Band 
Vierter Band. F bis G.
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124 Finnland

bleibt der Charakter der Phvsiognomie derselbe. Die Tscheremissen und Tschuwa-schen haben in ihrer Körperbildung mehr von den Tataren; die Mordwinen aberkomme» darin den Russen, und die Wogulen den Kalmücken näher. Die Finnensind grdßtentheils Christen und bekennen sich entweder zur lutherischen oder grie-chischen Kirche; doch findet man auch noch unter den Tscheremissen, Mordwinen,Wotjäken und Wogulen Heiden, oder eigentlich Schamanen. Ein Theil der Fin-nen treibt ordentlichen Ackerbau und hat eine gewisse Cultur erlangt, besonders dieeigentlichen Finnen; ein andrer Theil lebt nomadlsirend, sowol von Viehzucht alsJagd und Fischerei. Unreinlichkeit und Trägheit ist einem großen Theile der finni-schen Völkerschaften eigen. Die Finnen, im engern Sinne, sind ernsthaft, uner-müdet, arbeitsam, zu allen Beschwerlichkeiten abgehärtet, unerschrocken, tapfer,standhaft, aber auch sehr eigensinnig und starrköpfig; dabei dienstfertig und gast-frei. Es fehlt ihnen nicht an Geistesanlagen: eine ausgezeichnete Neigung habensie zur Dichtkunst und Musik. S. eine fjbersicht der finnischen neuern Literaturin den „Wiener Jahrbüchern", 9. Bd., S. 19. Eine finnische Sprachlehrehat der Propst Strahlmann geschrieben.

Finnland , ein russisches Großfürstenthum (6402 IHM., 1,378,500Einw.) mit 12 Kreisen. Es besteht 1) aus den schon 1721 und 1743 (s. Äbound Nystadr, Frieden zu) von Schweden an Rußland abgetretenen Theilen desGroßfürstcnthums Finnland (welche seitdem ein besonderes russisches Gouverne-ment mit der Hauptstadt Wiburg bildeten); 2) aus dem 1809 durch den Friedenzu Friedrichshamm von Schweden an Rußland abgetretenen GroßfürstenthumFinnland mit den Alandsinseln (s. d.), und 3) aus den durch denselben Friedenvon Schweden abgetretenen Theilen von Osterbott» und Lappland . Aus diesen dreiBestandtheilen wurde den 6. Aug. 1809 das jetzige Großfürstenthum F. errichtet,dessen Verwaltung von der der übrigen russischen Provinzen ganz verschieden ist.Ein Generalgouverneur steht an der Spitze des finnländ. Regierungsconseils, dessen14 Mitglieder Finnländer sind. In St.-Petersburg werden die finnländ. Ange-legenheiten seit 1826 von einem besondern StaatSsecretariat geleitet. Staatssecre-tair für Finnland ist gegenwärtig Baron v. Rehbinder, dessen Adjunct der wirklicheStaatsrath Hartmann ist. — Die Hauptst. HelsingforS , wohin den 1. Oct.1819 die höchste Behörde (der finnländ. Senat oder das Regierungsconseil) vonHbo (s. d.), und 1827 die Universität verlegt wurde, hat 8000 Einw. und Seehan-del. Unweit davon liegt die starke Festung Sweaborg (s. d.). Der Boden desLandes ist theils bergig und felsig, indem er von Fortsetzungen des skandinavischenGebirgS durchzogen wird, thests flach, sandig, sumpfig und mit einer Menge größe-rer und kleinerer Seen angefüllt. Unter den Flüssen ist der Kvmmenefluß der be-trächtlichste. Obgleich Felsen, Sümpfe, Seen, Sandstriche und Waldungen (einHauptreichthum des Landes) einen großen Theil der Oberfläche einnehmen, so fehltes doch nicht an Gegenden, welche ergiebig an Getreide, Kartoffeln und Flachs sind,und auch guten Wiesewachs haben; daher die Viehzucht wichtig ist. An Bärenund Wölfen ist das Land, sowie die Gewässer an Fischen, sehr reich. DieEinwohner sind größtentheils Finnen (s. d.), die sich meistens zur lutherischenKirche bekennen, ferner Russen, Schweden und Deutsche in geringer Zahl.Eigentliche Fabriken und Manufacturen gibt es, mit Ausnahme einiger der grö-ßer» Städte, in Finnland nicht. Die stärkste Bevölkerung findet man an denKüsten. Das Innere des weitläufigen Landes ist noch sehr menschenleer, undder von Lappland und Osterbottn hinzugekommen Theil, seines eisigen Kli-mas halber, nur einer geringen Bevölkerung fähig. Finnlands Festungenund Lage machen es für Rußland sehr wichtig. Die Grenzen gegen Schwe-den wurden 1821 zu Tornea (s. d.), und die gegen Norwegen 1826 fest-bestimmt.