der Vorwurf treffen, daß sie für ihre Lange immerzu schwach und mager geformt, und dabey meistin ein und demselben Alter erscheinen. Mit leichter,geistreicher und dennoch kräftiger Nadel, und da-bey äusserst correkt gezeichnet, sind seine geetztenBlatter. Hier ist Alles Leben, Wahrheit undNatur. Man hört die berittenen Offiziere bey derBelagerung Augsburgs sich berathen und bespre-chen; man hört die Ordre des Generals an dieAdjutanten; man vernimmt das Brausen und denHufschlag der Pferde, flieht mit den geschlagnenFranzosen und Bayern über Hals und Kopf, undkann sich, mit Einem Worte, diese kricgerfchen Auf-tritte ganz vergegenwärtigen. Auch auf seinenschönen, äusserst gehaltreichen Schwarzknnstblättern,welche eine weit größere Achtung verdienen, als siegewöhnlich genießen, ruht der vollkommene Geistihres Meisters, und es ist wirklich eine merkwürdigeErscheinung, daß, mittlerweile man im gewöhn-lichen Kunsthandel für ein ungleich weniger wichtigesBlakt von Hugrenburg 2, 3 — 5 . Rthlr. federt,man für den beßten, vielleicht viermal größer,, undschönern Rugendas mit i. bis höchstens 2. Guldensich sehr gerne begnügt. Freylich hatte mau es zuseinen Zeiten in der Schwarzkunstmanier noch nichtzu der hohen Verkommenheit der neuern Engländergebracht, und in dem Gewände dieser letzter» warensie allerdings noch herrlicher erschienen; aber diehinwieder seinen Arbeiten eigenthümliche charakte-ristische Behandlung würde jene mindere Voll-kommenheit vollends vergessen lassen, wenn mansich nur in ältern Feiten besser darauf verstandenhätte, reine Abdrücke zu fertigen, und das heraus-zudrücken, was die Platte herzugeben vermochte.Gute, frische Drücke derselben sind leider! überdiesselten mehr anzutreffen, und man hat Ursache,auf deren Besitz stolz zu seyn. Kann indessen eingerechter Tadel unsers Künstlers Blatter dieserGattung wirklich treffen, so ist es der, daß er esmit dem Helldunkel zu weit trieb, gar zu finstre,schwarze Gründe anbrachte, und durch selbige diebeleuchteten Hauptfiguren zu sehr herausschnitt;ein Fehler, der dadurch noch mehr bemerkbar wird,daß auf den größer» dieser Blätter, gegen alleRegeln der Schwarzkunst, die Conturen ziemlichsichtbar sind; wo hingegen auf den frühern, klei-nern (den 8. Reuter- und ä- Bataillen-Blattern inMittelquerfol.) so wie auch bey verschiedenen Bild-nissen großer Feldherren zu Pferde, jene beyde soeben gerügte Gebrechen sorgfältig vermieden wur-den; die man daher auch für sein Beßres ansehenkann, was sich aber eben äusserst selten gemachthat. Meusel's Arch. I. (i.) 78—88. Hierauffolgt (l. 0. 8g—112. und II. ( 3 .) ,2g— 5 i.) eintrefiich raisonnirtes Verzeichniß aller von und nachunserm Künstler geetzten, gestochenen und geschab-ten Blätter. Von geetzten zählt dasselbe 35 . auf,und nennt unter denselben als capital die sechsnummerirten, welche die Belagerung Augsburgs ,u. a. in dortiger Gegend vorgefallene kriegrischeEreignisse vorstellen; und unter diesen wieder, alsvorzüglich (was er auch mit besondrer Liebegeben mochte!) die — Flucht der Franzosen undBayern , nach der Schlacht auf dem Schellenberge.Dann über ,00. geschabte Blätter, von denen esdie acht Reuter, welche alle Stände eines deutschen Kavallerie-Regiments vorstellen die schönsten indieser Gattung nennt, und endlich in Absicht aufeinige von ganz ungewöhnlicher Größe, wie z. B.die Schlacht, wo Josuah der Sonne das Stillstehnbefiehlt (welches 4/ in die Breite, und 3 ^ in dieHöhe mißt) bemerkt, daß dieses Unmaaß der natür-licheGrund ihrer Seltenheitsey, da solche nicht leichtin Portefeuilles, und noch mindcr hinter Gläsern auf-bewahrt, sondern gewöhnlich an die Wände ge-nagelt wurden, wo sie der leichte Raub aller ArtVerderbens geworden. Vielleicht noch zahlreicher sindbann diejenigen Blätter, welche G. C. Bodenehr,A- Dartsch, I. C. Beyschlag, I. Boecklin, I. A.Eorvinns, Engelbrecht, I. A. Friedrich, I. D.Herz, I. I. Kleinschmidt, B. Probst, sein SohnEhristian Rugendas, A. Schmidt u. a. nach ihm
Rugendas.
gestochen. Die von gedachtem -feinem Sohnmachen schon allein eine Sammlung von vielleichtmehr als 100. Bl. die, wie bekannt, in einer demTuschen mit aufgehöheten Lichtern nicht ganz un-ähnlichen eignen Manier, unter glücklicher Anwen-dung des Helldunkels, mit meisterhafter Leichtigkeitbearbeitet, in mehr oder weniger licht- oder dunkel-und gelb- oder rothbraunen Ockerfarben abge-druckt, und in guten Abdrücken von ungemeincrWirkung sind. Diese haben sämtlich Conture, diehier sehr gut angebracht sind, und dieselben leichtund keck übertuschten Handzeichnungen ganz nahebringen. Neben diesen sollen 4. große Reiterey-gefcchte von Friedrich, einige von Bodenehr undProbst, vorzüglich aber die 12. Dl. Linse <le Elie-vanx, sessinee par et ^ravöe par
sehr bemerkenswerthe Blätter seyn.Von Gemälden besitzen in Deutschland von ihm:Die Gallerte zu N)>en zwey Bataillen-Etücke, nichtgrößer, als seine größten Schwarzkunstblatter; dieMünchner eine Reitschule und einen Pferdemarkt,eben so. (von Männlich urtheilt: Zeichnung
ist zwar richtig, doch fehlt ihr Reinheit und eingrößerer Geschmack. In seiner Färbung war ersehr ungleich; einige seiner Bilder sind schon undhoch von Farbe, andere aber schwach und ein-färbig"); Schleisheim einen Reuterscharmützel,und zwey Landschaften mit Reitbahn u. s. f. stafflet,wieder von derselben Größe; Dresden das ganzkleine Bild eines Schlachtfelds, wo der Priestereinem Sterbenden das Kruzifix zeigt; Salzrhalumeinst das Meiste und Wichtigste: 3 . große Bataillen-stückc, darunter die Schlacht von Fleurus , vornedie Kavallerie von dem Herzoge von Braunschweig ,Ludwig Rudolph; dann 6. kleinere; wobey nicht zuvergessen ist, daß der eben erwähnte Fürst, der desKünstlers Verdienste einzusehen im Stande war, ihnoft auf seinem Zimmer besuchte, aber — ohne ihmfernere Hülfe zu leisten. Sein eigenhändig gemaltesBildniß fand sich noch 1782. unter der Sammlungvon dergleichen Malerbildnissen auf dem Lustschlossedes Grafen F. Lack. von Firmian, zu Leopoldskronbey Salzburg .
*Rugendas (Georg Philipp ), der jüngere,des alrern Georg Philipps ältester Sohn, starb177 - 4 - 7 ä. I- alt. (Sein im Lex. angegebenes Ge-burtsjahr wäre somit unrichtig). Von ihm alsSchwarzkunststecher kennt man z. B. ein BildnißChristoph Rads nach I. Fisches, dann eine Kreu-zigung nach I. D. Herz, einen St. Hieronymnsnach Maggeü, und einen St. Augustin nach F.Siccrist. Hinwieder nach ihm: Die Zeit vonNilson, und 4. Bl. allerhand Gattung Hunde, vonG. H. Schifflin.
* — —^ (Jeremlas Gottlob), Georg Phi-lipp des altern dritter Sohn, st. 1772. 62. I.alt. Von ihm führt ein Verzeichniß meines sei.Vaters an die 3 c>. Bl. an. die er nach I. W.Baumgartner, C. le Brun (Constantins Schlacht),G. Eichler (das schöne Bildniß des KurfürstenMaximilian Josephs von Bayern ), M. Günther,I. D. Herz, I. E. Nilson, I. I. Preisler, G.Reni (die Mäßigkeit), I. Ribera, F. Trevisani(ein Abendmahl), Wolker, und D. Zampieri (dieKlugheit) geliefert hat. Dieser Künstler wandtesich nach Preßburg , wie wir aus dem mittelmäßigenBildnisse des Rechtsgclehrten Johann Serpiiius(was mit seinem Namen und: so. ?osc,nii 1743.bezeichnet ist) ersehen.
— — (Johann Franz oder wohl richtigerJohann Lorenz), ein Enkel Georg Philipp desalrern (des Ieremias Gottlob Sohn), ebenfallsKupferstecher, von dessen Arbeiten im Mensel-sehen Arch. I. 5 o. sehr rühmlich gesprochen
wird, geb. zu Augsburg 1775. lernte bey seinemVater. In i 8 o 5 . gab nämlich derselbe, als Fort-setzung (heißt es dort) seiner größern wohl aufge-nommenen Schlachtenstücke (Verona und Marcngo)die Einnahme von Mannheim (179g.) durch denErzherzog Carl, und die in demselben Jahr von