Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1389
JPEG-Download
 

Hin gen da 6.

in Nürnberg historische Blatter über verschiedeneneueste Weltbegebcnheiten/ in Aquatinta-Manier,schwär; oder braun abgedruckt, auch colorirt, mitgedruckte» Erklärungen, um äusserst wohlfeile Preiseaus, welche nachwerts wirklich erschienen waren,wie z. B. zwey große Blätter: Die Schlachten beyOsterach und bey Hohcnlinde; dann einige kleinere:Einzelne Scharmützel aus dem vorletzten Kriege-wischen Oestreich und Frankreich . Ferner zweyCoiivcrsakionsstücke in Schwarzer Kunst, bunt aus-gemalt. Mensel bnl. Ä L- Lorck. Deutsch .Merkur i8oj. Vl. iZZ. u. ff.

* ^ugeudas (Georg Philipp ), der ältere,wurde von seinem Vater, einem Uhrmacher, fürdie Kupferstechers!) bestimmt. Seine Talente zeigtensich schon frühzeitig; allein ein fistelartiger Schadenan der rechten Hand beraubte ihn der zu jener Kunsterfodcrlichen mechanischen Festigkeit, und so sah' ersich genöthigt, von diesem Fache der Kunst ab-und zur Malercy überzugehn. Sein Vater übergabihn daher in 1682. dem GeschichksmalerFisches Beymehrerer Entwickelung seines Genie entschied seinGefühl sich vorzüglich für kriegcrsche Gegenstände.Nach einem sechsjährigen Studium, während dessener durch angestrengtes Arbeiten seine kranke Handvollends ganz unbrauchbar gemacht, sich abernebenher gleiche Fertigkeiten mit der Linken erwor-ben, unternahm er eine Reise nach Wien . Hierfand er Freunde und Gönner, die seine Lage be-günstigten, und somit einen angenehmen Aufent-halt von vollen zwey Jahren. Wahrend dieser Zeitheilte seine arge Hand von selbst. Jetzt ging eridg2, »ach Venedig , wo er vierzehn Monate blieb,und alsdann nach Rom . Dock setzte er seine Stu-dien mir dem größten Eifer fort, und ward in diedastge Künstler-Bande (Bem) unter dem Namenalias Schild aufgenommen. In i 6 g 5 . nach demTod seines Vaters kehrte er nach Augsburg zurück,verheyrathere sich mit A. B. tzaid, einer nichtreichen, aber dafür tugendhaften Tochter seinerGeburksstadt, und lebte mit derselbe» in der glück-lichsten Ehe, ward aber durch Krankheiten undandre Umstände i» seiner Oekonomie einsweilen sehrzurückgesetzt. Dieß benutzten Gemaldehandler undLiebhaber, Arbeiten von ihm um schlechte Prcißezu erhalten, was denn hinwieder unsern Künstlerbewog , Versuche in der Kupferstechern) zu machen;und so erschienen 1698. im Verlage von JercmiasWolf seine ersten geetzkeu Blätter. Eben so glück-lich übte er sich dann auch in der schwarzen Kunst,eignere in 1700. seine frühesten in dieser Manier be-handelten vortrcflichcn Arbeiten (Reuter, ,'n 8.Dl.)seinem Freunde dein Eiegel- und SteinschneiderHofmann in Wien zu, und erwarb sich mit diesen»so wie mit 4 - Bl. Schlachten (wahren Meister-stücken) großen Beyfall und Absatz. Schon sahunser Künstler wieder einer bessern Zukunft ent-gegen , als der Ausbruch des spanischen Erbfolge-kriegs nicht nur diese Hofnung zernichtete, sonderndie in 170z. erfolgte Belagerung von Augsburg ihnsogar aller seiner Habscligkeiten beraubte. Wieinzwischen der edle Mann auch jene kriegerschenAuftritte für die Vervollkommnung seiner Kunstbenutzte, bemerkt schon das Lexikon. Noch folgtenfür ihn mehrere Jahre von Prüfung. Währenddenselben wurde dennoch zu Augsburg (das damals— 0 der frommen Dorwelt! — an bessern Tagennicht verzweifelte) eine Akademie errichtet, undAvugendas, evangelischer Seits, zu ihrem Di-rektor ernannt. Um diese Zeit waren so wenigeLiebhaber und Kunstkenner in Deutschland , daß eran die 5 ». seiner schönsten Bilder um dürftigenPreiß nach Paris verkaufen mußte Da jetzt seineFamilie immer starker wurde, suchte er neuerdingsdie Schwarze Kunst hervor, und fertigte in sehrgroßen Qucrfolior Blattern bis auf 70. Jagd-Rciischul-Bakaillc»- und andere kriegerische Stücke,die zwar großen Beyfall und ziemlichen Abgangfanden; aber auch dieses hatte keinen Bestand.Endlich nach zwanzigjähriger Rast, als die Ab-nahme seiner zu Bearbeitung des Kupfers crfodcr-

RugendaS. izgy

liehen Kräfte immer fühlbarer wurde, beseelte ihnein »euer Eifer für die Malerey, und noch einmal(1726.) prüfte er an der Staffeley sein Heil; alliendas Mißlingen seiner ersten Versuche machte ihnso muthlos, daß er die Pinsel zum Fenster hinauswarf, und nur erst allmaliq wieder Vertrauen zusich selbst gewann. Nun malte er mit verjüngtemEifer, wurde aber durch seine Hochjahrigkeit unddie von wiederholten Anwandlungen von Schlageflüssen sehr geschwächten Kräfte nur zu oft unter-brochen. Sein Ziel war erreicht. Er starb »acheinem viertägigen Lager. Job. Caspar Füßli inseiner (der beßten) Biographie unsers Künstlers(H°. Zürch 758 .) bemerkt, daß man die Arbeitendesselben in drey Epochen abtheilen könne Seineerste Manier bildete er sich in Italien ; in der Zeich-nung scheint sie etwas von Lempesta zu haben, imKolorit war sie männlich und stark. In der zweytenahmte er fast gänzlich die Natur nach, studirteseinen Gegenstand genau, und stellte ihn, mit Aus-nahme einer etwas i» Graue fallenden Färbung,in Formen und Ausdruck mit außerordentlicherWahrheit dar; bey dieser Manier blieb er langeZeit. Endlich fand er was er so lange suchte, undworinn er (bald alle andern Künstler seiner Gattunghinter sich ließ: Das Ideal. Daher machten seineGemälde und Blätter nicht bloß plötzlichen Ein-druck, sondern gefielen, und gefallen auf immer.Man hat ihm, vielleicht nicht ganz ohne Grund,vorgeworfen, daß seine Pferde zu einfach seyen;und seine menschlichen Figuren in Kleidung, ilterund Handlung zu wenig Mannigfaltigkeit besitzen.Aber welche Zusammensetzungen! Wie evcl ausge-führt ! Was für Uebereinstimmung in allen Theilen!Seine Bilder, mit aller ihrer Einfachheit, sind sienicht wie beseelt? Bewegt er uns nicht, da woes seyn soll? Beben wir nicht, wenn wir seineSchlachten sehen? Wie sehr er die Anatomie vonMenschen und Thieren verstanden, wird von jedemKenner erkannt. Wer R Blätter durchgeht, wirdbald finden, daß nicht leicht eine Pferdestellungvorkommen kann, welche er nicht nach der Natursiudirt, mit malerischem Geiste gezeichnet, undin seinen zahlreichen Werken angebracht hatte; daßer sich hienächst nie selbst copirk, und eine und die-selbe Stellung wiederholt habe. Keine war ihmzu schwer; mit sichtlicher Leichtigkeit mußte er alleSchwierigkeiten der Perspektive z» überwinden,welche sich sonst dem Zeichner bey den Ansichtengewandter, gestürzter, sich bäumender oder wal-zender Pferde in den Weg stellen. Ueberall bemerktman, wie er einen großen Theil seiner Zeit auf denExercierplätzen der Kavallerie, aufSchlachtseldern,in Feldlagern und bey Belagerungen, auf Reit,bahnen, Weideplätzen und in Stutercyen zubrachte,und dort seine Portefeuille» mit den schätzbarstenStudien und Kunstprodukten bereicherte. DerSpanische Succeffionökrieg, und die in selbigemvon den Franzolen und Bayern unternommeneBelagerung, Bombardirung und endliche Ein-nahme der Stadt Augsburg brachte ihn zwar, durchEinäscherung, um sein nahe an den Festungswerkengelegenes Wohnhaus, so wie um seine meistenKunstschatze und übriges Vermögen. Aber was erselbst aus diesem Unglück hinwieder für Vortheilfür seine Kunst geschöpft, ist schon oben angedeutetworden; nicht selten setzte er sich sogar zu dem Endegroßen Gefahren aus. Daher findet man in seinen,nach dieser Zeit gefertigten Werken Reuter undPferde, nicht bloß in allen möglichen Ansichtenaufs Corrcctcste gezeichnet sondern auch nach ihrenverschiedenen Leidenschaften, in Wuth, Bosheit,Furcht, Schrecken, Schmerzen und Todesangstmit unübertreflicher Wahrheit dargestellt Vorzüg-lich schön sind auf diesen kriegerschen Blättern diedarin angebrachte,, gestürzten, erschossenen odernoch mit Todesqual kanipscndcn Thiere, denen essehr deutlich anzusehen ist, daß sie theils auf denSchlachtfeldern, theils auf den Angern der Scharf-richtereyen nach der Natur stndirt und gezeichnetsind. Seine menschlichen Figuren dann dürsten,wie wir zum Theil schon oben bemerkten, wirklich