Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
125
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Finsterniß 125

Finsterniß. Unsere bisherige Physik erklärte die Finsterniß als bloßeNegation (Verneinung, Mangel) des Lichts, wie die Kälte als Negation oder Man-,gel der Wärme. Dies ist aber eine nichtssagende Erklärung, da es überhaupt keineGegenstände geben kann, wovon der eine die bloße Verneinung des andern wäre; kenndas Nichts, der Mangel ist ja kein Satz, keine Position, folglich auch kein Gegensatz,keine Gegenposition, sondern es wird vielmehr durch das Wort Mangel das Daseineiner Position geläugnet. Wäre z. B. die Kälte bloß Mangel an Wärme, so konnteman sie nicht empfinden, denn nur was ist und wirkt, kann empfunden werden,nicht aber was mangelt, also nicht ist und nicht wirkt. Ist irgend ein Satz real(wirklich), so muß es auch sein Gegensatz sein, und daher ist auch die Finsternißder reale Gegensatz des Lichts. Die bekannte Sage von der ägyptischen Finsterniß,daß man sie mit Händen greifen konnte, deutet wenigstens darauf hin, daß dieAlten von der Realität der Finsterniß überzeugt waren. Die Finsterniß ist der Ge-gensatz des Lichts, und aus der rechten Erkenntniß des letztem (vgl. Licht) wirdauch die wahre Anficht der erstem hervorgehen, wenn man die wissenschaftlicheKenntniß der Elemente (s. d.) zu Rathe zieht. Wenn das Licht die Erschei-nung der Wechselwirkung zwischen der Sonne und den Planeten ist, welche miteinander uni die Oberherrschaft streiten, mit vorherrschender Sonnenthärigkeir, sowird auch die Finsterniß das Resultat der Wechselwirkung entgegengesetzter Thätig-keiten sein, aber ein Resultat, welches den Gegensatz des Lichts darstellt. In die-sem Wechselspiel oder Kampfe ist aber die Sonne nicht mit begriffen, denn dieNachtseite des Planeten ist die von der Sonne abwärts gekehrte. Hier kann derStreit nur innerhalb des Planetenreichs fallen, d. h. die Wechselwirkung kann nurzwischen seinen Elementen stattfinden, in welche der Planet oder dessen Einheit,unter dem kräftig erregenden Einfluß der Sonne, zerfallen ist. Der größte Theilder planetischen Materie hat sich der Sonnenherrschast entzogen, ist undurchsichtigund fest geworden: Erde, Erdelement als fester Kern des Planeten); ein andrerkleinerer Theil hat sich dem Zepter der Sonne unterworfen, sich gleichsam ihrerErziehung hingegeben, und ist daher solar (sonnenhafi), d. h. durchsichtig, lei^u,gasig, Licht- und Wärmeorgan, mit Einem Worte, ätherisch geworden: Luft.Das Mittel zwischen diesen beide» entgegengesetzten Elementen hält das neutraleWasser, welches weder fest noch gasig, sondern gleichsam BeitcS zugleich, oder einDrittes aus Beiden, d. h. flüssig ist, und auch in allen übrigen Eigenschaften dasMittel zwischen den genannten beiden Extremen des Planeten hält, daher beidennur vermittelnd entgegengesetzt ist. So stehen also Erde und Luft, oder Atmo-sphäre, einander feindlich gegenüber, jedes mit dem Streben, sich in diesem Streitezu behaupten und auf Kosten des Andern zu erhalten. Das Streben der Erde oderdes Erdelements geht auf Berfestung der Luft, um diese gleichsam als Nahrungs-mittel in sich aufzunehmen und in seine Substanz zu verwandeln, was aber nurtheilweise gelingt, und nicht ohne Mitwirkung (Vermittelung) des Wassers. Eingleiches selbstisches Wtreben hat im Gegentheil auch die Luft, welche das Feste zulösen, zu verflüchtigen und so in sich aufzunehmen, gasig zu machen sucht. Diesgelingt ihr am meisten bei Tageslicht, wo sie durch die Mitwirkung der Sonne inihrem AssimilationSgeschäft unterstützt wird. Dagegen hat zur Nachtzeit die Erdein ihrer verfestenden, erstarrenden Thätigkeit das Übergewicht, und der Ausdruckdieses Strebend und Ankämpfend gegen die Luft offenbart sich als Finsterniß.Wenn nun die Finsterniß der Gegensatz (nicht die Negation) des Lichtes ist, so wirdsie ein dem Sonnenlichte, überhaupt dem kosmischen Lichte entgegengesetztes Lichtsein müssen, und wenn das kosmische Licht das Medium des Sehens für das Kopf-oder Tagauge ist, so wird die Finsterniß, als planetisches Licht, das Medium desSehens für ein andres, dem Tagauge entgegengesetztes Auge, d. h. für ein Nacht-auge, sein. Daß es ein solches Auge gibt, davon belehren uns die Erscheinungen