Band 
Vierter Band. F bis G.
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Ferdinand I. (König beider Sicilien)

bestieg. Ferdinand I V. übernahm die Regierung, die bis dahin durch einen vonseinem Vater eingesetzten Regentschafksrath, unter dem Vorsitze des berühmtenMarchese Tanucci, vormalige» Professors der Rechte zu Pisa , geführt war, am12. Jan. 1767. ^cine und seines ältern Bruders (Karls I V., Königs von Spa-nien ) Erziehung hatte der Prinz von Sänke Nicandro geleitet, ein rechtschaffenerVdann, aber von beschränkter Einsicht, daher auch Ferdinand, obwol nicht ohneglückliche Anlagen, sehr unwissend blieb und sich späterhin vergnügenden Zer-streuungen (Jagd, Fischfang u. s. w.) ganz überließ. Als Kind äußerte Ferdi-nand viel Liebe für das Volk; auf seinen Spaziergängen verweilte er oft mittenunter Knaben seines Alters, plauderte mit ihnen, gab ihnen Meld und lud sie ein,ihn zu besticken. An Festtagen ergötzten ihn die Spiele einiger Kinder der Lazza-roni, und er ließ seine lieben Kameraden, wie er sie nannte, gut bewirthen. Ein sol-cher Knabe gewann sogar seine Freundschaft, und er sorgte für dessen Glück. Soward Ferdinand der Liebling des Volks. 1768 vermählte ersieh mit Marie Karo-line, Tochter der Kaiserin Marie Theresia . Diese geistvolle und liebenswürdigeFürstin erlangte bald auf F. einen entschiedenen Einfluß. An der Spitze der Ver-waltung stand damals noch der erste Minister Tanucei. Dieser schaffte 1761 denLehntribut des weißen Zelters, den derPapstbiSher jährlicherbalten hatte, ab, ver-lor aber die Gnade Karls III. von Spanien und nahm 1777 seinen Abschied. AnseineStelle trat der Marchese della Sambuca. Jetzt widmete der König, von seiner-Gemabli» aufgefodert, seine Zeit öfter den RegierungSgeschäsren, doch that er nichtsohne den Raih der Königin. Sambuca suchte daher den König durch eine schöneEngländerin, die in Neapel mit einem Franzosen (Goudar) verheirathet war, vonseiner Gemahlin abzuziehen ; allein die Königin bemerkte dies, und Hr. und Pfad.Goudar wurden aus Neapel verbannt. Seitdem stieg die Macht der Königin, undSambuca, der von ihr in einem auf-esangenen Briese dem madrider Eabinet eineungünstige Schilderung gemacht harte, mußte sich 1781 in seine Vaterstadt Pa-lermo zurückziehen. Der Ritter Acron (s. d.) wurde sein Nachfolger. Dieser folgteganz dem Wille» der Konigin, und das Eabinet von Madrid verlor allen Einflußauf das von Neapel , welches sich mebr an Östreich und England anschloß. Aberbald zog die franz. Revolution Neapel in ihre Wirbel hinein. Als nämlich aufdasVerlangen der franz. Regierung, alle Verbindung mit England abzubrechen, derHof von Neapel schwankte, erschien La Touche mit einem franz. Geschwader vorder Hauptstadt und erzwäng die Annabmc der vorgeschriebenen Bedingungen. Al-lein nach Ludwigs XAl. Tode trat Ferdinand zu der Coalition gegen Frankreich und nahn« von 1 "93 — 96 an dem allgemeinen Kriege Theil. Nach 2 Friedens-jahren machte ihn Nelson'S Sieg beiAbukir abermals zu einem Feinde Frankreichs ,welches aber, nack den Niederlagen der Neapolitaner unter Mack, sich des ganzenKönigreichs bemächtigte (23. Jan. 1799) und die parthenopeische Republik pio-clamirte. Der Hof, nebstActon, hatte sich bereits den 21. Dec. 1798 von Neapel nach Palermo geflüchtet. Doch schon den 21. Juni 1799 fiel die Hauptstadt wie-der in die Gewalt des RoyalistenheerS unter dem Eard. Ruffo (s. d.), und vieleAnhänger der Republik wurden hingerichtet. (2. Speziale.) Erst im Ja».1800 kehrte der Hof nach Neapel zurück, und Spanien schloß mit dem^ersten Eon-sul einen Vertrag, durch welchen die Integrität des Königreichs beideröLicilien ge-sichert wurde. Dessenungeachtet mußte Ferdinand in dem Frieden mitFrankreich(Florenz , 28. März 1801) den Stato degli Presidj u. s. w. abtreten und franz.Truppen in seinem Königreiche aufnehmen; auch in dem NeutralitätSvertrage von1805 versprechen, den Truppen der kriegführenden Mächte keine Landung zu ge-statten. Als nun gleichwol im Nov. 1805 eine russisch-englische Flotte vor Neapel erschienen war und 12,000 M. Russen gelandet hatte, so ließ Napoleon , der indiesem Schritte eine treulose Theilnahme Neapels an den Feindseligkeiten gegen