Band 
Vierter Band. F bis G.
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Fingal

Gewohnheit, welche jetzt in allen gesitteten Staaten als Verbrechen geahndet wird.Doch auch in den älteste» Zeiten suchte der Staat die ausgesetzten Kinder zu erhal-ten ; die Findelhäuser aber sind erst eine Einrichtung der neuesten Zeiten. Daspariser wurde 1620 eingerichtet und hat seit dieser Zeit bis 1807, 464,628 Kin-der aufgenommen. In ganz Frankreich betrug 1784 die Anzahl der Findelkindernicht über 40,000; dagegen im I. 1798 über 51,000, und im I. 1822 zählteman 138,500 ! Vgl. die von der par. Akad. d. Wiss. gekr. Preisschr. des Hrn.Benoiston de Chateauneuf: „6o»!>i<Ieratini><> rnr les enl»i>5 tiouveii <1.'>II8 lo;jniiicipaul ätalü ,1e I'kniiope" (1824). Nach dem Vers. hat sich säst in alleneurop. Ländern die Zahl der Findelkinder seit 40 Jahren sehr vermehrt, am meistenin Frankreich . Durch die Findelhäuser wird nicht nur das Aussetzen der Kinder,sondern auch der Kindermord und das Abtreiben der Frucht sehr beschränkt, fernerwerden die Kinder oft physisch und moralisch besser erzogen als bei schlechten Älternund schlechten Ziehemüttern. Der Einwand, daß durch die Findelhäuser die Lrit-ten gefährdet und verschlechtert werden, ist nur scheinbar, weil der Staat ebendurch sie die unglücklichsten Wesen vom Verderben rettet. Noch macht inan ihnendie große Sterblichkeit, welche in den Findelhäuser» herrscht, zum Vorwarf. In-dessen ist dieselbe in den bessern bereits sehr vermindert worden, vorzüglich dadurch,daß man die Kinder zur Erziehung an auswärtige, auf dem Lande lebende, säu-gende Mütter gibt, und diese in gehöriger Aussicht behält. Von den Kindern,welche Privatpersonen sogenannten Ziehemüttern ohne Aufsicht überlassen, werdenbei weitem mehre aufunmenschliche Weise vernachlässigt und getödtet, als imFin-delhause sterben. Gut eingerichtete Findelhäuser sind daher ein wichtiger Ge-genstand der medicinische» Polizei.

Fingal (Fin Mac Coul okerFionghal), der Vater des schottischen BardenOfsian, und durch dessen Gesänge so berühmt geworden, wie Achill durch Homer .Er war Fürst inMorven(Morbhein), einer Provinz des alten CaledonienS, in derzweiten und auch wol in der ersten Hälfte des 3. Jahrh, nach Chr., und schonseine Vorfahren scheinen lange über den Stamm geherrscht zu haben, an dessenSpitze er sich als Held und Mensch auszeichnete. Der Umfang seines Reichs läßtsich nicht bestimmen, weil wahrscheinlich Jagd die Hauptbeschäftigung seinesStammes war. Wahrscheinlich sind die Herrscher der Hebriden , der nördlichenund westlichen Hochländer, von ihm zu Lehn gegangen, und er selbst mag seinenSitz in der Nähe von Glenco, zu Selma, gehabt haben. Wenn sich in allen Thei-len der Hochländer große Gebäude, Gewölbeic. finden, die seinen Namen tragenund auf die Ehre Anspruch machen, daß er darin gehaust habe, so kann dies Folgedes mit der Jagd verbundenen unstäten Aufenthalts sein. Seinen kriegeri-schen Ruhm verdankte F. besonders den Kämpfen mit den das jetzige England beherr-schenden Römern. In ihre Provinz machte er oft Streifzüge und brachte dannden Wein und das Wachs der Fremden als köstliche Beute heim. Ob der RömerCaracul, denOssian nennt, Caracalla gewesen sei, ist, obschon Gibbon, Whiteberund Macpherson es meinen, sehr unwahrscheinlich, da dieser im Anfange des3. Jahrh, herrschte, und F. 283 starb. Zur See wagte er häufig Fahrten nachSchweden, den Orkneyinseln, nach Irland ; Ofsian bezeichnet diese Punkte mitdem Namen: Lochling, Innislore und Ullin. Besonders sind solche Züge durchdie 2 übriggebliebenen epischen Gedichte Osiian'S, „Fingal" und „Temora", ver-herrlicht. Im letzter» erscheint der Held mit seinem Enkel Oskar, Ossian's Sohne.Seinen Tod (im I. 283) besingt Ozsian gelegentlich, ohne die nähern Umständeanzugeben. Der Charakter F.'s ist der edelste, den ein Dichter je geschildert hat.Unbesiegbar in der Schlacht, ist er auch Vater seines Volks. Großmuth undMenschenliebe bewegen ihn zum Mitleiden mit dem besiegten Feinde; „kein Armerging betrübt von Fingal weg!" — „Oscar, bekämpfe die Stärke in Waffen, aber