Filangieri 111
Filangieri, als der dritte Sohn seines nicht sehr bemittelten Vaters zum Militair-diente bestimmt, begann denselben in seinem 14. Jahre, verließ ihn jedoch baldund widmete sich den Wissenschaften mit solchem Eifer, daß er, trotz der Versäum-,niß in seiner Jugend, bereits im 24. Jahre Griechisch, Lateinisch, alte und neueGeschichte, das Naturrccht und das bürgerliche Recht vollkommen inne halte, unddabei noch bedeutende Kenntnisse in der Mathematik besaß. Jetzt schon faßte erden Plan tu 2 Werken, einem über die öffentliche und Privakerziehung, der» andernüber die Moral der Fürsten , gegründet auf Vernunft und die bürgerliche Ordnung.Auch widmete er sich, nach dem Wunsche seiner Familie, den Geschäften desSachwalters. Seine Beredtsamkeit und Wissenschaft verschafften ihm großen Bei-,fall< und als er die zeit-, und vernunftgemäßen Reformen, welche der damalige ersteMinister in Neapel (Tanucci ) 1744 durchsetzte, in einerRede gegen die blinden An-feindungen der Anhänger des alten, schlechten Systems siegreich vertheidigte, daerklärte sich Tanucci zu seinem Beschützer. F. erhielt bald ansehnliche Stellenam Hofe, was ihn jedoch nicht verhinderte, auch ferner seinen LieblmgSstudientreu zu bleiben. Er arbeitete an einem Werke, welches im Fache der Theorie derGesetzgebung musterhaft werden sollte, und da eben der berühmte Beccaria zuMailand sein Werk über Verbrechen und Strafen hatte erscheine» lassen, welcheseine Art von Epoche in der Criminalgesetzgebung bildete, so wollte nun F. in demseinigen die Gesetzgebung i» allen ihren Zweigen und Beziehungen umfassen unddie allgemeinsten Grundsätze derselben aufstellen. Er begann dieses große Unter-nehmen mit Muth und Besonnenheit, und führte es zu seiner und der WissenschaftEhre mit Gründlichkeit und tiefem Geiste aus. Er theilte das Werk: „I.a «c-ie,,?.:«elella lepstzlae.xiiie", in 7 Bücher, wovon das erste, welches die allgemeinen Re-geln der Gesetzgebung enthält, und das zweite, welche« die politischen und ökonomi-schen Gesetze zum Gegenstände hak, 1780 z» Neapel in 2 Ddn. erschienen. Nichtnur in Italien, sondern in ganz Europa machte dies Werk außerordentliches Auf-sehe», und der Vers. sah sich in seinem 28. Jahre unter den berühmtesten Publi-cisten genannt. Er spricht mit Freimüihigkeü über viele Mißbräuche, allein ohnezu beleidigen, und obgleich Vieles sein eignes Vaterland traf, ertheilte ihm der Kö-nig doch eine Commanderic des Constantinordenü. 1783 gab er die folgenden 2Bände heraus, welche die Criminaljustit betreffen. Diese Materie ist hier in ihremvollen Umfange behandelt, und die freimüthigsten und unbefangensten Ansichtenherrschen durch das Ganze. Eben diese Freimüthigkeit und Offenheit erbittertenaber den für seine Feudalrechte fürchtenden hohen Adel und Klerus, und man triebnicht allein einen feilen Autor (Joseph Grippa) auf, welcher F. widerlegen mußte,sondern verbot auch durch ein geistliches Decret vom 6. Dec. 1784 das Buch alsaufrührerisch und gottlos. Dem elenden Grippa antwortete F. gar nicht, denFeudalisten »nd Curialisten aber bloß im nächsten Jahre durch den 5., 6. und 7.Band seines Werkes, in denen von der Erziehung, den Sitten und dem öffentlichenUnterrichte gehandelt wird. 1783 hatte sich F. mit Karoline von Frendel, derTochter eines ungarischen Edelmanns und Erzieherin der zweiten Tochter des Kö-nigs von Neapel , vermählt, und sich bald darauf, mit Bewillig.mg des Monarchen,nach Cava, einer kleinen Stadt im Neapolitanischen, zurückgezogen, um hier inländlicher Stille den letzten Band seines großen Werkes, welcher die Religion in Be-ziehung auf den Staat betreffen sollte, auszuarbeiten. Allein seine Gesundheit hatteschon sehr gelitten, und er rückte nur langsam vor. Auch berief ihn Ferdinand IV. (1787) in seinen höchsten Finanwatk. So mußte er nach Neapel zurückkehrenund sich fast ausschließend seinem neuen Berufe widmen. Bald wurde er ernstlichkrank und starb am 21. Juli 1788 in einem Alter von 36 Jahren. Vorher hatteer den 8. Theil seinesWerks vollendet, worin von den Religionen vor dem Christen-rhume die Rede ist. Man findet auch hier den scharfsinnigsten Forscher und trcff-