Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
110
JPEG-Download
 

110

Fiesco

mit mehr als allen Lichtern, die jene zuweilen heben. „Amalia" (1751) war Fiel-ding's letztes Werk von Bedeutung, aber im Ganzen weniger anziehend als „Jo-seph Andrews" und „Tom Jenes", wiewol es durch Charaktere gehoben wird, diemit einer Kraft und Schürfe gezeichnet sind, wie es nur F. vermochte. Trotz frühe-rer unglücklicher Versuche unternahm er eine neue Zeitschrift: „Das Journal vonCoventgarden"; aber es war sein Fehler, daß er kein Unternehmen der Art, wozuschriststellerischeGewandtheit,Witz undKenntnisse ihn ausgezeichnet geschickt mach-ten, sortführcn konnte, ohne sich in Parteigezänk und unbedeutende Streitigkeiteneinzulassen, wie er denn auch bei dieser Gelegenheit unter Anderm mit Smollet(s. d.), der sonst unter allen Schriftstellern am meisten sein Geistesverwandter war,in eine Fehde gerieth, die beiden Parteien keinen Ruhm brachte. F.'s Lebenskraftwar indeß fast erschöpft, und die Anstrengungen, womit er den Plan des damaligenMinisters, heimlichen Räubereien vorzubauen und die Polizei der Hauptstadt zuverbessern, unterstützte, untergruben vollends seine zerrüttete Gesundheit. Auf denRath seiner Arzre ging er 1754 nach Portugal . Unterwegs schrieb er mit der zit-ternden Hand eines Sterbenden die unvollendet gebliebene „Reise nach Lissabon ",ein auffallendes Beispiel seiner natürlichen Seelenstärke, welche, niit Niedergeschla-genheit und krankhafter Reizbarkeit kämpfend, hier noch immer einige Blitze desglänzendsten Witzes leuchten ließ. Drei Monate nach seiner Ankunft in Lissabon starb er, im Der. 1754, 48 I. alt, in der Kraft seines gereiften Geistes. SeineMerke sind oft, z.B. mit seiner Lebensgeschichte von Murphy (1784, in 10 Bdn.),und seine Romane neuerlich im ersten, auch unter besonder!» Titel verkäuflichenBande der in Edinburg erschienenen „bievcliLt's libr.n mit einer trefflichen, indiesem Art. benutzten biographisch-kritischen Einleitung'«»,! Walter Scott , heraus-gegeben worden. Don „Tom Jones" lieferte Bode eine Verdeutschung; dieneueste ist von Wilhelni von Lüdcmann (4 Bde., 1826).

Fiesco (Giovanni Luigi de' Fieschi ), Graf von Lavagna, ein feuriger,unternehmender, stolzgesinnterMann, entsprossen aus einem der edelstenGeschlech-ter Genuas , dem die Natur neben allen Eigenschaften, welche die Liebe und Be-wunderung der Menge zu fesseln vermögen, ein Herz voll Ehrsucht und Herrschbe-gier gegeben, und der, dem täuschenden Schimmer einer Krone einen glücklichenPrivatstand aufopfernd, fast am Ziele eines kühnen Unternehmens von der Rachedes Schicksals ereilt ward. F. ward 1524 oder 1525 geboren; eine treffliche Er-ziehung bildete seine großen Anlagen, und der frühe Tod seines Vaters setzte ihnin den Besitz eines beträchtlichen Vermögens. Allein schon im 11. Jahre verflochtihn sein unruhiger Ehrgeiz in eine Unternehmung wider sein Vaterland, welche einsonst verdienstvoller Genueser aus Unzufriedenheit mit der Regierung auszuführensuchte; nur F2S große Jugend rettete ihn von der Strafe. 1544 nahm er aneinem andern Entwürfe, Genua mit stanz. Truppen zu überfallen, Theil, wasjedoch unterblieb, weil das dazu bestimmte Corps auf seinem Marsche von einemCorps Östreicher geschlagen wurde. Zu F.'s Ehrgeiz kani bald auch Eifersucht aufdas große Ansehen der Familie Doris und ein durch erlittene Beleidigungen in ihmaufgeregter Haß gegen Joh. Doria, den Neffen des Dogen. F. sah kein andresMittel, den künftigen Regenten Genuas zu stürzen, als den Umsturz der ganzenRegierung; da Frankreich und der Papst schon längst mit Genua undDoria, undüberhaupt mit der Macht des Kaisers in Italien unzufrieden waren, so wendete ersich an Beide. Er ging selbst nach Rom ; die ihm vom Papste vorgeschlagenenBedingungen nahm er nicht sogleich an, kaufte jedoch 4 Galeeren, die der Papstzu bemannen versprochen hatte, unter dem Vorwande, sie unter seinem BruderHieronymus gegen die Türken kreuzen zu lassen; 2000 M. Hülfstruppen warenihm überdies von dem Herzog von Parma versprochen. Durch diese Zusicherun-gcn aufgemuntert, durch Johann Doria's wachsenden Übermuth noch mehr erbn-