nicht. Im Oct. 1801 ward er zu Barcelona mit Antoinette Theresie, König Fer-dinands lV. von beiden Sicilien Tochter, vermählt. Diese Prinzessin war liebens-würdig, geistvoll und gut erzogen. Jedermann beeiferte sich, ihr zu gefallen, undder Prinz von Asturien liebte sie zärtlich. Da man über sie die Königin vernachläs-sigte, so entstand Eifersucht. Der König und die Königin liebten die Schwiegertoch-ter nicht. Weil sie dem Günstlinge, der vergebens ihre Gunst gesucht hatte, keineErgebenheit bewies, so beschuldigte man sie, daß sie einen zu großen Einfluß auf denPrinzen, ihren Gemahl, ausübe, und ihm ihren Haß gegen die Franzosen mittheile.Don Kummer und Verdruß über erlittene Kränkungen, besonders von Seiten derKönigin, verzehrt, starb die Prinzessin den 21. Mai 1806, 22 Jahre alt, ohne Kin-der. Godoy dachte jetzt daran, den Prinzen mit einer Verwandten des franz. Kai-sers aus der Familie Beauharnais zu vermählen; allein F. widersetzte sich einersolchen Verbindung; auch gab er dem stolzen Günstlinge noch bei ander» Gelegen-heiten seine Verachtung zu erkennen. Einige Große suchten daher das Vertrauendes Prinzen, mehr in der Absicht, durch ihn ihren Haß gegen den FriedensfürstenGodoy zu befriedigen, als eine bessere Ordnung der Dinge in Spanien herzustellen.An der Spitze dieser Partei stand der Herzog von Infantado. Uin den Prinzenfür seine Absichten zu gewinnen, zog er einen Feind des Fricdensfürsten, denKa-nonicus Escoiquiz, der mit Hülfe Englands aus Spaniens Wiedergeburt wirkenzu können glaubte, in den Verein. Man stellte F. vor, daß Godoy nach des Kö-nigs Tode ihn wol gar vom Throne verdrängen könne, da er ohne allen Einfluß,von seinem Vater verkannt und von der Königin gehaßt sei. Schon 1806 wurdeder Prinz so weit gewonnen, daß er dem Herzoge von Infantado für den Sterbe-fall Karls I V. den Oberbefehl über die Truppen in Neucastilien übertrug. Zu-gleich schrieb er mit eigner Hand einen Aufsah, worin des Friedensfürsten Über-niuth und Habsucht mit den grellsten Farben geschildert, und der König gebetenwurde, den Günstling zum Wohle des Throns und der Nation zu entfernen.Diese Denkschrift sollte dem Könige überreicht werden. Man ging noch weiter.Als 1807 ein franz. Heer, um Portugal zu besetzen, in Spanien einrückte, näherteman sich dem franz. Gesandten zu Madrid, Beauharnais , und auf den Rathdesselben schrieb F. (11. Oct. 1807) an Napoleon und gab demselben denWunsch zu erkennen, sich mit einer franz. Prinzessin (der ältesten Tochter Lucians)zu vermählen. Dieser Schritt blieb dem Friedensfürsten nicht verborgen; erwußte sich der Papiere des Prinzen zu bemächtigen, und mit ihnen lag der Plandesselben gegen ihn klar vor Augen. Er eilte zur Königin, und Beide suchten denKönig zu überzeugen, daß sein Sohn ihm nach Leben und Krone trachte. F. undseine Dienerschaft wurden im Escorial verhaftet; das Verhör desselben fandin der Nacht vom 28. — 29. Oct. in den Zimmern des Königs, in Gegenwartder Minister und der Präsidenten des Conseils, statt. Eine vom Friekensfür-sten eigenhändig geschriebene, an den Rath von Castilien gerichtete königl. Kund-machung vom 30. Oct. 1897 erklärte den Prinzen und dessen Diener für Der-räther. Allein die öffentliche Stimme klagte den Friedensfürsten als den Urhe-ber der ganzen Sache an. Dieser machte daher den Vermittler, und der Prinzunterzeichnete in seinem Verhaft einen Brief, worin er seinen königl. Vater umVerzeihung bat. Dieser verzieh, aber der Herzog von Infantado und die übrigenTheilnehmer wurden vom Hofe verwiesen. Die Erbitterung des Volks gegenGodoy führte, als der König Anstalt treffen ließ, seinen Sitz nach Sevilla zu ver-legen, die Revolution von Aranjuez (18. März 1808) herbei. (S. Spa-nien.) Der König entsagte am 19. seiner Krone, und Ferdinand VII. wurdevon dem Volke als Retter des Vaterlandes begrüßt. Der Herzog von Infantadoward Commandant der spanischen Garden und Präsident des Raths von Castilien .Allein der alte König schrieb durch Murat an Napoleon und erklärte seine Thron-
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