108 Fielding
und es war nichts Ungewöhnliches, daß er an einem Vormittag ein Paar?luf;ügevollende«?, u«id ganze Austritte auf das Papier schrieb, worein sein Lieblingstabackgeivickelt «var. Bei einzelnen Blitzen seines Geistes und manchen glücklichen Zügen«n der Charakterzeichnung, sind sie doch nicht unverdient in Vergessenheit gefallen;sie leiden besonders an einer Schwerfälligkeit, die sich aus dem Umstände, daß F.sich hier nicht in dem seinem Geiste zusagenden Felde befand, erklären lassenmöchte. Die ungewissen Hülfsmittel, welche die Bühne ihm gab, suchte er da-durch zu sichern, das, er 1135 an die Spitze einer Gesellschaft trat, die er aus ent-lassenen Schauspielern sammelte, und die unter dem Rainen der Schauspieler-truppe des Großmoguls seine Stücke aus dem kleinen Theater in Haymarket auf-fübren sollie; aber der Plan mißlang. Bald nachher verheirarhete er sich miteinem schonen und li benswürdigen Mädchen, die ihm eine Mitgift von 1500Pfund brachte, und da er um dieselbe Zeit durch den Tod seiner Mutter ein Land-gut in der Grafschaft Derby erbte, das jährlich 200 Pfund eintrug, so hatte erein Einkommen, wovon man zu jener Zeit anständig keb?n konnte. Er zog anst?Land, nahm aber zumUnglück auch seinen Leichtsinn mit, und in 3 Jahren war erohne Landgut, ohne Dbdach, okne einen Schilling Einkünfte, und brachte wahr-scheinlich weiter nichts mit nach London als die Kenntniß des Landlebens und seiner'Annehmlichkeiten, die ihn später in den Stand setzte, den unvergleichlichen JunkerWestern (im „Ton« IoneS") zu schildern. Er widmete sich nun wieder der Rechts-wissenschaft, und nach der gewöhnlichen Vorbereitung im Temple übernahm erSachwaltergeschäfte; die ältern RechtSgelehrten aber, die auf das Fortkommen derjunger«« Berufsgenossen einen fordernden oder hemmenden Einfluß auszuüben imStande sind, mochten ein-nn Schöngeist und Lebemann nicht so viel Fleiß zutrauen,daß sie ihm Aufträge butten geben mögen«, auch soll F. durch sein Betragen diesesMißtrauen gerechtfertigt haben. Als Gichtbeschwerden, die nachrhestigen Folgenseiner Lebenoweise, seine Kräfte untergruben, nahm er seine Zuflucht wieder zurBühne, aber ohne Erfolg; politische Streitschriften, Flugblätter und Aufsätzein Zeitschriften gaben ihm zunächst die Mittel zum Unterhalte der Seinigen. End-lich führte» ihn zufällige Umstände um lltl dahin, sich einem Fache zu widmen,das er aus dem Verfalle, worin er es fand, erheben und zu einem classischen Ge-biete der englischen Literatur umbilden sollte. Unter allen Erzeugnissen des engli-schen Genius sind F.'s Romane vielleicht am meisten volksthümlich; sie sind nichtnur im eigentlichsten Sinne des Wortes unübersetzbar, sondern sie möchten selbstvon denjenigen Bewohnern Schottlands und Irlands , die mit AltenglandS Sit-ten lind Eigenheiten nicht ganz vertraut sind. kaum völlig verstanden oder genossenwerden können. Diese Volksthünilichkeit scheint darin ihren Grund zu haben,daß F. in verschiedenen Lebenszeiten einen genauen Verkehr mit allen Nolkselassenin England hatte, aus welchen er, unnachahmlich in feiner Auswahl und leben-diger Schilderung, seine Bildnisse aufgegriffen hatte. Der Roman „Pamela",der 11t0 erschien, hatte Richardson (s. t.) berühmt gemacht. F. war esvielleicht überdrüssig, ein Buch überschätzen zu hören, das man sogar von derKanzel empfahl, vielleicht war ikm auch, als einem Schriftsteller, der für dastägliche Brot arbeitete, jeder Gegenstand willkommen, der gerade die Menge be-schäftigte, oder vielleicht konnte er sich nicht enthalten, die Götzen des Tages zuverspotten: genug, er wollte die Darstellung, die Grundsätze und Charaktere desviel gelesenen Buches in ihrer komischen Seite zeigen, und so entstand die Geschichtedes ,,Joseph Andrews". Die so fein verspottete ,,Pamela" ist fast vergessen, ober„Ioftph Andrews" wird immer gelesen wegen der trefflichen Sittengemälde, die eruns liefert, und vor Allem wegen der unvergleichlichen Schilderung des AbrahamAdams, die allein hinreichend sein würde, F.'s Vorzüge in diesem Fache zu be-gründen. Der gekränkte, für Lob und Schmeichelei so empfängliche Richardson