Rigaud.
urtheilt: „Die Zeichnung dieser Figur ist nichtfest genug, die Karnation zu roth, und nament-lich die lebhafte Farbe der Wangen unangenehmkontrastirend mit dem Begriffe, den man sich voneinem Heiligen macht". Jetzt erhielt er auch beyHofe, und bey dem Könige selbst, häufige Beschäf-tigung. Für den letzter» verfertigte er 1701. einBildniß Philipps V. von Spanien (?. Drevet 80.)und I/U2. dasjenige Ludwigs selbst (?. Drevet 8SN.so.), so wahr und charakteristisch, daß er es hinwie-der für Philipp kopiren mußte. Eben so vollkom-men geriethen diejenigen der Kardinäle von Rohan(?. Drevet sc.) und Polignac (p. Dllpin et Na-tke^ sc.) (welche nachher in den Besitz des Kar-dinals Albani, eines Neffen Clemens Xl. gekom-men sind), des Kronprinzen von Dänemark unddes Kurfürsten von Sachsen , nachherigen Köni-ges von Polen , das sich an der Spitze der Dresd-ner-Gallerie, von Balechou gestochen befindet.Perpignan ertheilte ihm i/ug. den Adel, zufolgeeines uralten Privilegiums, alljährlich einen ihrerBürger in diesen Stand zu erheben; und in 1727.wurde er von Neuem geadelt, als er Ludwig X V.den er schon als Kind abgebildet, nun auch alsKnabe (aufdem Thron ?. Drevet 8en. so.) malte.Zugleich erhielt er damals einJahrgeld von looo.Livr.Bey allen oben angeführten Bildnissen ist immer einebekannte oder beliebte Begebenheit angebracht, sowie auch bey den Bildnissen der Herzogin von Or-leans (p. Drevet 8c.), der Madame de Nemous(?. Drevet 8c.), der Herzoge von Vlllars (?. Dre-vet sen. et 6. 8ck>miät 8c.) und Antin, desBischofs von Meaux (?. Orsvet, jun. so.) u. a.berühmter Personen. Obgleich nun Rigaud sichmeist mit Bildnissen beschäftigte, so kehrte er den-noch von Zeit zu Zeit zur Geschichtsmalerey zu-rück, worin er, ohne die überhäuften Bestellun-gen von ersterer Gattung, es ebenfalls weit ge-bracht hätte. Was dann seinen Styl betrift, sowar er ein treuer Nachahmer der Natur, ohnesich sclavisch von ihr fesseln zu lassen; vorzüglichstellte er die Mannichfaltigkeit der Stoffe mit aus-serordentlicher Wahrheit dar. Alles führte er eigen-händig aus, und ließ nicht einmal die Hinter-gründe, Drapperien oder andere Beywerke vonseinen Schülern entwerfen- Um den Geschmackseiner Zeitgenossen zu befriedigen, fiel er zwaretwas in die damals herrschende Manier einesgewissen Flitterglanzes; indessen verloren seineKöpfe damit nichts von ihrer Schönheit, unddem Geist der sie beseelte (was denn doch nicht im-mer der Fall ist). In dem Wurfe seiner Gewän-der findet man zu viel (willkürliche) Bewegung, sobaß es scheint, als wenn sie immer vom Windegetrieben würden; auch nahm sein Kolorit, darrsich in seiner letzten Zeit gewisser Lacke zu starkbediente, einen seltsamen, wie Pfauenfedern schil-lernden Ton an. Sehr unbefangen bemerkt auch
Füßliin s. (Oestreich. Runstannalen ll. S-6g—70.
über ihn: „Daß er es sey, der jene gezierten Stel-lungen, so wie jene überflüssigen und kostumwidri-gen Drapperien in Gang brachte, die, so schönauch die Ausführung davon war, dennoch demCharakteristischen seiner Bildnisse oft uachtheiligsind, weil sie den Blick des Anschauers zu sehrzerstreuen. Diese Dacstelluugsart" (fügt er dannhinzu) „warst» gänzlichem Gegensatze mit jenereinfachern der Engländer und Niederländer. Manmuß aber auch zugeben: Daß Rigaud und Lar-gilliere die Engländer wenigstens, sowohl in derRichtigkeit und Schönheit der Zeichnung, als auchin der Wahrheit der Färbung weit übcrtrossen ha-ben; daher ich glaube, daß die zwar überhäuften,aber vortreflich und bis zur Täuschung ausgeführ-ten Gewänder und Nebensachen in Rigauds Bil-dern , verbunden mit seiner eleganten und richti-gen Zeichnung, und seinem der Wahrheit durch-aus getreuen Kolorits, seinen Bildnissen auch dannnoch, wenn die darin vorgestellten Personen schonlange vergessen sind, für die Kabinette der Kcn,ner, wegen ihrer außerordentlich wahren Vollen-dung interessanter , als die, nur grpßeu Skizzen
Rigaud. 129-7
ähnlichen, oft zwar sehr geistreichen, aber mitmehr Kühnheit und Nachläßigkeit, als individuellerWahrheit dargestellten Bilder eines Lellp, Lnel-lers und selbst eines Heynolds" (ja! wenn dieschönen Schwarzkunstblättcr nach letzterm verlorengiengen) „seyn werden''. — Ob R'gaud gleichsehr galant gegen die Damen war, antwortete erdoch eines Tags einer geschminkten, die sich nichtlebhaft genug kolorirt fand, und ihn fragte, woer seine Farben kaufe? »Ich glaube bey demselbenKrämer, wo Sie die Ihrigen". Und überhauptmalte er lieber Männer, als Frauen. „Wennich ihnen schmeichle", sagte er, „so sind sie nichtkenntlich; mal' ich sie, wie sie sind" — das kle-brige kann man errathen. Mit Largilliere lebteer in der innigsten Freundschaft. Mit seinen ar-tistischen Kenntnissen verband dann unser Künstlerdie genaueste Bekanntschaft mit dem Eigenthüm-lichen der verschiedenen Schulen und ihrer Mei-ster, der Seltenheit ihrer Bilder und aller dahingehörigen Nachrichten; daher ihn viele angeseheneLiebhaber, bey Anlegung ihrer Galerien, um ihrUrtheil baten. So mußte er nicht nur für seineneigenen Monarchen die Gemälde aus der Samm-lung Carignan, sondern auch für den König vonPolen diejenigen prüfen, mit welchen dieser denDreödner-Kunstschatz bereichern wollte. Fiorillo lll.281—84. Bey wareler findet sich die artige Be-merkung: „Man freue sich ordentlich, wenn manauf ein Bildniß von ihm stoße wo er sich nichtgenöthigt sah, große Perruquen zu malen". InDeutschland besitzen von ihm: Die Gaüerie zuWien das Bildniß der Herzogin E. C. von Lo-thringen , Mutter K. Franz l — München daSlebensgroße des Herzogs von Zweybrücken Chri-stian lll. — Schleisheim diejenigen von Lud-wig XI V. dem Dauphin, dem Könige Philipp vonSpanien und Ludwig XV. Kniestücke. — Dres-den , wie schon erwähnt, August lll. noch alsKronprinz, im Harnisch, ganzer Statur, lebens-groß, eines seiner schönsten Werke, das sich bisauf diesen Tag, wie gestern gemalt, erhaltenhatte. — Salzrhalum ehemals Ludwig Xl V. ge-harnischt, die Herzogin von Orleans, den Feld-marschall von Schuleuburg, den GroßkanzlerMacklazfieldt, den Grafen von Dehn, den Ge-heimdralh von Walther, und den General vonJordan — Potsdam des Malers la Fosse unddes Bildhauers Coustou (oder du Jardins?). —In Zürch kennt man von ihm zwey herrliche lebens-große Kniestücke: Des Kunstgleßers BalthasarKellers und seiner Gemahlin «jenes von Drevetgestochen), im Besitze des H. Amtmann Kellers.Die vollständigste Litteratur der nach ihm gesto-chenen Blätter findet sich vielleicht in einem Ver-zeichnisse meines sei. Vaters (2-ju. N°. stark). Voneigentlich Geschichtlichem indessen nichts, als eineÄnderung der Könige, ohne Namen des Stechers,aus Drevet's Verlage, und eine Geburt (wahr-scheinlich dasselbe) von P. A. Kilian; da wir näm-lich die historirten, oder unter mythologische For-men gebrachten Bildnisse nicht dahin zähle». Vonletztem und eigentlichen Bildnissen dann habennach ihm gestochen: I. Audran (7 ), I. Balerchou, N. Bärin, M. Bernigeroth, L. Cars(ö.),F. ithereau (11), I. Coclemans (Z.), I. Cun-dier, I. Daulie >6.), E. Desrochers >4), M.Dossier (4 ), Cl. Drevet ().), p. Drever, Va-ter und Sohn «HZ.), G Duchange (2.1, P. Du-pin ( 5 .), N. Dupuis >2.), G. Edelmk (16.),B. l'Epicie (Z.), G. Erlinger, E. Fessard, G.Filloeuil «.2.), Fiquer (7.), Cl. DufloS « 4 -)- R.Gaillard (2.), I. Guelard, N. Hadert, I. I.Haid, I. U. Heidegger, B. L. Henriquez, I. R.Holzhalb, M. H Horkemels(Z.), I. Houbrackcn,H. Jans, Kleinschmicd (2.), Langlois, A. koir,Massi- Mathey (2. , Th. van Merlen, Miger,le Meine, P. A. Pazzi (2.), Petit (4.), B. Pi-cart(Z.), I M. Preisler, Ravenet, Rochefort, Cl.le Roy( 4 -), I- Sarrabat (4.), Eavart ä.), (6.
Schmidt «9.), S. Eilvcstrc, C. Sünonneau,der altere, D. Sornique, jJ. Lardieu (d.), S.
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