68 Feodosia Ferdinand l., U. (deutsche Kaiser)
welcher er glaubt, sie möge wol seine Mutter gewesen sein, versuchte das Äußerstezu seiner Rettung, doch ohne Erfolg. Der 5 — 6jährige Knabe wurde nachPetersburg gebracht und von der Kaiserin in Schutz genommen, woraus sich muth-maßen läßt, daß er einem kalmückischen Fürstenstamme angehörte, was auch einrussischer Officier bestätigte, der bei dem Überfalle zugegen war. In der Taufeerhielt er den Name» Feodor Jwanowitsch. Die Kaiserin Katharina schenkte denKnaben der damaligen Erbprinzessin (jetzigen Frau Markgrüsin Mutter) Amalievon Baden . Diese edle Fürstin sorgte für ftine Erziehung und Ausbildung. Erbesuchte die Schule in Karlsruhe und wurde hierauf in das Philamropin nachMarschlins geschickt. Seine Neigung entschied sich für Malerei, und er erhieltden ersten Unterricht von dem Hofmaler Melling, dessen «Ltohne wir die schönenAnsichten von Konstantinopel verdanken. Später genoß er der Leitung des Aale-,riedirectors Becker. (Gehörig vorbereitet, ging er nach Italien und blieb 7 Jahrein Rom , wo sein Kunsttalent sich vielseitig entwickelte. Don da ging er mitLord Elgin nach Griechenland und zeichnete die Bildwerke, deren Bekanntmachungwir dem Eifer des britische» Reisenden verdanken. Er folgte hierauf dem Lord nach London , um die Aufsicht über den Stich des Elgin'schen Werkes zu führen.Nach einem 3jährigen Aufe»thalte daselbst kehrte er nach Karlsruhe zurück undwurde vom verstorbenen Großherzoge, Karl Friedrich, als Hofmaler angestellt.— Die Natur hatte diese» Künstler vielleicht mehr zum Bildhauer als zumMaler bestimmt, denn in seinen Werken herrscht durchaus das plastische Principvor, wie er sie denn auch meist Grau in Grau ausführte, wobei er sich dem Reliefmehr nähern konnte. Durch ei» anhaltendes L7tudium der Antike und der altenflorenrinifchen Meister hat er sich ihren bestimmten, strengen, großartigen Stylvollkommen angeeignet, und wenn in seinen religiösen Darstellungen die Ruhewaltet, welche der feierliche Ernst des Gegenstandes erheischt, so ist dagegen inseinen Bacchanalen Alles in lebenvoller Bewegung, und er vereinigt hier niitdem Feuer des Giulio Romano die Kühnheit und Kraft von Buonarokii. Inseinen Köpfen zeigt sich eine erstaunliche Mannigfaltigkeit und jene Individualität,wie sie nur ein Künstler hervorbringen kann, der mit Hellem, freiem Blick ins Le-ben schaut. Nur Eines ist ihm fremd geblieben — weiblicheHuld. Zwar fehlt esseinen Frauen nicht immer an Hoheit, doch ist bäusig ein Zug unangenehmer Sen-sualitär beigemischt; mitunter sind seine Gestalten auch zu gedrungen, und er liebtes zu sehr, die Gewänder in eine Menge kleiner Falten zu brechen. Meisterhafthat er verschiedene Blätter radirt, u. a. die Thüren von Ghisberti, eine Kreuz-abnahme nach Volrerra:c. 76.
Ferdinand, römisch-deutsche Kaiser. 1) Ferdinand 1. , Karls V.Bruder, dem er als deutscher Kaiser 1558 folgte, nachdem er schon 1531 zumrömischen König erwählt worden, und seit 1526 König von Ungarn und Böhmen war. 1559 hielt er einen Reichstag zu Augsburg, auf welchem Deutschland eine Münzordnung erhielt, und wo von den Protestanten mehre Religionsbe-schwerdcn vorgetragen wurden. Ferdinand war sehr duldsam und wirkte aufdem trideniimschenEoncilium, das 1562 wieder eröffnet worden war, seinen Un-terthanen mehre religiöse Freiheiten aus. Auch erhielt unter ihm der Reichshof-rath seine bestimmte Ordnung. Doch er bestieg scbon zu bejahrt den deutschenThron, um so viel Gutes, als er wol gekonnt, für Deutschland auszufübren. Erstarb 1564. — 2) Ferdinand >>., dem sein kinderloser Vetter Matthias,welchem er als deutscher Kaiser folgte, schon 1617 die Nachfolge in seinen gesamm-ten LLtaaten zugesichert hatte, bestieg zu einer Zeit den Kassel thron, wo der Drei-ßigjährige Krieg (s. d.) im Ausbruch und das östr. Haus in großer Gefahrwar. Er war ein finsterer, verschlossener Mann, von den Jesuiten zu Ingolstadt