Band 
Zweyter Theil [2].
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1342
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iz42 Rosa.

mannigfaltig, von kräftiger und zugleich harmo,»sicher Farbe. Ucbrigens bewies er niel)r als ein-mal, daß sein Talent sich nicht bloß auf Werke vonkleinerm Maaße beschränke. So kennt man j. B.von ihm einige Altartafeln, welche eben so gutgedacht, als von großer Wirkung sind; auch größereTafeln aus weltlicher Geschichte, wie seine Ver-schwörung der Cattlina in der Gallerie Martelli zuFlorenz , welche ZZorrari zu seinem Beßten zahlt.Ausführlich über Halvarors Leben und Werke istFiorillo l. u. ll. ä-2u2Z. Ob er sich, wieOasseri sagt, schon in seinem Zwanzigsten (i6Zü.)nach Rom begeben, hält er für ungewiß; wohlaber für sicher, daß er dort, eine kurze Rückkehrnach Neapel (rsiög.) und einen mehrjährigen(Lanzl l. o. 2 j i. sagt: siebenjährigen, andre garneunjährigen) Aufenthalt zu Florenz , wohin ihn derPrinz Johann Carl von Medicis gebracht, ausge-nommen, Rom für seinen liebsten Wohnort hielt.Hier erwarb er sich durch seinen feurigen, raschen Geistund andre liebenswürdige Eigenschaften, eben sowohl als durch sein vorzügliches Kunstkalent eineMenge Freunde; machte sich aber auch durch seinenbeißenden Witz, und oft allzu bittern Spott eben soviele Feinde, indem er vorzüglich Künstler, und unterdiesen selbst den mächtigen Berniist zum Gegenstandseiner Satyre erkohr. Mit alle dem stieg sein Ruhmin Rom täglich höher. Hier lebte er späterhin bisan seinen Tod Mit einer Aufwärterin, die er wegenihrer Schönheit liebte, so wenig er ihren Charakterund ihre Sitten schätzte, und daher dem Beichtvater,der ihn noch auf dem Lodbette zur Heirath mit ihrzu bereden suchte, »wenn er anders ins Paradieskommen wolle", die berühmte Antwort gab: »Sohilft denn nichts; und muß mir's demnach gefallenlassen, wenn man ohne Hörner nicht dahin kommenkann!" Nach Einigen starb er schon 1(172. erst 27.I. alt, und ward mit großem Gepränge m derKarlhäuserkirche begraben, wo man an seinemGrabmal sein von Bern . Fioriti gemeißeltes Bild-niß sieht. Noch ein artiges Anekdoton von unsermKünstler ist dieses: Daß sein Gönner, der Connc-table Colonna, welcher vier seiner Bilder jedesmalmit einer vollen Goldbörse bezahlte, ihm für einfünftes vollends die doppelte Summe doch mitdem Beyfügen übersandte: Länger könnt' er denWettekampf nicht bestehen. Daß Salvaror, wieDomlnicr (UI. L2 j.) wissen will, und Andre ihmnachgeschrieben, ein Mitglied der von A. Falconezu Neapel gestifteten Compagnie des Todes ge-wesen, wird eben so» als daß er etliche seiner In-gendjahre unter einer Banditen-Bande zugebrachthabe, von FioriUo, jenes zumal mit triftigenGründen in Zweifel gezogen. Von seinem Kunst-charakter heißt es dort: Rosa kann als Beyspieldienen, daß der oft durch auffallende Aehnlichkeitenbestätigte Schluß von den Kunstwerken auf die Ge-müthsart nicht immer gilt. Rosa war zwar sa-tyrisch , jedoch auf eine lustige Art, und überhauptzur Freude geneigt. In seinen Landschaften herrschtdagegen ein gewisser Schauer, und eine so odeWildheit, daß seine Wälder dem Betrachter jeneArt von panischer Furcht erregen , die zuweilen denentschlossensten Wanderer überfällt, wenn er beyeinbrechender Nacht sich auf einmal verirrt zu habenglaubt. Seine Berge und Klippen sind berühmt;sie tragen das Gepräge verwitterter Urgebirge ander Stirn. Diese wilde und schauerliche Naturwird dann gewöhnlich durch einige Figuren inschönen Stellungen gehoben, die aber oft ein soschreckhaftes Wesen an sich haben, daß sie das Un-heimliche des Eindrucks noch vermehren".,BeylDareler dann liest man : »Salvarors Blätter-werk ist ungezwungen und lebendig; sein Pinselfrey und voll Feuer; die Figuren sind geschlank,geistreich, aber gigantisch, incorrekt, und vonseltsamem Charakter. Sehr glücklich stellte erMarinen und Jagden (?) dar; noch treflicher aberwilde Einöden, das Schweige» stockender Ge-wässer, und die Schauer gäher Klippen. Seltsamaber war es (doch nicht ungewohnt!), daß erhauptsächlichem großer Geschichtsmaler seyn, und

Rosa.

sich in dieser Gattung selbst mit den ersten Kunst-lichtern (mit Buonaroti z. B.) messen wollte; da-gegen aber es ungerne hörte, wenn man sein Talentfür Landschastssiücke pries. Und doch haben ebendiese letzter» ein ihm eigenes Verdienst, das er derStärke seiner eigensinnigen Einfälle zu verdankenhatte. Er war ein Wilder (?) der in Erstaunen setzt,und durch seinen erhabnen Trotz erschreckt. EtwasBäurisches (aZreste) herrscht in allen seinen Bil-dern, in Ideen sowohl als in der Ausführung.Die Antiken, oder auch andre große Meister zustudiren hielt er unter sich, und zog selbst die Naturnicht zu Räch. Einzig hatte er einen großenSpiegel, vor den er sich mit den Geberden stellte,die er eben schildern wollte. Eine besondre Ehresetzte er in außerordentliche Geschwindigkeit; undwenn er in Einem Tag ein Bild mittlerer Größevollendet hatte, war er zufriedner mit sich selber,als wenn er es studirt und reiflich überlegt hätte".Auch Taillasson setzt zu der Charakteristik unsersKünstlers mehrere bedeutende Züge hinzu: »Einwilder Stolz, eine bizarre Energie in Gedankensowohl als in der Act sie auszudrücken, macht dasAuszeichnende seiner Werke aus. Waü die NaturLiebliches, Sanftes, Rührendes hak, empfand ernicht; sah' nur das Seltsame, Außerordentliche,Schreckende in ihr. Sein oft schönes, oft abereben nicht ausgesuchtes Kolorit, ist wenigstensimmer kräftig, und dem Hauptstyl seiner Gemäldevollkommen angemessen. Seine Hauptlasten kon-trastiren kühn, aber hart. Seine uiigemesseneuBaumstämme tragen in ihren schrecklichen Formendas Gepräge des Alters und der Stürme aufihren nackten Gipfeln ruhen die Adler und derGeyer sie stehen gleich entmasieten Mecrschiffenda. Man bewundert seine Landschaftsgegendcn»aber kein Mensch möchte darin wohnen gleichensie doch immer solchen, von denen jedermann spricht :Hier wurde ein Reisender umgebracht, und seinblutender Leichnam in jenen Abgrund geworfen:Auf ähnliche Weise wählte er die Gegenstände seinerhistorischen Darstellungen. Hier ist es Regulns inseinem mit Nägcln gefütterten Fasse oder dasUngeheuer Polycratcö auf dem Hochgericht ausdem alten Testamente Samuels Schatten, der demerschrockenen Saul erscheint aus der Legendeje die scheußlichste Marter eines Heiligen; aus derMythologie Glaucus und Scylla, oder Jason dermit seinem Liquor ein noch minder schreckliebes Uugethümm einschläfert als er selbst ist; oder jenesMeckliche» Söhne der Erde, die vorn Himmelgeschleuderten und von Felsen zertrümmerten Titane.Will er'zu Zeiten Lieblicheres malen, so hört erdurch die Weise, wie er es giebt, auf, solches zuseyn. Stellt er uns St. Johann vor, wie er denErlöser der Welt verkündigt, oder Plato, der durchseine hohe Lehren junge Herzen zur Weisheit undTugend leiten will, so sehen jener Heilige, dieserWeise, und die redliche Einfalt welche ihnen zuhört,Einer wie der Andere Gtraßenräubcrn gleich.Das Anschaffn seiner Werke erweckt bloß dunkeleGedanken, und die Philosophie, die sie lehren,sind nur harte Wahrheiten. Bey verwittertenGräbern malt er uns Demokrit , mitten unterMenschen- und Thiergebeüien aller Art. DenKopf auf die Hand gestützt, und mit bitterm Lächelnsieht er sie an, und scheint ihnen zu sagen: » IhrThoren'. Muß man nicht über Eure zahllosen Ent-würfe lachen, wenn man sieht, wie sie enden"?Man begreift leicht, daß ein solcher Mann Schlach-ten vortreflich malen mußte. Jene große im Mu-seum Napoleon ist wirklich ein bewundernswür-diges Werk: Eine ganze Poesie von Gemetzelbelebt die Scene, und der Haiipthandlung ent-spricht die Staffirung: Ein dürrer Vorgrund,wildes Gebürg in der Ferne, die Luft, kurz alleUmgebungen haben ein Unglück verkündendes Aus-setzn, und scheinen gemacht zu seyn, umvonLcichen-geschrey zu ertönen. Das harte Kolorit und derkühne Pinselzug sind in vollkommnec Einigung mitdem wilden Ausdrucke der Figuren. Zwietrachtund Wuth halten hier mitten unter den Uebeln, die