiero-nymus (alle drey in ganzen lebensgroßen Figuren);die sechs übrigen: Halbfiguren von alten — soge-nannten Philosophen, Chymikern, Astrologen undeins, wie es scheint, eines Künstlers. — Zu Aans-soucy ein Petrus im Gefängniß, Halbfigur. DasFranzösische Museum besitzt von ihm unsersWissens einzig: Eine Anbetung der Hirten.
Daß Ribera auch vortreflich geetzt habe, istbekannt, und Füsili glaubt, Rembrandc ausge-nommen, habe kein andrer Künstler, in eigenenBlättern, seine Ideen mit einer so charakteristischenWahrheit und Leichtigkeit ausgedrückt, wie er.Dann führt er (I. c. 22Z—28.) besonders achtedergleichen an: Einen Lerchnam unter dem Kreuze;die Marter St. Bartholomäi, ein in guten Druckenseltenes Blatt; Petrus im Gebete (id2i.); dreySt. Hieronymus in der Einöde; Sile» auf demBoden, dem ein Satyr den Becher aus seinemSchlauche füllt; und einen mit Lorber gekröntenDichter. Dann von Blättern nach ihm: Eine St.Maria Egyptiaca, von M Lasne; eine büßendeMagdalena von F. Poilly; St. Petrus und St.Matthäus (Halbfiguren) erstrer von I. M. Ardell,letztrer von E. Fischer geschabt; den berühmten Et.Januar in der Schatzkapelle der Cachedrale zuNeapel , von Sedast. Marcotti, einem uns ganzunbekannten wahrscheinlich im Druck verstümmeltenNamen, und endlich die Halbfigur eines altenManns mit Lorbern gekrönt, die eine Hand aufEinem Buch (nicht der oben genannte Dichter),von Marchie geschabt. Nebe» den oben ange-führten von ihm selbst geetzten Blättern nennt RostIII. Z18-19. noch: Eine Ruhe auf der Flucht inEgypren, mit: Oruluü 8srucenn- iuvenr. abermit Ribera's Monogramm bezeichnet; dann ein.Bildniß des (ihm nachher so schrecklichen) DonJuan d'Austria zu Pferd, und zwey alte Männer-bristen. Der oben erwähnte Poet heißt hier undanderwärts ausdrücklich Dante. — Ferner beyGandellini (der, beyläufig zu erwähnen, wissenwill, daß Riberas Vater anfänglich eine Kriegs-gurgel aus ihm machen wollte, aber ihn denn docheben deswegen in die Schule schickte, wo ihm einerseiner Mitschüler, eines Malers Sohn, die ersteLust zur Kunst einflößte) finden sich noch erwähnt:St. Januar; ein an den Baum gebundener Satyr;12. Bl. Carrikaturküpfe; und 22. andre, eine ArtZeichenbuch nach Guercino , welches er selber sehrhoch schätzte, und sagte, er habe damit in seinerJugend i» der Lombardie sein Brod gewonnen.Der Winklersche Katalog endlich s. v. I'lLspu-Znolot nennt: Eine Abnehmung vomKreuze, und denStreit des Centauren mit einem Tritone. — Ge-stochen nach ihm haben (hauptsächlich einem Ver-zeichnisse meines sel. Vaters zufolge) an die 80. B>.und zwar, ausser den schon oben angezeigten Künst,lern: A, Bannermann, G. Bartsch, jemand in