67
Feodor Iwanowitsch
Enkel, der Herzoge von Burgund , Anjou und Berry, an. F. bildete mit Glückden Geist des Herzogs von Burgund, der zum künftigen Beherrscher Frankreichs bestimmt war, und streute den Samen aller einen Fürsten zierenden Tugendenin sein Herz, aus denen das Glück Frankreichs entsprossen sein würde, wennnicht ei» frühzeitiger Tod diese schönen Hoffnungen vernichtet hätte. 1695 wurdeF. zum Bischof von Cambray ernannt. Ein theologischer Streit (s. Quie-tismus), den er damals mit Bossuet, seinem vormaligen Lehrer, hatte, endigtedamit, daß seine Lehrsätze von Znnocenz XII. verdammt, und er von Lud-wig X IV. in seinen Sprengel verwiesen wurde. F. unterwarf sich unbedingtund ohne Vorbehalt. Zn diese Zeit (1694 — 91) fällt sein erst 1825 bekanntgewordenes Schreiben an Ludwig XIV. , in welchem er dem verblendeten Mon-archen die Wahrheit offen sagt („l.ettie <Ie länelon ü XIV. nvec
Ibeniinüc", herausgeg. vom Buchhändl. Renvuard, Paris 1825). Er lebtevon setzt an in seinem Eprengel als ein würdiger Erzbischof und christlicher Phi-losoph. Eine Brustentzüiidung endigte sein Leben 1115. Philosophische, theo-logische und belletristische Werke haben seinen Namen unsterblich gemacht. Manerkennt in ihnen einen, durch die besten ältern und neuern Schriften genährte»,und durch eine lebendige, anmuthige und blühende Phantasie beseelten Geist.Sein Styl ist fließend, angenehm, rein und harmonisch. Sein vorzüglichstesWerk ist: „I.es !,vci,t>i,«-8 <>e 'IV'!e»i->guk" , in welchem er als Erzieher desPrinzen das Muster einer fürstlichen Erziehung aufstellen wollte. Es soll ihmdurch seinen Kammerdiener heimlich weggenommen und nachher zum Druck be-fördert worden sein. Seit Erscheinung dieses Buchs war Ludwigs Ungnade gegenF. entschieden. Denn der König erblickte in diesem historischen Romane eineSatyre auf seine Regierung und verbot die Vollendung des schon begonnenenDrucks. Übelwollende erkannten, woran F. nicht gedacht hatte, in der Kalypsodie Frau von Montespan , in der Eucharis das Fräulein FomangeS, in der An-tiope die Herzogin von Burgund, im ProresilauS den LouvoiS , in dem Zdomc-neus den König Jakob, und im Sesostris Ludwig XIV. Leute von Geschmack,die nur auf das Werk selbst sahen, bewunderten es als ein Meisterstück, daseine treffliche Regentenmoral in dem gefälligsten, wenn auch modernen Gewändevorträgt. ZweiZahre nach des Verfassers Tode gaben seine Erben den „Telemach"vollständig in 2 Bänden heraus; er ist seitdem unzählige Mal gedruckt undübersetzt worden. 1819 wurde F. durch öffentliche Unterzeichnung von derNation ein Denkmal bestimmt, und am 1. Jan. 1826 seine vom BildhauerDavid, verfertigte Bildsäule zu Cambray aufgerichtet. F.'s „Lebensgeschichtenach Origiiialhaiidschriften" gab Bausset heraus (deutsch von Feder, 3 Bde.,Würzburg 1811), und Champollion-Figeac machte noch ungedruckte Briefe vonihm durch den Druck bekannt. „Oeu., le« cl>nis,e8 <!e kä ui-lon", nebst seinem„Illo-;, " von Laharpe und einer biogr. literar. Notiz von Villemain, erschienenzu Paris 1825 in 6 Bdn.
Feodor Iwanowitsch, großherzoglich badischer Hofmaler. Diesermerkwürdige Künstler wurde um 1165 in einer kalmückischen Horde an der rus-sisch-chinesischen Grenze geboren; von seinen Familienverhältnissen weiß er nichts,und es ist ihm aus seiner Kindbeit bloß die Erinnerung an seine Gefangennehmungdurch die Russen geblieben. Da er von den Russen weggeführt worden ist, somuß er zum torgotschen Stamm gehört haben, der sich unter russischen Schuh be-geben hatte, aber, auü Unzufriedenheit mit den Moskowiten, zu Ente 1110 seinendamaligen Aufenthalt verließ und sich zu den Chinesen wendete. Auf diesem Zugewurde ein kleiner Haufe der flüchtigen Horde von den Kosacken auf einem Bergeeingebolt, und, da die Männer Widerstand leisteten, qrößtentheilS niedergemacht,der Rest aber gefangen. F. erinnert sich noch des Überfalls. Eine Frau, von
5 *