Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
86
JPEG-Download
 

86

Fcß Feßler

dann in den früher ergriffenen geistlichen Stand zurück, als sein großer Verwand-ter die Zügel der Regierung von Frankreich übernahm. Nach dem Concorden von1801 wurde er Erzbischof von Lyon, und 1803 Cardinal. Als franz. Gesandterin Rom , seit dem 1. Juli 1803, betrug er sich mit Verstand und Feinheit. 1804begleitete er den Papst nach Paris zu dem Krönungsfeste. Im Jan. 1805 er-mannte ihn Napoleon zu seinem Großalmosenier, und, mit dem großen Bande derEhrenlegion geschmückt, den 1. Febr. zum Senator. Im Juli gab ihm der Kö-nig von Spanien den Orden des goldenen Vließes. 1806 bestimmte ihn der Kurs.Erzkanzler, nachmals Fürst Primas, von Dalberg, zu seinem Coadjutor undNachfolger; allein Napolwn genehmigte dies nicht, weil er sich im Nationalcon-cilium 1810 seinen Absichten und seinem Verfahren, in Betreff des Papstes, mitNachdruck widersetzt hatte. F. schlug nun seinerseits 1809 das ErzbiSkhum vonParis aus und lebte in einer Art von Ungnade auf seinem erzbikchöfl. Sitze zuLyon bis 1814. Von hier flüchtete er, bei der Annäherung der Östreicher, nachRoanne, und begab sich darauf mit Mad. Lätitia Bonaparte nach Rom . NachNapoleons Rückkehr von Elba stellte er sich, nebst andern Mitgliedern der Familie,wieder in Paris ein und wurde zum Pair ernannt, mußte aber nach der Schlachtvon Warerloo abermals Frankreich erlassen. Seitdem lebt er in Rom , wo ihnPiuS Vil. sehr schätzte. F. verweigerte mit eben dem standhaften Muthe, mitwelchem er sich früher der Willkür Napoleons in der Periode von dessen höchsterMacht zu widersetzen wagte, das Ansinnen der Bourbons, sein Recht auf denBischosstuhl von Lyon einem Andern abzutreten; die jetzige Regierung Frankreichs hat sich jedoch dadurch nicht abhalten lassen, gegen des Erzbischofs Willen, einenAbbä von Rohan, der kürzlich Seminarist war, aber von altem Geschlecht ist,zum Generalvicar des ErzstifteS zu ernennen. Indeß hat auch ein päpstl. Breve1824 dem Card. F. die Ausübung seiner geistl. Gerichtsbarkeit in dem Sprengelvon Lyon untersagt.

Feß oder Fez und Marokos, ein mohammed. Reich, welches dieReiche Fez oder Feß, Marokos , Sus und Tasilet begreift. (S. Maroceo.)Das Königreich Fez, ein Küstenland im nordwestl. Afrika, grenzt östlich an Algier ,ist 4200 mM. groß und hat gegen 5 Mist. Einw. (Mauren, Berbern, Christen,Juden, Renegaten). Das Klima ist wegen der verschiedenen Arme des Atlas-gebirges, die das Land durchstreichen, und wegen der Nähe des Meeres gemäßigt.Der überaus fruchtbare Boden bringt Getreide im Überfluß, Wein, Baumwolleund Südfrüchte hervor, und die Viehzucht, hauptsächlich die Pferdezucht, ist vor-trefflich. Die Bergwerke sind ergiebig an Gold, Silber, Eisen und Kupfer. DieManufacturen liefern vorzüglich Corduan, Saffian und vergoldetes Leder. Mitdiesen Artikeln und mit den natürlichen Producten des Landes wird ein bedeutenderHandel geführt. Feß, die wichtigste Handelsstadt des Reichs, die schönste in derBerberei, an dem kleinen Flusse Feß (oder Perlenflusse), hat über 70,000 Einw.,berühmte Schulen, eine für Afrika sehr bedeutende Bibliothek, 200 Moscheen undwichtige Fabriken. Über den Zustand der arabischen Literatur in Fez s. Ali Bey'S(eines Spaniers) „Reise in Maroceo, Tripoli u. s. w. 1803 und 1807". Nochliegen im Köuigr. Fez die kaiserl. Residenzst. MekineS, die Hafenstädte Tetuan ,Tanger , Larasch, wo im Juni 1829 östreich. Kriegsschiffe einen Angriff versuchtenund die Küste blockirtcn, um wegen weggenommener östr. Handelsschiffe Genug-thuung zu erhalten. Über die spanische» Presidios s. Ceuta.

Feßler (Ignaz Aureli»?), I). der Theologie, berühmt durch seine man-nigfaltigen Schicksale und Schriften, lind vorzüglich durch sein Wirken als Geist-licher und Freimaurer, lebt jetzt als bischöflich consecrirter Superintendent der evan-gelischen Gemeinden in den neuen russischen Gouvernements an der Wolga , undals Consistorialpräsident zu Saratow . Er wurde im Juli 1756 zu Czurendorf in